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Schachteln von Luzerner Künstler zügeln an den See

Anton Egloff schenkt dem Kunstmuseum Luzern eines seiner wichtigsten Werke. Die Skulptur Storefront zeigt, wie der 85-jährige Luzerner Künstler tickt.
Céline Graf
Anton Egloff mit seinem aufeinandergestapelten Werk «Storefront» in seinem Atelier. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 6. Februar 2019)

Anton Egloff mit seinem aufeinandergestapelten Werk «Storefront» in seinem Atelier. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 6. Februar 2019)

«Man muss einfach ein wenig grübeln und Ordnung machen.» Anton Egloff läuft durch sein Atelier, zieht Kartons aus Regalen, blättert in Bildstapeln, beäugt Aufgehängtes, Aufgestelltes, Eingerahmtes, verrückt Herumstehendes. Das Atelier, in dem der pensionierte Künstler Punkt acht Uhr zu arbeiten beginnt, ist auch sein Privatarchiv und seine Werkstatt. Es erstreckt sich über das Erdgeschoss und den Keller des Hauses im Maihofquartier, das Anton Egloff mit ­seiner Frau Marie-Theres vor 50 Jahren bezogen hat. Heute wohnt hier zudem eine Tochter der Egloffs mit ihrer Familie.

Skulpturen, Zeichnungen, Collagen, Modelle, Leinwände: Ein halbes Jahrhundert Schaffen breitet sich auf vergleichsweise wenig Raum aus. Doch Anton Egloff schaut, dass nichts verstaubt. Er hält seine Kunst in Bewegung. Immer wieder nimmt er ältere Werke hervor, kombiniert sie neu oder vertieft sie.

Der rote Faden durch sein Werk

«Ich betreibe Atelierarchäologie», nennt er die Methode. Von der oberen Ebene des Ateliers kann er durch eine Glasscheibe im Boden in die untere schauen. Da habe ihn wahrscheinlich auch seine Studienzeit an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf beeinflusst, denkt er laut. Ruinen des Zweiten Weltkriegs prägten damals noch das Strassenbild, «man spürte die Trümmer und den Aufbau». Anton Egloff hat in der Schweiz in den 1960er- und 1970er-Jahren die Erweiterung der Kunst in den öffentlichen Raum hinein mitgeprägt.

Eine Arbeit, die Anton Egloffs künstlerisches Denken und Schaffen sinnlich erkunden lässt, ist «Storefront». Die modulare Skulptur besteht aus flachen, hellen Sperrholzschachteln im Format 50 x 65 cm, die sich in jeder Ausstellung beliebig neu kombinieren lassen. Jede Schachtel bezieht sich dabei auf ein anderes Werk von Anton Egloff. Da finden sich Entwürfe, Modelle, Teile einer Serie, Farbversuche, Schnipsel.

Und so sieht das Werk unverpackt aus. (Bild: Eveline Beerkircher, 2. März 2011)

Und so sieht das Werk unverpackt aus. (Bild: Eveline Beerkircher, 2. März 2011)

Am Schachtelrand steht jeweils das Datum. Zum Beispiel «8893» bedeutet, dass es eine Arbeit von 1988 ist, zu der 1993 eine Schachtel entstand. Er arbeitet meistens seriell, stellt also mehrere Stücke von Ähnlichem her. «Themen und Ideen verschwinden ja nicht einfach, sondern überlagern sich», sagt er. «Storefront» sei der rote Faden, der sich durch sein ganzes Werk zieht.

Begonnen damit hat Anton Egloff Ende der 60er-Jahre, als er von Wettingen im Aargau, wo er 1933 geboren wurde, nach Luzern zog. Und in dieser Stadt wird «Storefront», das schon in diversen Schweizer Museen und Galerien zu sehen war, nun enden. Denn der Urheber schenkt es dem Kunstmuseum Luzern, das bereits mehrere wichtige Werke von ihm besitzt.

«Ich will den Jungen keinen Platz wegnehmen»

Nächste Woche ziehen zunächst 60 Schachteln an den See um, die anderen will der Künstler zunächst noch «gedanklich reinigen», wie er sagt. Den Anstoss gegeben hat, dass der jetzige Sammlungskurator Heinz Stahlhut dieses Frühjahr weiterzieht. «Storefront» ist ab März in der Sammlungsausstellung «News!» zu sehen. Die Kunstgesellschaft Luzern setzt mit der Schau zu ihrem 200-Jahr-Jubiläum ältere mit neuen Erwerbungen der Sammlung des Kunst­museums in räumliche Dialoge miteinander.

Das ist nach dem Gusto von Anton Egloff. Er ist neugierig, wie jüngere Generationen auf seine Kunst reagieren und umgekehrt. «Ich will den Jungen keinen Platz wegnehmen», betont der ehemalige Lehrer und Abteilungsleiter für Freie Kunst an der Schule für Gestaltung Luzern. So ergänze er mit den Schenkungen vor allem bereits vorhandene Sammlungs­bestände seiner Werke.

Sicher tue es auch ein wenig weh, dass «Storefront» bei ihm auszieht. «Es ist ja eine Trennung.» Doch es habe etwas Schönes, für ihn sei eine Schenkung auch ein «schöpferischer Prozess». Ganz zu Ende ist Storefront ohnehin nie, solange Anton Egloff arbeitet. «Ich sage nicht, ich mache keine Schachteln mehr.» In seinem Atelier lagern noch viele nicht ausgegra­bene Objekte. «Sie liegen herum, und eines Tages sagen sie mir plötzlich etwas.»

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