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Selbst die «Rushhour» hat Zauber

Eine Fortsetzung zum aktuellen Kinderstück des Luzerner Theaters: Im Tanzabend «Paddington Bär» erzählt Choreograf Kinsun Chan unglaublich fantasievoll, wie der Kultbär das Leben durcheinanderbringt.
Urs Mattenberger
Sandwich-Ballett mit der lebenssprühenden Valeria Marangelli in der Rolle des Paddington. (Bild: LT/Gregory Batardon)

Sandwich-Ballett mit der lebenssprühenden Valeria Marangelli in der Rolle des Paddington. (Bild: LT/Gregory Batardon)

Im Kinderstück zur Vorweihnachtszeit wird er – in Miet Warlops «Grosse Bären weinen auch» – in die Luft gesprengt. Aber in der Tanzproduktion in der Box wird der Teddybär nach der Premiere vom Samstag ebenso regelmässig wieder zurückkehren: Als «Paddington Bär» in Kinsun Chans dritter Choreografie für den Tanz am Luzerner Theater. Die ist zwar kein Kinderstück, aber richtet sich doch an Zuschauer «ab sechs Jahren».

Damit bietet das Theater zweimal «Zauber und Wunder». Beides bietet Miet Warlops Kinderstück mit artistischen Tricks. Und auch Kinsun Chan («Nuts!») rückt in seiner «Paddington»-Adaption den «Zauber und die Magie» ins Zentrum, die der Findelbär aus Peru in sein neues Umfeld in London bringt.

Die Verbindung zu Warlop stellt der Auftakt her: Auf der durch Büchergestelle einer Gelehrtenwohnung zugemauerten Bühne begegnet uns der Riesenteddy, den wir vom Kinderstück kennen. Aber hier platzt er nicht, sondern wird von schwarz vermummten Tänzerschatten, die die Bühne gespenstisch bevölkern, köstlich zum Leben erweckt.

Weiblicher Bärencharme

Ersetzt wird er freilich auch hier. Kinsun Chan überträgt die Paddington-Rolle der Tänzerin Valeria Marangelli, die mit spitzbübischem Charme jenen des Bären unmittelbar ins Menschliche überträgt. Unplakativ macht die Choreografie zum Thema, wie in den ausgewählten Episoden das Fremde gesellschaftliche Konventionen durcheinanderbringt. Für diese stehen effektvoll mechanisierte Abläufe, die durch den Einbruch des Fremden vermenschlicht werden.

In der Familie Brown sorgt eine Art Ping-Pong-Ballett rund um und über und unter dem Esstisch hindurch für witziges Durcheinander. In der Schokoladefabrik bringt Paddington Betriebsabläufe wie aus «Modern Times» durcheinander, woraus sich schliesslich die Erfindung des in Goldpapier gewickelten Schokoladeteddys ergibt. Eine spektakuläre Rolle spielt dabei das modulare Bühnenbild. Die Büchergestelle verweisen einmal, vollgestopft mit Koffern, auf Reisen und Heimatlosigkeit und sie schaffen als fahrbare Projektions- und Wandflächen Enge und Weite.

Ein Höhepunkt an Magie ist der Federtanz im peruanischen Dschungel, Dramatik und Komik kreuzen sich auf der Flucht Paddingtons durch die Rushhour in London, wo sich die hin und her sausenden Regale auf der Bühne gefährlich stauen und kreuzen. Die elektronische Musik von Daniel Steffen schafft für all das nicht nur detailliert ausgefeilte und anspielungsreiche Rhythmen und Klänge, sondern steuert auch einen sinnlich knisternden Geräuschsoundtrack mitsamt Hupkonzert und Regenschauer bei.

Auch wenn der Tanz nahtlos ins meist dunkle magische Treiben integriert ist, schafft Chan auch Freiräume, in denen er sich weiträumiger und – im Duo mit Zach Enquist als Schriftsteller und Carlos Kerr als Leiter der Schokoladenfabrik – in hohen Bögen entfalten kann. Mit Paddington Bär bekommt das Luzerner Theater nicht nur einen fantasievoll sprudelnden Tanzabend, sondern tatsächlich auch ein zweites Kinderstück.

Vorstellungen: 5., 8., 12., 14., 16., 21., 23., 27., 29. 12., 6.1., www.luzernertheater.ch

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