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Sebastião Salgados bewegende Hoffnungsrede am Friedenspreis

Am Rand der Frankfurter Buchmesse bekam am Sonntag der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seine Fotos von Krieg, Ausbeutung und Flucht sind zu ikonischen Bildern der bedrohten Gegenwart geworden.
Hansruedi Kugler
Sebastião Salgado während seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche. (Bild: Armando Babani/EPA)

Sebastião Salgado während seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche. (Bild: Armando Babani/EPA)

Der 75-jährige Brasilianer Sebastião Salgado ist der erste Fotograf, der den 1950 ins Leben gerufenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält. Er, der als junger Mann vor der Militärdiktatur aus Brasilien nach Frankreich fliehen musste, hat jahrzehntelang das Elend von Vertriebenen wegen Krieg, Hunger oder Unterdrückung dokumentiert: In Bosnien, Südamerika und Ruanda, von wo er als gebrochener Mann zurückgekehrt sei.

Fotos des Grauens und gegen die Hoffnungslosigkeit

In seiner bewegenden Dankesrede sprach Sebastião Salgado gestern in der Frankfurter Paulskirche denn auch von sich selbst als einem Fotografen, der einen grossen Teil seines Lebens dafür eingesetzt habe, Zeugnis abzulegen über die Not unseres Planeten und so vieler seiner Bewohner, die unter grausamen, unmenschlichen Bedingungen leben; einem Fotografen, der diese Menschen ins Zentrum eines grossen fotografischen Essays stelle, den er vor fünfzig Jahren begonnen habe und bis heute weiterschreibe: «Meine Sprache ist das Licht. Denn es ist auch und vor allem die Mission, Licht auf Ungerechtigkeit zu werfen, die meine Arbeit als Sozialfotograf bestimmt.» Als einen Akt der Selbst- und Weltheilung beschrieb zuvor Laudator Wim Wenders Salgados Hinwendung zur unberührten Natur. In den letzten zwanzig Jahren hat der Fotograf nach dem Horror sich dem natürlichen Erbe zugewendet, ikonische Bilder etwa des Grand Canyon, der arktischen Eislandschaft oder urtümlicher Tiere geschaffen sowie in abgeholzten Gebieten des Amazonas drei Millionen Bäume gepflanzt und zu einem Nationalpark verwandelt. Salgado hat sich so gegen die Hoffnungslosigkeit gestellt. Salgado stellte in seiner Rede die Menschen in den Vordergrund, deren Schicksal er während seines über fünfzigjährigen Schaffens dokumentiert hat: «Diese Männer, Frauen und Kinder gehören zu den Ärmsten der Menschheit. Sie bilden eine riesige Armee von Migranten und Verbannten, von ausgebeuteten Arbeiterinnen und Arbeitern, von Opfern von Krieg und Genozid. Mit ihnen möchte ich diesen Preis heute teilen. Ich nehme ihn nicht für mich an; ich nehme ihn für sie an; ich nehme ihn mit ihnen an.»

«Er hat uns die Bedingungen für den Frieden vor Augen geführt»

Der Blick auf Schrecken und Leid solle die Menschen aufrütteln, an einer besseren Zukunft zu arbeiten, sagte er: «Wir dürfen nicht verleugnen, was wir einander anzutun fähig sind, weil der Mensch immer des Menschen Wolf ist. Aber die Zukunft der Menschheit liegt in unseren eigenen Händen. Um eine andere Zukunft zu errichten, müssen wir die Gegenwart verstehen. Meine Fotos zeigen diese Gegenwart, und so schmerzhaft der Anblick ist, wir dürfen den Blick nicht abwenden.» In seiner Laudatio würdigte Wim Wenders, der 2014 mit «Das Salz der Erde» einen preisgekrönten Dokumentarfilm über Leben und Werk von Sebastião Salgado ins Kino brachte, diesen als einen Fotografen, der die Menschen habe «teilnehmend spüren lassen, was der grosse Feind des Friedens in unserer Zeit ist: der brutale Niedergang des Mitgefühls, der Mitverantwortung, des Gemeinsinns, des grundsätzlichen Willens zur Gleichheit des Menschengeschlechts.» Bezugnehmend auf seine drei Werke «Arbeiter», «Exodus» und «Genesis» sagte er: «Mit diesen drei monumentalen monolithischen Arbeiten allein hat uns dieser Mann die Bedingungen von Frieden vor Augen geführt.» Es könne keinen Frieden geben ohne soziale Gerechtigkeit, ohne Arbeit, ohne Anerkennung der Menschenwürde, ohne die Achtung für der Schönheit und Heiligkeit der Erde.

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