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Neues Mundart-Album vom Luzerner Tobi Gmür: Schlichte Songs mit Wut und Liebe

Das dritte Mundart-Album von Tobi Gmür heisst «Bern». Die neuen Songs hat er dort mit dem Züri-West-Produzenten Oli Bösch eingespielt.
Pirmin Bossart
Der Luzerner Musiker, Sänger und Songwriter Tobi Gmür (45). (Bild: Ed Leijnse/PD)

Der Luzerner Musiker, Sänger und Songwriter Tobi Gmür (45). (Bild: Ed Leijnse/PD)

In zehn neuen Songs auf gut 33 Minuten bringt Tobi Gmür, der stille Luzerner Indie-Rock-Songwriter, seine Gefühlslagen neu auf den Punkt. Wenn der Eindruck nicht täuscht, ist er ein bisschen brüsker und aufgebrachter geworden, ehrlicher auch. Er gibt seine Seelenregungen preis, ohne weinerlich zu sein, aber man spürt, dass es manchmal rumort in ihm. Wie zum Beispiel in diesem Song:

Das Album hat einen rockigeren Impuls, geradlinig wird gespielt. Musikalisch ist das recht einfach gestrickt, die Songs beginnen sich erst nach und nach zu differenzieren. Dieses und jene Riffs oder eine bestimmte Melodiegebung meint man schon gehört zu haben, aber das sind die Wurzeln und Einflüsse, die einen Tobi Gmür in den 1980ern und 1990ern begleitet haben. Wohl haben die Songs Melodie, Drive und kurze Erkennungshooks. Aber es reicht nicht für den zwingenden Ohrwurm oder gar den genialen Wurf, von dem jeder Musiker träumt, auch wenn er ihn nie erreicht.

Zum kleinen Outlaw stilisiert

Fast noch süffiger als die Musik sind gewisse Textzeilen, die sich einprägen. «Ech chome ech chome / ech laufe nor no rasch dromome» kalauert Gmür auf dem Eröffnungssong, in dem er sich zum kleinen Outlaw stilisiert. «All ehr guet Vernetzte massiv fescht Öberschätzte / ehr chönnt mech alli mol chrüzwiis / ech wett ne ned, öiche Troschtpriis», macht er sich Luft, um dann wie im Film abzuschliessen: «Mer rauche em Charre / ech ha de Plan ond du d’Knarre.»

Auf anderen Songs ringt Gmür mit der Liebe, sucht Halt, fühlt sich angenommen. «Be wiit öber d’Gränze ha d’Regle broche/ aber Baby ech ha sie alli broche för dech / Au wenn ech donde be ohne Muet ohni Lohn / gesch du mer s’Gfühl ech choschti 1 Million / es esch wohr, me hed mech gmacht für dech.» Aber da sind auch Unsicherheiten und Abgründe. «Ech züüsle ond ech brönne / doch es wird nie warm debii / mängisch hani s’Gfühl ech gohne druuf debi», singt er in «Chretz», dem letzten Song des Albums.

Gar «politisch» wird es im Song «Zämeschtoh», in dem er von Gemeinschaft und Solidarität träumt, jenseits der üblichen Parteienränkespiele. Die zweite Stimme kommt vom Berner Rocksänger Bubi Rufener, der für zusätzlichen Pepp sorgt. «Mer schtenkt’s, s’esch alles s’gliiche Pack / vo Rächts bes Lenks / Mer mössted nome chli zämeschtoh / das helft.» Wenn es so einfach ginge, wäre die Welt schon lange eine andere, denkt der Hörer. Aber das Prinzip Hoffnung hat im Rocksong noch nicht verloren. Die Energie der Musiker lebt davon.

Auch melancholische Töne angeschlagen

Einen melancholischen Tonfall schlägt der Song «Gebätt» an, der auch seine geheimnisvollen Seiten hat. «Du hesch käi Ahnig gha /dass ech s’gliiche ha wie du / Du hättsch gschtuunet / wenn du gwösst hättsch dass ech au...». Gmür hat den Song seinem verstorbenen Freund und Mothers-Pride-Kumpel Sam Reber gewidmet. Mit den aufgekratzt rockenden Mothers Pride war Tobi Gmür in den frühen 1990er-Jahren bekannt geworden. Die anfängliche Teenieboy-Group hatte sich mit Hunderten von Konzerten und mehreren ­Alben auch zur nationalen Bekanntheit gemausert.

Den Wechsel zum Mundartrockschreiber und -sänger machte Tobi Gmür mit dem Album «Sincerely, T. Gmür» (2015). Schon ein Jahr darauf erschien mit «Winterthur» das erste Album seiner «Tour de Suisse», die ihn in verschiedene Aufnahmestudios/Städte führen soll. Nun ist er mit «Bern» in jener Stadt gelandet, wo die besten Mundartrockbands ihre Karriere begannen und mit Oli Bösch ein einfühlsamer Produzent sitzt (Züri West). Er hat auch auf «Bern» seine subtilen Spuren hinterlassen.

Tobi Gmür: Bern, CD, 2018

Plattentaufe: Freitag,14. Dezember 2018, 20 Uhr, Konzerthaus Schüür, Luzern. Support: Bubi Eifach.

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