Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SCHWYZ: Geschichte wird auch zum Spiegel von heute

Zum Jubiläum zeigt die Bühne 66 eine Auftragsarbeit und somit Eigenproduktion. Sie bietet viel Story, viel Musik und viele Anspielungen.
Zusammenprall von Gestern und Heute: Pater Florentini und eine Erzählerin. (Bild: Stefan Zürrer)

Zusammenprall von Gestern und Heute: Pater Florentini und eine Erzählerin. (Bild: Stefan Zürrer)

Die kreative Idee war gewagt und geschickt: zum 50-Jahre-Jubiläum dieses renommierten Laien-Ensembles gleich noch hundert Jahre weiter zurückzublenden. Dort hat Auftragsautor Franz Xaver Nager die Geschichte der legendären Schwyz-Brunnen-Musik ausgegraben und rund um deren kurzes Leben – sie trat nur etwa acht Jahre lang auf – ein Geschichts- und Sittengemälde gezeichnet. Dies interessiert im Trend von Swissness und Lokalkolorit, man kann als Zuschauer einiges lernen.

Bahnen, Schulen, Hotels

Der Autor hat unverkennbar fleissig recherchiert. Die ganze technische Entwicklung, der Ausbau der Infrastruktur, die aufkommende Belle Epoque werden thematisiert. Die Gotthardbahn, die ersten Bergbahnen, die Wiedereröffnung des Kollegiums Maria Hilf, die Einsetzung des Lehrerseminars, die Hotelbauten in Brunnen, auf der Rigi, in Seelisberg, in Morschach, alles wird diskutiert und teils beargwöhnt.

Als zentrale Figuren lässt Nager den Schwyzer Landammann und Musik-Förderer Xaver Auf der Maur vom «Goldenen Adler» in Brunnen auftreten, den Axenstein-Erbauer und Japanesen-Gründer Ambros Eberle, den «Dreikönigen»-Wirt Kari von Schwyz, Hotelier Sepp Beeler aus Seewen, und sogar der Kapuzinerpater Theodosius Florentini muss erhalten. Diese historischen Figuren und natürlich die beiden Protagonisten der Schwyz-Brunnen-Musik, die virtuosen Musiker und Gebrüder Franz und Dominik Tschümperlin, führen durch die Handlung. Begleitet von einer Schar von über 40 weiteren Rollen.

Spannende Zeitsprünge

Geschickt setzen Nager und Regisseur Urs Kündig zwei Erzählerinnen ein, die unter sich eine Art Generationenkonflikt austragen, die Zeiten überspringen und satirisch bis sogar zynisch agieren.

Überhaupt findet sich viel Witz im Stück. Spannend sind viele Anspielungen auf den damaligen und den heutigen schwyzerischen Alltag. Bei Zeitsprüngen ist es zuweilen verblüffend – oder erschreckend –, wenn die Geschichte als Spiegel der Gegenwart auftaucht. Etwa als von den fremden Gästen als Ausländerpack gesprochen wird, von Reiseagenten als Schlepper – oder Sparpolitik, Schulreform, Ärger mit dem Bischof, fehlende Kulturförderung thematisiert werden. Alles schon mal da gewesen.

Wenn die Japanesen im Ensemble auftreten, stellt man sich sogar die Frage, ob dies mit der schrägen Musik und übertriebenen Bücklingen nicht gar Satire ist. Denn auch das eigene Stück geht sich selber satirisch an: «Am Franz ä Chranz», damit ist sowohl der Siegeskranz an den eidgenössischen Musikfesten gemeint wie der Chranz am Grab.

Wo die einzelnen Figuren gezeichnet werden, kommt auch die Tragik des damaligen Lebens zum Vorschein. Wenn eine Mutter von 14 Kindern wegstirbt, keine Altersvorsorge besteht, wenn Armut und die Niederlage im Sonderbundskrieg die Schwyzer bedrücken.

Ein Musik-Sing-Sprech-Schauspiel

Bei der Vielzahl an Akteuren sollen nicht einzelne Leistungen hervorgehoben werden. Ausser einer: Überrascht hat Dani Häusler, in einer Hauptrolle. Der geniale Klarinettist agiert auch mit grosser Präsenz und Schauspieltalent. Daneben verfügt die Bühne 66 über viele Könner. Dazu kommen die elf Instrumentalisten, die hinter, vor, neben der Bühne auftreten und in der legendären Rossini-Tell-Ouvertüre den Höhepunkt des Stücks setzen.

Spätestens da wird deutlich, dass die Bühne 66 hier ein Musik-Sing-Sprech-Schauspiel abliefert, sogar mit etwas Tanz. Ein wichtiges Element sind die Ebenen, die auf der grosszügigen Bühne geschaffen werden können. Unter anderem werden faszinierende historische Aufnahmen eingeblendet.

josias clavadetscher

Hinweis

«Am Franz ä Chranz», Eigenproduktion Bühne 66. Aula Kantonsschule Schwyz. Bis 28. Mai noch 17 Aufführungen. Vorverkauf: www.buehne66.ch oder jeweils Di bis Fr 10.00 bis 12.00 Uhr, Tel. 041 810 11 66.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.