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Schluss mit dem Alltag: Lucerne Festival startete am ersten Wochenende durch

Orchestrale Geniestreiche und eine Kalorienbombe, ein Hauskonzert im Konzertsaal und Katakombenklänge: Das Sommerfestival startete am Wochenende auf allen Programmschienen.
Urs Mattenberger
Start der Gastorchester: Jonathan Nott und das Orchestre de la Suisse Romande. Bild: LF/Patrick Hürlimann

Start der Gastorchester: Jonathan Nott und das Orchestre de la Suisse Romande. Bild: LF/Patrick Hürlimann

Festivals haben «Suchtpotenzial», gestand einmal der Intendant des Lucerne Festival, Michael Haefliger: Die Dichte an Veranstaltungen steigere die Aufmerksamkeit und Neugier und damit auch die Aufnahmebereitschaft über das hinaus, was im Saison-Alltag möglich ist.

Genau darauf war dieses Eröffnungswochenende des Sommerfestivals ausgerichtet. Auf den Auftritt des Superar-Camp-Orchesters mit 130 jugendlichen Musikern (wir berichteten) folgten erste Gastorchester, der Start der Moderne mit Composer in residence Fritz Hauser, der erste Auftritt von Artiste Etoile Sol Gabetta und eine Begegnung mit der Luzerner Sopranistin Edith Mathis (vgl. separaten Beitrag).

Ein zweites Festivalorchester

Den Anfang der Gastorchester machte am Samstagabend das Chamber Orchestra of Europe unter Leitung von Bernard Haitink. Pikant: Es bewies, dass es in der Frühromantik wie selbstverständlich über die Leichtigkeit und Transparenz verfügt, die sich das Festivalorchester bei der Suche nach einem breiteren Profil – im Eröffnungskonzert vom Freitag mit Mozart – erst aneignet.

Das machte das Orchester in Mendelssohns Violinkonzert zum kammermusikalischen Partner der Geigerin Alina Ibragimova, die dem Werk mit feinnervig gespanntem Ton eine persönliche Note gab. Und auch in Schuberts grosser C-Dur-Sinfonie setzten Haitink und dieses Orchester Abbados Idee von orchestraler Kammermusik pointiert und mit viel Jubelglanz um. Man möchte fast von einem zweiten Festivalorchester sprechen, spielt das Chamber Orchestra of ­Europe doch neben zwei eigenen Programmen heute Abend auch in einer Eigenproduktion des Festivals unter Heinz Holliger.

Sommertenues gegen «Tatort»-Klischees

Es mochte am sonnigen Morgen liegen, dass im zweiten Sinfoniekonzert vom Sonntag sommerlich-leichte Kleider nicht nur auf Orgelempore und Balkonen dominierten, sondern auch dem Parkett etwas vom Abendroben-Image nahm, das der «Tatort» aus dem KKL kürzlich klischeehaft übersteigerte. Aber es passte auch zum Dirigenten Jonathan Nott, der in Luzern als Chefdirigent Türen geöffnet hatte und jetzt erstmals mit seinem Orchestre de la Suisse Romande in Luzern auftrat. Es war ein originelles Nott-Programm zum Thema «Kindheit». Zur Festival-Dichte gehörte aber auch, dass man nach jenem von Mendelssohn ein zweites top-populäres Violinkonzert hören konnte.

Der Unterschied zwischen den beiden Geigern war schon optisch eklatant: Bestach Ibragimova tags zuvor durch eine ganz authentisch wirkende Natürlichkeit, stellte sich Renaud Capucon jetzt mit titanischem Blick und breitbeinig auf der Bühne auf – «ein Ronaldo unter den Geigern», meinte ein Konzertbesucher lachend. Und das Optische setzte sich im Musikalischen fort: Mit einem grossen, quasi orchestralen Ton meisterte Capucon nicht nur die heiklen Doppelgriffpassagen souverän, sondern verhalf dem Werk zu einer unablässigen Hochdruckintensität.

Wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Nott und dem Orchester sein dürfte, zeigte exemplarisch Debussys «Jeux». Es war ein orchestrales Meisterstück, wie frei und doch präzis in dieser unsteten Partitur die Klänge wie vom Wind hin und her geweht wurden. Die Konditorei-Szenen aus Richard Strauss’ «Schlagobers»-Suite dagegen entpuppten sich als musikalische Kalorienbombe, nach der Nott als Erfrischung einen folkloristisch-schmissigen Geniestreich des jungen György Ligeti (aus dem «Concert Românesc») servierte und das begeisterte Publikum zum Staunen brachte.

Neue Formate der Residenzkünstler

Start der Artiste Etoile: Cellistin Sol Gabetta (am Hammerflügel: Kristian Bezuidenhout). Bild: LF/Priska Ketterer

Start der Artiste Etoile: Cellistin Sol Gabetta (am Hammerflügel: Kristian Bezuidenhout). Bild: LF/Priska Ketterer

So reichte eine Stunde Mittagsimbiss, um wieder fit zu sein für die Kammermusik, mit der sich am Nachmittag die Cellistin Sol ­Gabetta vorstellte. Nach der «Schlagobers»-Klangorgie wirkte die Reduktion auf Cello, Stimme (der Bariton Matthias Goerne) und Hammerflügel (Kristian Bezuidenhaut) im Konzertsaal intim wie ein Hauskonzert. Kam hinzu, dass Goerne die Geschichten der Schauer- und Sehnsuchtsromantik in allen Farben ausmalte. Dass Sol Gabettas Cello in Liedern von Schumann, Brahms und Schubert begleitend hinzutrat, machte daraus ein kleines, aber feines neues Konzertformat, das Liedrezitals über deren Fangemeinde hinaus attraktiv machen könnte.

Start der Moderne: Theatraler Auftakt zu Fritz Hausers «Chortrommel». Bild: LF/Peter Fischli

Start der Moderne: Theatraler Auftakt zu Fritz Hausers «Chortrommel». Bild: LF/Peter Fischli

Mit einem neuen Format startete am späten Samstagabend auch die Moderne. Nach einem Konzept von Fritz Hauser wurden hier sein Schlagzeug-Trio «Klick», die Basler Madrigalisten und ein Laienchor zusammengeführt zu einer «Chortrommel» in wechselnden Besetzungen. Vielversprechend waren das Licht und die szenische Einrichtung im Luzerner Saal, in denen Werke von sieben Schweizer Komponisten mit starken theatralen Aktionen umgesetzt wurden.

Das begann mit einem Menschenknäuel und gipfelte am Schluss in einer gespenstischen Raummusik, wenn zu den Basler Madrigalisten auf der Bühne der contapunctus chor unter den Zuschauerrängen wie aus einer Katakombe hervortönte. Auch wenn solche Möglichkeiten zu wenig genutzt wurden und die 75 Minuten allzu lang und beliebig dahinplätscherten, machte das Lust auf die weiteren Raummusiken, die dieses Festival (auch von Hauser selber) bietet.

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