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«Meine Texte entstehen wie ein Teig»

Auf einen Kaffee mit ... der Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse
Dieter Langhart
Liebt vergessene Wörter: Zsuzsanna Gahse. (Bild: Dieter Langhart)

Liebt vergessene Wörter: Zsuzsanna Gahse. (Bild: Dieter Langhart)

Der schön starke Kaffee steht bereit, frisch aufgebrüht, kein Nestlé-Schischi. Bücher stehen und stapeln sich im Bücherregal des Wohnzimmers, in ihrem Arbeitszimmer gibt es noch weitere. Zsuzsanna Gahse lebt in Müllheim an der Thur (hat ihrem Dorf mit «durch und durch» ein Buch gewidmet), und sie lebt in den Wörtern und Lauten und Sätzen, ähnlich wie einst Gertrude Stein, Nathalie Sarraute oder Georges Perec, die zu ihren Lieblingen gehören. Heuer hat sie den Schweizer Grand Prix Literatur gewonnen, nach zahlreichen andern wichtigen Auszeichnungen.

Ich bringe ihr drei ausgeliehene Bücher zurück: eines vom eben erwähnten Georges Perec, eines von dem hier leider nicht bekannten Miklós Mészöly und die zwölfte Ausgabe von «Viceversa. Jahrbuch der Schweizer Literaturen». Letzteres hatte es mir angetan – als hätte ich geahnt, dass Zsuzsanna Gahse die deutschsprachige Hauptperson im eben erschienenen dreizehnten Band sein werde.

Das Jahrbuch erscheint jeweils in den drei Hauptlandessprachen; mit Porträts auch von Claude ­Tabarini und Massimo Daviddi enthält es Essays, Gespräche, ­unveröffentlichte Texte und Übersetzungen, Zeichnungen, Fo­to­gra­fien – eine literarische Fundgrube.

Zsuzsanna Gahse hält sich nicht an Genres

Redaktionsleiterin Ruth Gantert zeichnet in einem feinsinnigen Essay Zsuzsanna Gahse und ihr umfangreiches literarisches Schaffen nach. Ausserdem unterhält sie sich mit ihr über ihre so unterschiedlichen Werke. «Ich beschreibe, was ich sehe, und in dieser Hinsicht habe ich viel von der bildenden Kunst oder von einem Autor wie Miklós Mészöly», sagt Zsuzsanna Gahse (übrigens heisst auch ihr Hund Miklós), und sie sagt: «Meine Texte entstehen wie ein Teig. Der Teig wird geknetet, ausgerollt, zusammengelegt, ausgerollt und so weiter», sagt sie.

Die Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse liebt das Theater, die Oper, heutige Hits und auch alte Schlager. Sie ist mit bildenden Künstlern und Künstlerinnen befreundet. Mit einem von ihnen, Christoph Rütimann, ist sie verheiratet, und die beiden haben mehrere gemeinsame Projekte realisiert, weitere werden folgen. Neben ihren «Stillleben», die «in ihrer Darstellungsweise viel mit der bildenden Kunst zu tun haben», hat sie weitere Genres erfunden: konzertantes Theater, monochrome Texte, instabile Texte. Besonders freut sie sich über den Schweizer Grand Prix Literatur, weil dabei «Texte ausgezeichnet wurden, die sich nicht an fixe Genres halten».

Ihre Schriftbilder sind geschichtete Wörter

Zsuzsanna Gahse schreibt (oder zeichnet) oft Schriftbilder: Buchstaben, Wörter, mehrfach übereinander geschichtet, sodass die Wörter meist unkenntlich werden. Ein solches Bild ist in «Viceversa 13» abgebildet; mehr von ihnen sind ab Ende August im Kunstraum Kreuzlingen zu sehen, den Richard Tisserand kuratiert.

«Es ist schön, das Schreiben.» So beginnt «Zero», Zsuzsanna Gahses erstes Buch, das 1983 erschienen ist. In unserem Gespräch betont sie, dass sie das Schreiben nach wie vor schön findet, es sei eine schöne Herausforderung. Ihr jüngstes Buch «Siebenundsiebzig Geschwister» erschien im Wiener Verlag Edition Korrespondenzen, bei dem die Autorin seit 2004 daheim ist. Da wird in wenigen Wochen auch «Schon bald» erscheinen. Das Theater spielt, wie in früheren Büchern, eine wichtige Rolle. Eine Wohnung wird ausgeräumt, wird zum Wohnzimmertheater für Schauspieler und ihre Improvisationen.

Wir reden über das Zungen-R und das Zäpfchen-R; über die unterschiedlichen «Talente» der Sprachen, über ihre Strukturen, über vergessene Wörter oder die «Flachlandhaltung der Donau». Und über ihr Buch «Donau­würfel», das im Sommer in einer geistreichen Übersetzung von Marion Graf auf Französisch erscheint. Zum Schluss schenken wir uns nochmals Kaffee ein.

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