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Seit 30 Jahren steppt und rockt das Städtli

Im Jahr 1988 war es die Schnapsidee einer Stammtischrunde. Anfänglich dem traditionellen Jazz gewidmet, sind die Jazztage Lichtensteig zum charmanten Weltmusikfestival und zum grössten Kulturanlass im Toggenburg geworden.
Hansruedi Kugler
Jacky Step lanciert jeweils die Jazztage, in denen auch immer wieder Platz ist für Spass. (Bild: Trix Niederau)

Jacky Step lanciert jeweils die Jazztage, in denen auch immer wieder Platz ist für Spass. (Bild: Trix Niederau)

Mittanzen mit Jacky Step? Schön wärs, aber das wagt denn in Lichtensteig doch kaum einer. Jahr für Jahr lässt Jacky seinen Spazierstock kreisen, mit breitem Lachen hüpft er zur Eröffnung der Jazztage im toggenburgischen Städtchen auf der Hauptgasse. Als inoffizielles Maskottchen der Jazztage taucht er an vielen Konzert auf und tanzt bis spät in die Nacht auf diversen Bühnen mit den verdutzten Musikern. Die sich aber allesamt anstecken lassen – denn seinem Schwung und Charme entzieht sich kaum jemand. Und wenn man in den letzten Jahren wiederholt Endo Anaconda auf der Bühne seine Hüften schwingen sah, könnte man auf die Idee kommen, der Endo habe bei Jacky abgeschaut.

Jacky verkörpert die Grundidee der Jazztage: Mit seiner Step-Performance bringt er einen Hauch New Orleans in die Gassen, auch wenn man das ein wenig als kitschigen Exotismus empfinden kann. Wie auch immer: So locker und beschwingt trifft man die Toggenburger unterm Jahr kaum je wie am letzten Wochenende der Sommerferien. Immer dann finden diese Jazztage statt und dann tanzen ein paar Toggenburger auch mal auf den Festbänken im Zelt, auf dem Goldenen Boden oder auf dem Postplatz, wo die Musiker in Griffnähe auf der Bühne stehen.

Enormer Kultursprung in den 1980er Jahren

«Jasstage?» Diese Frage hörten die Festivalgründer zu Beginn nicht selten. Das Erstaunen war nachvollziehbar. Denn in den 1980er Jahren erlebte das Toggenburg einen enormen Kultursprung: Chössi-Theater, Kino Passerelle, Kraftwerk Krummenau, Jazztage Lichtensteig – diese Aushängeschilder einer neuen Kultur wurden allesamt in jenen Jahren gegründet. Und auf keines wollen die Toggenburger unterdessen mehr verzichten. So hat sich denn der Jazztage-Freitag jeweils zum grössten Treffpunkt im Toggenburg gemausert.

Die Musikauswahl beschränkt sich nicht auf Jazz. Deshalb trat beispielsweise auch Knackeboul auf. (Bild: Hansruedi Kugler)

Die Musikauswahl beschränkt sich nicht auf Jazz. Deshalb trat beispielsweise auch Knackeboul auf. (Bild: Hansruedi Kugler)

Mit Abstand am breitesten abgestützt von all den Kulturorten sind die Jazztage. Warum der Anlass mit jährlich um die 5000 Besucherinnen und Besucher so erfolgreich ist, hat mehrere Gründe: Die Musikauswahl bildet den breiten Geschmack der Festivalgründer ab. Deshalb ist von New-Orleans-Jazz über Schweizer Rock und Pop bis zu älteren internationalen Stars wie Eric Burdon, Umberto Tozzi oder Manfred Mann’s Earth Band ein breiter Musikmix zu hören. Immer wieder werden auch Toggenburger Formationen wie die Bluesband Invade, der Akkordeonist Willi Valotti oder das Jugendorchester Il Mosaico eingeladen. Auch die Verjüngung gelingt. Seit sieben Jahren beteiligen sich die an Elektropop und Hip Hop orientierten Organisatoren des Musikclubs Kraftwerk mit eigenem Programm. Deshalb traten zum Beispiel Knackeboul oder Steff la Cheffe an den Jazztagen auf – letztere wird auch dieses Jahr wieder auf der Bühne stehen. Ein Kinderkonzert am Samstagnachmittag ergänzt seit einigen Jahren erfolgreich das Abendprogramm.

Der Jazz hat ein Stammpublikum, das jedoch immer kleiner wird. Jahrelang gab es sogar einen Jazzclub in Lichtensteig – der aber nach dem Städtlibrand 2009 definitiv geschlossen wurde. Vorher hatte der Jazzverein dort aus dem Gewinn der Jazztage Konzerte veranstaltet – meist vor einer Handvoll Idealisten. Deren Verbundenheit mit dem Städtchen ist phänomenal: Viele der Jazztage-Gründer sind immer noch im Organisationskomitee. Das Budget beträgt unterdessen einiges über eine halbe Million Franken, 30 mal mehr als 1988. Aber ohne das Ambiente im alten Städtli wären die Jazztage nur eine halbe Portion. Die Hauptgasse wird für die Hauptbühne mit Zelt und Stehplätzen gesperrt, in den Gassen flaniert man von Platz zu Platz, gelegentlich etwas hektisch, um beim nächsten Konzert einen Sitzplatz zu ergattern.

Jazztage Lichtensteig, Fr, 10. bis So, 12. 8.

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