Schweisstreibende Selbstjustiz

Arno Renggli
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Gerichtsthriller Oft haben US-Autoren die Hitze der Südstaa­ten als atmosphärischen Hintergrund geschildert, vor dem Rassismus und andere Formen von Gewalt aufbrechen. So auch 1989 ein unbekannter junger Anwalt namens John Grisham in seinem Roman «Die Jury». Dieser erwies sich als stilbildender Justizthriller, dem Grisham mit «Die Firma» und «Die Akte» noch zwei weitere Knaller folgen liess. Diese Qualität hat er seither selten mehr erreicht. «Die Jury» handelt vom farbigen Carl Lee, der nach der Vergewaltigung seiner Teenagertochter die beiden Täter erschiesst. Nun mehr selber angeklagt, wird er von einem jungen weissen Anwalt verteidigt. Der Fall zieht die gesamte Region in ihren Bann und löst weitere Gewalt aus. Dramatischer Höhepunkt ist der Entscheid der Geschworenen. Bei der Lektüre ist die physische und emotionale Hitze allgegenwärtig. Dies hat Joel Schumacher in seiner Verfilmung von 1996 veranlasst, die Körper der Darsteller mit literweise Schweiss zu überziehen. Der etwas plakative Streifen packt dank Stars wie Samuel L. Jackson oder Matthew McConaughey. Doch das Buch ist dennoch besser.

 

Arno Renggli

John Grisham: Die Jury. Heyne-Taschenbuch