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SCHNIPO SCHRANKE: Grölen über Depressionen

In ihren Texten geht um Pisse und Sperma und Psychosen. Am Donnerstag spielt das Hamburger Indie-Pop Duo Schnipo Schranke in der Schüür Luzern.
Friederike Ernst und Daniela Reis sind Schnipo Schranke. (Bild: PD)

Friederike Ernst und Daniela Reis sind Schnipo Schranke. (Bild: PD)

Gut gelaunt nehmen Schnipo Schranke Anfang Woche das Telefon ab. Es ist vormittags um elf: «Ich wurde heute von einem Specht geweckt», schildert Friederike Ernst, die von allen nur Fritzi genannt wird, ihr Aufwachen. Fritzi ist die eine Hälfte des Hamburger Duos, die andere ist Daniela Reis. Aufgewachsen sind beide in Süddeutschland, Fritzi im bayerischen Augsburg und Daniela im baden-württembergischen Tettnang. «Das liegt gleich am Bodensee, einfach auf der anderen Seite.»

Humor über Körperflüssigkeiten

Mittlerweile leben beide in Hamburg und starten mit ihrem Musikprojekt Schnipo Schranke durch. Im vergangenen Frühling ist ihr zweites Album «Rare» erschienen, und diese Woche touren sie durch die Schweiz: St. Gallen, Luzern, Bern und Zürich. So eigenwillig wie ihr Name – Schnipo steht für Schnitzel Pommes und Schranke für Rot-Weiss, die Farben von Ketchup und Mayonnaise – sind auch ihre Texte.

2015 landeten sie mit dem Song «Pisse» einen kleinen Hit. «Warum schmeckt’s, wenn ich dich küsse, untenrum nach Pisse?» Ob Pisse, Pimmel oder Sperma, Schnipo Schranke nehmen kein Blatt vor den Mund. Es sind Begriffe, die schon zu Urgrossvaters Zeiten in der Alltagssprache gebräuchlich waren, nicht erst seit heute. «Wir sehen keinen Grund, weshalb das in Songtexten blumiger ausgeführt werden soll», erklärt Daniela Reis. «Wir wollen nicht provozieren, es geht einfach um Realismus.» Fritzi Ernst fügt an: «Es ist unrealistisch, wenn man über Liebe singt und Körperflüssigkeiten auslässt.» Im Song «Pimmelreiter» heisst es: «Wir existieren in mir, da seh’ ich vier. Ich reit’ Pipi, Sperma und so weiter. Und durch knöcheltiefen Eiter.»

Depressionen und Ängste stehen im Mittelpunkt

Vordergründig sind es die für bürgerliche Zeitgenossen als vulgär empfundenen Ausdrücke der Band, die sie populär macht. Das eigentliche Thema der beiden Wahlhamburgerinnen sind jedoch Versagensängste, Depressionen und Psychosen. Zustände und schwierige Situationen, die beide schon durchgemacht haben oder auch immer wieder durchmachen müssen und die sie in den Songs beschreiben. Wer seinen Arm bricht, erhält von Mitmenschen Mitleid, bei psychischen Problemen werde dagegen oft die Nase gerümpft. «Psychische Probleme und Depressionen werden in unserer Gesellschaft nicht ernst genommen», erklärt Daniela Reis. Selbst in ihrem Freundeskreis sei für viele eine Grenze erreicht, obwohl alle total offen seien.» Es wäre wünschenswert, dass jeder seine Sorgen auspacken kann, ohne ausgelacht zu werden», sagt Fritzi Ernst.

An den Konzerten würden die Fans ihre ernsten Texte über Depression mitgrölen. «Dann verwandeln sich die Probleme in positive Energie.» Damit sei ihr Ziel erreicht. «Man darf und soll lachen, wir bringen viel Humor.»

Philipp Bürkler

Hinweis

Schnipo Schranke, Do, 23.11., 20 Uhr, Schüür Luzern Infos unter schuur.ch

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