Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schüsse im Wasserreservoir

In Salenstein zeigt die Galerie «The View» an ungewöhnlichen Orten ungewöhnliche Bilderwelten. An unterirdischen Wänden erstrahlen Sternenhimmel, und in einem Zivilschutzkeller verwischt die Realität.
Brigitte Elsner-Heller
Teresa Diehl befeuert mit 53 Videoprojektoren das ehemalige Wasserreservoir in Salenstein.

Teresa Diehl befeuert mit 53 Videoprojektoren das ehemalige Wasserreservoir in Salenstein.

Die Galerie «The View», in einer ehemaligen Schreinerei in Salenstein angesiedelt, macht Nicht-Orte zu Kunst-Orten. Zeitgenössische Kunst findet da etwa Unterschlupf im Salensteiner ­Zivilschutzraum, im historischen Berlinger Wasserreservoir sowie in einem militärischen Unterstand. Von den fünf Künstlerinnen und Künstlern, die bis 29. September die Sommerausstellung ausrichten, sind drei in diesen verborgenen Zonen zu sehen. Nicht auf eigene Faust, sondern nach Anmeldung oder im Rahmen des Begleitprogramms.

In den Ausstellungsflächen der Schreinerei zeigt erneut Dierk Maass seine zu grossen Formaten aufgespannten Fotografien, die davon zeugen, dass es Orte gibt, die danach drängen, im Bild fixiert zu werden. Dierk Maass tut das in reduzierter Bildsprache, gern in Schwarz-Weiss. Dazu fügen sich die Skulpturen von Waltraud Späth, die die Kombination verschiedener Materialien und eine geometrische Formensprache bevorzugt.

Stefan Birchender zeigt seine fotorealistische Malerei im Zivilschutzkeller.

Stefan Birchender zeigt seine fotorealistische Malerei im Zivilschutzkeller.

Dann die etwas andere Kunst-Tour, zunächst zum Salensteiner Zivilschutzraum. Stefan Bircheneder, der als Kirchenmaler und Restaurator begann, beschäftigt sich heute mit Industriebrachen und anderen verlassenen Räumen. Was hier als fotorealistische Malerei mit verwirrenden Trompe-l’oeil-Effekten wirkt, ist im Atelier nach fotografischen Vorlagen entstanden, erzählt jedoch durch die Kombination von Bildelementen stets eine eigene Geschichte. Im Zivilschutzraum tun seine in Öl oder Acryl gemalten Bilder so, als seien sie Teil von Schaltzentralen und Umkleideräumen oder dehnten den Raum aus. An diesem Ort, an dem sich ohnehin schon die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung aufzulösen scheinen, entfalten sie ihre Wirkung umso mehr.

Ein Raum voller Videos, Schüsse und Kinderrufe

Irritierend auch die zwei Installationen von Teresa Diehl im alten Wasserreservoir. Die in Venezuela aufgewachsene Künstlerin lebt heute in Miami, verfolgt aber die Entwicklungen in Venezuela. Ihre grosse Installation lebt von Videos. Über 53 Projektoren tauchen den nur noch vage zunehmenden Raum in ein Kreuzfeuer von Bildern. Dabei hat sie Videos von Demonstrationen und gegen diese gerichtete Militäreinsätze gegengeschnitten mit unschuldigen Spielen von Kindern, die plötzlich strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen.

Zu hören sind Schüsse, Parolen, aber auch die Kinder. Als Titel dient nicht zufällig der Titel der Nationalhymne Venezuelas: «Gloria al Bravo Pueblo» – Ruhm sei dem mutigen Volk. Um Unrecht und gesellschaftliche Anklage geht es auch in der zweiten Installation im Nebenraum. Hinter Gazevorhängen sprechen kaputte Kuscheltiere über das Ende von Kindheit.

Der Fotograf Markus Eichenberger montierte Bilder des Sternenhimmels zu Videos.

Der Fotograf Markus Eichenberger montierte Bilder des Sternenhimmels zu Videos.

Sieben Jahr in den Bergen, um Sterne zu fotografieren

Schaurig wirkt der militärische Unterstand. Gerade hier breitet der Schweizer Fotograf Markus Eichenberger aber ein Universum aus – was wörtlich zu nehmen ist. Eichenberger, einst als Banker weltweit unterwegs, hat sich dem Sternenhimmel zugewandt und lässt ihn auf der unterirdischen Felswand erstrahlen. Seit sieben Jahren ist er in den Bergen unterwegs, um die Sterne zu fotografieren.

Die Fotografien, die für sich genommen schon beeindrucken, montiert er zu Filmen, in denen Wolken wabern, Licht sich ändert, die Sterne je nach geografischer Ausrichtung der Kamera im Kreis ziehen oder eine Streifenspur hinterlassen. 120 Fotos ergeben gerade mal 5 Sekunden Film, wie er bei einer Veranstaltung des Rahmenprogramms erzählt. Aus unserer Welt und dem Universum schafft er einen Bilderbogen, in dem Verborgenes sichtbar wird.

Hinweis

Künstlergespräche/Programm siehe www.the-view-ch.com

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.