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SCHWEIZER BUCHPREIS: Christian Kracht siegt nach kontroverser Diskussion

Der mit 30 000 Franken dotierte Schweizer Buchpreis geht dieses Jahr an Christian Kracht. Sein Roman «Die Toten» hat die Jury erfolgreich herausgefordert.
Hansruedi Kugler und Beat Mazenauner, Sfd
Christian Kracht (rechts) im Moment, als sein Sieg verkündet wird. Links beäugt vom ebenfalls nominierten Sacha Batthyany, der bei vielen als Favorit gegolten hat. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Christian Kracht (rechts) im Moment, als sein Sieg verkündet wird. Links beäugt vom ebenfalls nominierten Sacha Batthyany, der bei vielen als Favorit gegolten hat. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Die Kritikerrunde im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens war sich für einmal einig: Christian Krachts Roman «Die Toten» sei parfümiertes Kunstwollen, leer laufende Ironie. Auch manche Zeitungskritiker bekundeten Mühe mit dem Buch, das andere wiederum in den höchsten Tönen lobten. Jedenfalls war Krachts neuer Roman der dieses Jahr meistbeachtete in den deutschsprachigen Zeitungen und erhielt Lob unter anderem für seine raffinierte Dramaturgie, seine Kinoperspektive und seinen überraschenden Stoff.

Die Jury des Schweizer Buchpreises hat «heftig und kontrovers» diskutiert, wie deren Präsidentin, die Basler Kulturjournalistin Susanna Petrin, gestern an der Verleihung erklärte. Die Entscheidungssitzung habe vier Stunden gedauert.

Schweizer soll japanisch-deutsche Achse aufbauen

In seinem fünften Roman erzählt der 1966 in Saanen BE geborene Christian Kracht, wie ein unbekannter Schweizer Filmemacher in den frühen 1930er-Jahren in Japan helfen soll, eine japanisch-deutsche Achse gegen den US-Kulturimperialismus aufzubauen. Die Sache geht gründlich schief, unter anderem spannt ihm sein japanischer Kontaktmann die Freundin aus. Diese wiederum wird nicht glücklich und stürzt vom berühmten «Hollywood»-Schriftzug in den Tod.

Die Jury würdigte Krachts Roman als eine Hommage an die Ära des Stummfilms. «Filmisch ist auch seine Sprache: mit grossem Gespür für Perspektiven, Details und Kontraste. Krachts Kameraauge fokussiert den vorder­gründigen Kulturbetrieb wie den Hintergrund des aufziehenden Totalitarismus.» Laut Mitteilung erkannte die Jury darin «eine gelungene Verknüpfung von grossem literarischem Können mit einer hellsichtigen Diagnose unserer Gegenwart».

Die vier weiteren Nominierten waren Charles Lewinsky, Sacha Batthyany, Michelle Steinbeck und Christoph Höhtker. Sie erhielten jeweils zweite Preise in Höhe von 2500 Franken.

Der Schweizer Buchpreis ist eine Marketing-Massnahme des Schweizer Buchhandels und wird seit 2008 verliehen. Letztes Jahr gewann ihn Monique Schwitter für den Roman «Eins im Andern». Jurymitglieder waren dieses Jahr neben Susanna Petrin auch SRF-Literaturchefin Esther Schneider, Literaturkritiker Urs Bugmann, Germanistikprofessor Philipp Theisohn und Buchhändlerin Martina Tonidandel.

Er spielt mit Provokation und Irritation

Seit seinem Erstling «Faserland» (1995) gilt Christian Kracht als Tausendsassa der deutschsprachigen Literatur. Seine Bücher erregen Aufsehen, zugleich hält er sich mit Auftritten zurück. Das Spiel mit den Medien und dem Literaturbetrieb beherrscht er perfekt. Kracht, der Kindheit und Jugend in Internaten in den USA, in Kanada und Frankreich verbrachte, startete seinen beruflichen Werdegang Anfang der 1990er-Jahre als Journalist für das Zeitgeist-Magazin «Tempo».

Kracht liebt das Spiel mit Provokation und irritierenden Auskünften, speziell über sich selber. So liess er verlauten: «Sprechen über Inhalte ist zum Scheitern verurteilt. Man produziert nur Missverständnisse.» Getreu dieser Devise meldet er sich laut zu Wort und hält sich zugleich bedeckt.

Für die einen ist er die Reiz­figur des blasierten Pop-Literaten, der mit zynischen Aussagen für unnötigen Wirbel sorgt. Die anderen sehen in ihm einen gewieften Stilisten, der spielerisch wie vielschichtig moderne Medien- und Konsumwelten hinterfragt. Besonders kontrovers wurde 2012 sein Roman «Imperium» aufgenommen, auch weil einige Kritiker rechtsextreme Gedanken darin orteten. Kracht lebt heute die meiste Zeit in Los Angeles.

Hansruedi Kugler und Beat Mazenauner, SFD
kultur@luzernerzeitung.ch

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