Schuldig!

Eine Busse kann die Staatsanwaltschaft schneller beschäftigen, als dem Kulturredaktor lieb ist. Urs Mattenberger über sein Malheur.

Urs Mattenberger, Kulturredaktor
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Urs Mattenberger, Kulturredaktor der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Urs Mattenberger, Kulturredaktor der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Schuldig? Ich erschrak, als ich den eingeschriebenen Brief der Staatsanwaltschaft Luzern öffnete. Staatsanwälte kennt man ja vor allem aus Krimis. Und auch wenn sie da meist Deppen spielen: Zuständig sind sie für Schwerverbrechen wie Mord und Totschlag.

Zu solchen Vergehen hätte die alttestamentarische Wucht des ersten Satzes gepasst. «Sie haben sich schuldig gemacht», hiess es da. Erst als ich weiterlas, löste sich der Schreck auf. Schuldig gemacht hatte ich mich auf dem Velo mit dem «Fahren ohne Licht auf einer beleuchteten Strasse». Der Verstoss gegen das Verkehrsrecht wurde zur Schuld, weil die Busse in der Regenjacke nass geworden und mir die Mahnung entgangen war. Aus der Busse von 40 wurde eine Strafe von 120 Franken.

Als ich diese einzahlen wollte, ging der Krimi weiter, denn mein E-Banking verlangte eine «Clearing»-Nummer, die auf dem Einzahlungsschein nicht vermerkt war. Meine Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft dauerte 15 Minuten, auch weil die freundliche Dame am Telefon die Nummer sogar mit Zwischentelefonaten nicht eruieren konnte. Der ganze Verwaltungsaufwand war wohl höher als die 120 Franken.

Der Gefahr, der mich das defekte Licht aussetzte, wich ich nach der Busse aus, indem ich an heiklen Stellen aufs Trottoir auswich. Das ist zwar auch nicht rechtmässig. Aber an einer der Strassenbaustellen auf meinem Arbeitsweg winkt gar der Verkehrsdienst uns Radfahrer über das sichere Trottoir am Rotlicht vorbei. Wo Sicherheit vorgeht, ist eben auch Schuld relativ.

Urs Mattenberger, Kulturredaktor

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch