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«La Traviata» in Werdenberg: Schöner sterben mit Seeblick

Beherzt und ohne Scheu vor der Materie hat Kuno Bont seine erste Oper inszeniert und die Werdenberger Schlossfestspiele gerettet. Mit Verdis «Traviata» auf der Seebühne sind diese am richtigen Ort angekommen.
Bettina Kugler
Champagner hilft nicht mehr: Auf Violetta (Sarah Längle) wartet der Tod. Im Hintergrund Huub Claessens als Dottore. (Bild: Heini Schwendener)

Champagner hilft nicht mehr: Auf Violetta (Sarah Längle) wartet der Tod. Im Hintergrund Huub Claessens als Dottore. (Bild: Heini Schwendener)

Warum nicht viel früher an den See? Die Frage drängt sich auf, noch bevor es still wird – wenn auch nicht still genug für die fragil flackernden Streicherklänge, mit denen Giuseppe Verdis «La Traviata» beginnt. Zu entrückt, zu schicksalsschwer in ihrer Zerbrechlichkeit ist diese Musik für den lauen Sommerabend, für die Unbeschwertheit, mit der man gerade noch durchs Eingangszelt über den roten Teppich spaziert ist und sich beim Apéro gefreut hat, dass wohl kein aufziehendes Gewitter das Vergnügen trüben wird.

Die Aussichten sind einfach zu schön: Direkt vor sich eine kleine Bühne, deren weisse Rückwände teils durchbrochen sind, teils durch ausgeschnittene Fenster den Blick freigeben. Dahinter die idyllische Naturkulisse – der See, auf dem Enten ihre Bahnen ziehen, hin und wieder schnatternd auffliegen, das mittelalterliche Städtchen Werdenberg und stolz darüber thronend das Schloss. Dort oben, vor der trutzigen Frontmauer war bislang der Schauplatz der Werdenberger Schlossfestspiele.

Kleine Bühne, grosse Gefühle

Nun haben sich die Festspiele ans Ufer herabgelassen, als wollten die Retter der fast totgesagten sommerlichen Oper sagen: Was Bregenz mit der Seebühne im internationalen Massstab kann, das zieht bei uns im Kleinen ebenfalls. Tatsächlich haben sie mit dem neuen Spielort einen mächtigen Trumpf in der Hand. Dazu noch die Courage, nach den Sternen zu greifen und «La Traviata» auszuwählen. Für einen Regisseur, der wie Kuno Bont seine erste Oper inszeniert, ist das eine Herausforderung, aber auch eine sichere Bank: voller Ohrwürmer und voll tiefem, unmittelbar in Musik gesetztem Gefühl. Dem besten also, was Oper zu bieten hat, gerade auch, wenn man nicht sowieso ein Theaterabo hat und mit viel Vorwissen und gefestigten Erwartungen Platz nimmt.

Die Rechnung geht auf. Mit Standing Ovations wurden alle Beteiligten am Ende des Premierenabends gefeiert; der Vorverkauf für die neun weiteren Vorstellungen läuft glänzend. Die «Traviata» am See verdient diese Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt, weil sie als erstes Stück auf der neuen Seebühne am rechten Ort angekommen ist und eine grosse Crew tüchtig im Hintergrund agiert. Gelungen ist auch die szenische Umsetzung mit einfachen, dem Budget entsprechenden Mitteln: die halb offene Bühne, die ruhige, sinnträchtige Bilder ermöglicht – besonders dann, wenn das Temperament der Musik überzuschäumen droht wie der Champagner in den Gläsern der Pariser Halbwelt.

Lebenslust und Todesnähe malerisch in Szene gesetzt

Damit trifft Kuno Bont, der bislang Filme gedreht und Rockmusicals auf die Bühne gebracht hat, ins Herz der vielgedeuteten «Traviata». Das Sinfonieorchester Liechtenstein unter der Leitung von William Maxfield folgt sensibel dem Sinneswandel Violettas von der unbekümmerten Kurtisane zur tief empfindenden, vom Tod gezeichneten Geliebten Alfredos, die sich danach sehnt Ruhe zu finden.

Als Violetta hat Sarah Längle die umfangreiche und fordernde Partie von Anfang an souverän im Griff. Sie hat auch das Stehvermögen, in stimmlicher Schönheit zu verblühen – nach all den heftigen Gefühlsumschwüngen, die sich in den Arien spiegeln wie das Schloss im See. Ihr zur Seite steht ein feurig empfindsamer Adam Sanchez. Jammerschade, dass er den Alfredo am Premierenabend wegen einer hartnäckigen Erkältung nur spielen konnte; die Gesangspartie übernahm von der Seite der Bühne aus der chilenische Tenor Guillermo Valdés. Attila Mokus gibt dem Vater Germont viele Gesichter und gestaltet die Partie farbig und tiefgründig. Wie überhaupt die Inszenierung abgesehen von den Ball- und Tanzszenen auf naheliegende Clichés und Posen verzichtet. Auch der Chor (Leitung: Christian Büchel) wird Teil eines malerisch, in Slow Motion gedachten Spiels. Das nicht nur oberflächlich unterhält, sondern sinnhaft den schönen Schauplatz einbezieht.

Neun weitere Vorstellungen bis zum 18. August. Karten und Informationen unter latraviata18.ch

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