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Nachruf auf eine der Grossen des deutschen Films: Hannelore Elsner

Zum Tode der grossen deutschen Darstellerin Hannelore Elsner: Auf 225 Filme hat sie es gebracht. Mit 57 startete sie ein zweites Mal durch – und elektrisierte das Publikum als alternde Diva.
Daniel Kothenschulte

Es gehört zu den Besonderheiten des Schauspielerberufs, dass auch die grossen Talente ihr ganzes Leben weiter reifen. Doch der Markt ist zu ihnen häufig ungerecht. Nur wenigen Stars gibt man auch im Alter noch Rollen, die würdige Herausforderungen mit sich bringen. Hannelore Elsner gehörte zu diesen glücklichen Ausnahmen.

Je länger sie dem Film erhalten blieb, desto mehr hatte man Gelegenheit, sie zu bewundern. Als im Jahr 2000 Oskar Roehlers Film «Die Unberührbare» erschien, startete sie ihre Karriere mit 57 Jahren ein zweites Mal. Der autobiografisch gefärbte Film zeigte sie als schillernde Mutterfigur, grausam und doch zärtlich, schonungslos mit dem Image einer alternden Diva spielend. Die Elsner elektrisierte das Publikum, gewann den deutschen Filmpreis.

«Ich war den Regisseuren in meiner Jugend zu schön»

Dieses Divenhafte war allein ihrer Schauspielkunst geschuldet, privat war sie alles andere als unnahbar. Unvergesslich blieb mir ein gemeinsamer nächtlicher Spaziergang auf dem Lido in Venedig.

In aller Offenheit erzählte sie da von den Frustrationen ihrer frühen Karriere. Bewundernswert war sie bereits in Will Trempers stimmungsvollem Ensemblefilm «Die endlose Nacht» von 1962. Doch die dramatische Komödie über Begegnungen auf einem Flughafen blieb eine seltene Ausnahme. «Ich habe diesen Film geliebt», erklärte mir Hannelore Elsner, «aber ähnliche Angebote gab es lange nicht. Den Regisseuren des Neuen Deutschen Films war ich einfach zu schön. Sie suchten nach einem anderen, unscheinbareren Typ von Frau.»

Der Stoff aus dem ihre Träume waren

Tatsächlich kann man an Elsners früher Karriere die Defizite des damaligen deutschen Films aufzeigen. Während im Ausland Künstler-Regisseure wie Godard oder Antonioni bewusst mit attraktiven weiblichen Stars arbeiteten, blieb in Deutschland solchen Publikumslieblingen meist nur reine Unterhaltungsware. Oft war Elsner das Beste daran – wie 1972 bei der Simmel-Verfilmung «Der Stoff aus dem die Träume sind».

Elsner, die 1942 im bayrischen Burghausen geboren wurde, ging nach dem frühen Tod ihrer Mutter in Klosterschulen und studierte in München Schauspielerei. Noch als Teenager spielte sie in Filmen. Anspruchsvollere Arbeit bot das Theater. In den Siebzigerjahren arbeitete sie für das Fernsehen. Auch nach ihrem Kino-Comeback in «Die Unberührbare» baute sie ihre Popularität am Bildschirm noch einmal aus; mehr als sechzig Mal spielte sie «Die Kommissarin».

Fast alleine schulterte sie ganze Filme

Umso anspruchsvoller ihre späten Kinorollen: Fast allein schulterte sie 2002 Oliver Hirschbiegels Kammerspiel «Mein letzter Film», den Monolog einer alternden Schauspielerin mit der Kamera.

Eine ihrer liebenswertesten Rollen schrieb ihr Doris Dörrie auf den Leib: In «Kirschblüten – Hanami» spielt Elsner die liebende Ehefrau eines krebskranken Mannes, deren eigener Tod dem Film eine neue Richtung gibt. Gleichwohl kehrt das Paar in Dörries Fortsetzung «Kirschblüten & Dämonen» noch einmal in einem geisterhaft-poetischen Auftritt zurück. Die Autorin Doris Dörrie schrieb gestern auf Facebook:

«Hannelore, du Grossartige, Wilde, Schöne – wir werden dich sehr vermissen."

Es ist nicht der einzige Film, den Elsner hinterlassen hat. Vor ihrem überraschenden Tod mit 76 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit am Ostersonntag agierte sie als unverwüstliche Femme Fatale im Fernsehfilm «Club der einsamen Herzen». Die Geschichte dreier Frauen, die ein Tanzlokal eröffnen wollen, bringt sie zusammen mit den Veteraninnen Uschi Glas und Jutta Speidel.

«Wo etwas Wahres getroffen ist, hab ich kein Problem»

Elsner wusste auch in ihren späten Jahren Kunst und Unterhaltung zu verbinden. «Ich weiss, was ich alles gemacht habe, das belanglos war», erklärte sie der «Süddeutschen Zeitung». «Aber das kann man mir nicht vorwerfen. Ich habe ein Leben lang mich und die meinen selber versorgt, ich musste ja auch Geld verdienen. Egal. Wo etwas Wahres getroffen ist, habe ich kein Problem.» Auf beeindruckende 225 Filme hat sie es gebracht. Und die Wahrheit, die dann doch in den meisten davon steckt, verdanken sie zu einem erheblichen Teil Hannelore Elsner.

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