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SCHÜÜR: Züri West spielt für jedes Jahr ein Lied

Exakt 25 Jahre nachdem die Schüür eröffnet wurde, spielten die Berner Züri West im Luzerner Konzerthaus. Kuno Lauener und Band zeigten sich in bestechender Form.
Spielten fast schon eine Art Geburtagsparty: Züri West in der rappelvollen Schüür. (Bild: Roger Grütter / LZ)

Spielten fast schon eine Art Geburtagsparty: Züri West in der rappelvollen Schüür. (Bild: Roger Grütter / LZ)

Sie würden «natürlich 25 Lieder» spielen, sagte Kuno Lauener zu Beginn des Konzerts. Das Publikum raunte etwas. Immerhin war ja Montag. Da will man um Mitternacht in den Federn sein. Schliesslich ist man mittlerweile in einem Alter, in dem man eher im Büro als im Ausgang eine gute Gattung machen muss.

25 Lieder – und Züri West spielten tatsächlich genau so viele. Und zwar darum: Just an diesem Tag vor 25 Jahren ist die Luzerner Schüür eröffnet worden. Ein bisschen Geburtstagsparty also. Und wenn eine Band genügend Gäste für eine solche Party an einem Montag anlockt, dann die Züris. Ausverkauft und rappelvoll war’s. Mit jedem der 25 Lieder wurde die Luft etwas wärmer und stickiger. Für manch einen im Publikum war es wie eine Erinnerung an frühere wilde Partynächte. Da standen viele dicht an dicht, die Züri West schon vor zwanzig Jahren super fanden. «Mit dir wott i aut u fett u glücklech wärde», singt Lauener in «Echo» (in der Schüür Lied Nummer 17). Zumindest älter ist man geworden, und glücklich wirkten die Gesichter auch.

Wunderkerzen werden verteilt

Auch Lauener selber ist älter geworden. 56 ist er mittlerweile. Zumindest auf der Bühne wirkt er aber immer noch sehr frisch. Im weissen Hemd, das bald etwas durchsichtig geschwitzt war, wuchtet sich Lauener über die Bühne. Er tänzelt und ist ständig etwas unterwegs. An Charme und Sex-Appeal hat er nicht eingebüsst.

Wechsel gab es in der Besetzung. Gitarrist Manuel Häfliger und Bassist Wolfgang Zwieauer sind neu zur Band gestossen. Am Keyboard sass in der Schüür zudem zusätzlich noch Oli Kuster. Darum konnten Züri West auch keine Publikumswünsche erfüllen, wie Lauener launig meinte: «Wir hatten keine Zeit, alle Lieder zu üben, darum spielen wir jetzt einfach die, die wir können.» Und eben: Das waren immerhin 25.

Gerade unter diesen Vorzeichen wunderte es wenig, dass die Highlights am Abend jene Songs aus der aktuellen Platte «Love» sind. Da fühlte man, wie sich die Musiker ergänzten. «Schlunegger» (Lied Nummer 15) war bestechend schön. Voller dunkler Wärme und einer Züri-West-Schwermut. Grossartig. Zu «Schatteboxe» (Lied Nummer 19) verteilte Lauener Wunderkerzli ins Publikum – schon fast kitschig-romantisch, aber einer Geburtstagsparty durchaus angemessen.

Ebenso die Geschichtchen, die Lauener einstreut. Etwa über eine mysteriöse Frau, die ihm 2004 bei einem Auftritt im ABC Mixx (das heutige «Princesse») ohne Erklärung eine kleine Portion Butter schenkte. Ihr widmete er den Song «I ha ke Ahnig, wie me mit som’ne Ängu redt» (Lied Nummer 6). Ebenso erinnerte er sich an Konzerte in der Boa und am B-Sides-Festival. Das kommt beim Luzerner Publikum bestens an. Züri West heisst halt immer auch in Erinnerungen schwelgen.

Vielleicht brauchten Band und Publikum deshalb ein paar Minuten , bis man auf normaler Betriebstemperatur war. Alles war ein wenig verhalten, obwohl mit «Ggange Ohni Z’gah» (Lied Nummer 1) gleich eine der rockigeren Nummern den Auftakt machte.

Im Endspurt noch einmal angezogen

Sowieso: Die Züris sind live rockiger und wuchtiger als ab Platte. Umso erfreulicher, dass ihre Musik trotzdem nie zu einem Soundbrei wird, sondern die Texte auch noch in der hintersten Reihe deutlich verstanden werden können. Da hörte man auch die scharfen Gitarrenparts wie bei «Schachtar gäge Gent» (Lied Nummer 20) gut heraus. Das ist dann sogar mitreissend.

Und auf den Endspurt ziehen Züri West noch einmal mächtig an. Da kommen die Hits. «I schänke dir mis Härz» (Lied Nummer 23), gefolgt von «I ha di gärn gha». Da singt dann wirklich die ganze Schüür mit.

Unser kleiner Höhepunkt war aber «Mir wei nid grüble» (Lied Nummer 21). Das feine Bob- Dylan-Cover entfaltet eine beeindruckende Intensität, und spätestens wenn Lauener dann noch kurz zur Mundharmonika greift, ist der Zauber spürbar, der diese Band ausmacht.

Nach zwei Stunden und 25 Songs schieben sich die Menschen dann langsam nach draussen, und die Körper dampfen sanft in der abgekühlten Herbstluft. Zum 50. Geburtstag der Schüür wird das Konzert dann doppelt so lange dauern.

Michael Graber

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