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SCHERZE: Die vielen Opfer des Aprilscherzes

Lüsterne Adlige werden zur Raison gebracht, Spaghetti wachsen plötzlich an Bäumen, im Zoo gibts Morgengymnastik mit Orang-Utans: Wenn solches verkündet wird, dann ist der 1. April. Seien Sie also morgen auf der Hut!
Michael Graber
Das ist König Heinrich IV. Weil er es mit der Treue nicht so genau nahm, wurde er Opfer eines Aprilscherzes. Lesen Sie hier, was ihm dabei widerfahren ist. (Bild: Getty)

Das ist König Heinrich IV. Weil er es mit der Treue nicht so genau nahm, wurde er Opfer eines Aprilscherzes. Lesen Sie hier, was ihm dabei widerfahren ist. (Bild: Getty)

Woher kommen eigentlich Spaghetti? Logo: aus der Schweiz. Die wachsen dort an Stauden und werden anschliessend in die Sonne gelegt, damit sie trocknen können. Anschliessend werden sie in die ganze Welt verschickt. Besonders gut wachsen solche Spaghetti-Bäume im Tessin – die milden Winter sind der Ernte jeweils sehr zuträglich.

Quatsch? Klar. Aber genau daran glaubten zahlreiche Briten 1957. Der öffentliche TV-Sender BBC berichtete am 1. April exklusiv von dieser Art der Teigwarenherstellung. Anschliessend sollen die Telefonleitungen beim Fernsehsender dauerhaft besetzt gewesen sein: Manch gelackmeierter Engländer erkundigte sich nach möglichen Bezugsquellen für solche Bäume. Der gut dreiminütige Bericht, der von 8 Millionen Menschen gesehen wurde, ging als einer der legendärsten und bestgemachten Aprilscherze in die Geschichte ein. Er erfreut sich gar auf dem Internetportal Youtube anhaltender Beliebtheit.

«April, April!»

Morgen ist es wieder so weit: Der 1. April steht auf dem Kalenderblatt, und praktisch rund um den Globus werden Menschen «in den April geschickt». Manchmal subtil, manchmal mit der Brechstange. Meist lustig. Begleitet hierzulande mit den Worten «April, April!», die man kurz vor der Auflösung ausspricht.

Es gibt kaum ein Land, das keine entsprechende Tradition kennt. Ein weltweiter Exportschlager also? Könnte man durchaus sagen, wenn man denn wüsste, welchem Land man die Meriten verleihen müsste. Die Entstehungs­geschichte des Aprilscherzes ist nämlich mindestens so rätselhaft wie die Gedanken jener Menschen, die sich den Spaghettibaum ausgedacht haben.

Verbrieft ist einzig, dass «in den April schicken» erstmals 1618 als Redensart in Bayern überliefert wurde. Vom «Aprilscherz» war erst rund 200 Jahre später erstmals die Rede. Aber wie so oft hinderte die fehlende Sprachlichkeit die Menschen nicht daran, trotzdem das Gleiche zu tun. Allerlei Streiche wurden schon lange vor der Benamsung gespielt.

Das falsche Date

Einige jener Streiche werden dann und wann gar als Erklärung herbeigezogen, warum man am 1. April eben Schabernack treibt. Das vielleicht unterhaltsamste Beispiel stammt aus Frankreich. Dort stand König Heinrich IV. um 1600 im Verdacht, seine Gunst eher jüngeren Damen zukommen zu lassen statt seiner Frau Maria von Medici. Der König erhielt dann einen Brief von einer angeblichen 16-jährigen Gespielin, die ihn zu einem romantischen Wochenende in ein Schloss einlud.

Der König folgte lustmolchig der Einladung, fand dort aber weder eine Geliebte noch ein anderes amouröses Abenteuer vor, sondern seinen ganzen Hofstatt inklusive seiner Frau. Diese dankte ihm vor versammelter Menge, dass der König ihre Einladung zu diesem «Narrenball» angenommen habe. Ob dieses Ereignis tatsächlich stattgefunden hat, steht aber in den Sternen. Ein guter Scherz wäre es allemal gewesen, sogar mit einem netten moralischen Augenzwinkern.

Ein Unglückstag

Andere Quellen nennen weit trivialere Gründe für Scherze am ersten Apriltag. Unter anderem soll in diversen Kulturen der 1. April als Unglückstag gegolten haben – analog etwa zum Freitag, dem 13. Kein Wunder also, dass man sich jenen Unglückstag mit einigen Scherzen etwas versüssen wollte. Ebenfalls als Begründung herhalten muss – wie so oft – das Wetter, das ja bekanntlich (und nicht erst seit Emil) «im April macht, was es will». Für Bauern im Mittelalter konnte das tatsächlich zu gravierenden Problemen führen, etwa wenn man zu früh aussäte.

Auch am 28. Dezember

An ein noch tragischeres Ereignis erinnert dagegen der 1. April in südamerikanischen Ländern. Dort wird der Tag nicht im April, sondern im Dezember begangen. Am 28. Dezember feiert man den «Dia de los Santos Inocentes» (Tag der unschuldigen Kinder). Dieser erinnert an den biblischen Kindermord von Bethlehem, als König Herodes angeordnet hat, alle männlichen Kleinkinder zu töten. Dies, weil er Jesus beseitigen wollte, der als neugeborener «König Israels» galt. «Inocente» heisst aber nicht nur unschuldig, sondern auch naiv. Und darum werden in Lateinamerika an jenem Tag Streiche gespielt.

Ebenfalls eine schöne Tradition sind die Aprilfische, die Kinder einander möglichst unbemerkt an den Rücken kleben. Das kennt man vor allem in Italien, Belgien und Frankreich.

Affen zum Frühstück

Möglichst unbemerkt ist sowieso das Zauberwort bei Aprilscherzen. Ein guter Scherz basiert auf einem Ding oder einem Ereignis, das tatsächlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit besitzt. Besonders beliebt sind jeweils Scherze, die einen konkreten Event ankündigen. Eine Zeitung meldete Ende der Neunzigerjahre etwa, dass man im Zoo künftig Frühstück inklusive Morgengymnastik mit den Orang-Utans abhalten könnte. Der Zoo erhielt über 150 Anrufe – und entschied sich darauf sogar, ein ähnliches Angebot tatsächlich durchzuführen. Aus einem guten Scherz wird im Idealfall also sogar Tatsache.

Um die Ehre der Briten übrigens noch ein wenig zu verteidigen: In den Fünfzigerjahren kannte man auf der Insel Spaghetti vor allem als Zutat von Konservennahrung. So absurd der Scherz für uns heutzutage wirken mag, so naheliegend war er damals. In den Augen vieler Engländer war es tatsächlich plausibel, dass Spaghetti an Bäumen wachsen. Heutzutage wäre es wohl undenkbar, diesen Scherz noch einmal zu versuchen.

Wer und womit man uns dieses Jahr hinters Licht führen will, wissen wir spätestens morgen. Zumindest am Abend, dann lösen die meisten Zeitungen und Portale ihre Scherze auf – bei den richtig guten merkt man es erst dann. Und manchmal ist man dann auch erstaunt, dass die eine oder andere «seriöse» Meldung tatsächlich eine solche ist.

Das Spaghetti-Video finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus.

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