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SCHÜTZ-ZYKLUS: Raummusik mit drei Stimmen von der Kanzel

Ludwig Wicki eröffnete mit seinen Ensembles den auf fünf Jahre angelegten Zyklus mit Musik von Heinrich Schütz. Nach unspektakulärem Anfang weitete sie sich zu einem musikalischen Gesamterlebnis unter den Gewölben der Hofkirche.
Urs Mattenberger
Ludwig Wicki ist der Initiant des Schütz-Projekts. (Bild: Pius Amrein)

Ludwig Wicki ist der Initiant des Schütz-Projekts. (Bild: Pius Amrein)

Heinrich Schütz (1585–1672) sei der Wegbereiter von Johann Sebastian Bach, sprach der Dirigent Ludwig Wicki im Gespräch eine verbreitete Meinung aus. Aber er fügte hinzu, Schütz stehe gar ebenbürtig neben seinem Zeitgenossen Claudio Monteverdi.

Im Gegensatz zu diesen Giganten am Anfang und am Ende der Barock-Epoche ist der am Dresdener Hof wirkende deutsche Komponist heute einem breiteren Publikum kaum bekannt. Könnte das Jubiläum seines 350. Todestages im Jahr 2022 das ändern und eine Schütz-Renaissance auslösen, wie es bei Monteverdi erst vor ein paar Jahrzehnten der Fall war?

Damit hat sich Ludwig Wicki mit dem Heinrich-Schütz-Projekt, das gestern seinen Anfang in der Hofkirche Luzern nahm, Grosses vorgenommen: In den nächsten fünf Jahren nämlich werden die Cappella der Hofkirche und das ebenfalls von Wicki geleitete Alte-Musik-Ensemble Il Dolcimelo das Werk von Heinrich Schütz in 75 Konzerten in Luzern und verschiedenen Orten der Schweiz aufführen.

Als historischen Moment erlebte man die Konzertstunde am Samstag in der Hofkirche zunächst noch nicht. Der Auftakt war dafür zu kurz und anfänglich nicht auf Spektakel angelegt. Umso eindrücklicher war, welche Wirkung schon zu Beginn von den nur von einem Continuo mit Lauten begleiteten Chorsätzen ausging. Da spürt man, wie in der Trauermusik für den Kurfürsten von Sachsen, noch die Nähe zur Mehrstimmigkeit der Renaissance. Aber Schütz bündelt sie mit starkem Bezug zum Wort, wenn er etwa den Chorklang feierlich in «Frieden» ruhen, den Toten aber schliesslich in fliessenden Bewegungen «fahren» lässt. Grosse Wirkung mit scheinbar einfachen Mitteln – das galt auch in dynamischer Hinsicht für das zweite der Kleinen geistlichen Konzerte, in dem der etwas sopranlastige Chor aus spitzer Artikulation heraus zu einem grossen Ton fand, der die Monumentalität eines Kirchengewölbes in Klang übersetzte.

Sarginschriften aus dem Dreissigjährigen Krieg

Für die Ebenbürtigkeit zu Monteverdi hätte das kaum gereicht. Aber mit den «Musikalischen Exequien», in denen Schütz mitten im Dreissigjährigen Krieg eine Sammlung von Sarginschriften vertonte, stand ein Werk auf dem Programm, das solche Vergleiche nicht scheuen muss.

Entscheidend dafür war der Einbezug vorzüglicher Solisten, die Schütz in wechselnden Kombinationen in den Chor integriert. Das verschaffte dem Gesamtklang ständig wechselnde Farben und Perspektiven. Richard Resch und Gerhard Unternährer (Tenor) sowie Alexandre Beuchat (Bass) brachten als Männertrio eine kernige Sinnlichkeit ein, die tatsächlich Monteverdi ebenbürtig ist. Und die Platzierung eines Solistentrios auf der Kanzel (Beuchat mit den Sopranen von Muriel Schwarz und Viviane Hasler) weitete den Canticum Simeonis zu einer balsamischen Raummusik, wie Schütz sie in Venedig kennen gelernt hatte.

Vor allem aber verbanden sich der Chor und die Solisten mit den Posaunen zu einer sanft betäubenden Fülle, von der sich der schlanke Altus von Stefan Wieland klar abhob und in die sich vom Kirchenchor her der Silberglanz der Violinen mischte. Wie überwältigend Schütz sein kann, bestätigte zum Schluss auch der überaus lang anhaltende Beifall des Publikums, das das Mittelschiff der Hofkirche füllte.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Konzerte ab Februar 2018: www.ildolcimelo.com

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