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Jungstar Ray Chen tritt im KKL selbstbewusst und frisch auf

Ein junger Geigenvirtuose und Instagram-Star und ein Beethoven wie neu komponiert: Der Saisonauftakt der Festival Strings Lucerne ist ein grosses Versprechen.
Roman Kühne
Jungstar Ray Chen überzeugte beim Auftritt im KKL. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 3. Dezember 2018)

Jungstar Ray Chen überzeugte beim Auftritt im KKL. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 3. Dezember 2018)

Der Abend schrammt hauchdünn an einer Sternstunde vorbei. Fast schade ist es, wird der letzte Satz dieser 7. Sinfonie von Beethoven auch noch gespielt. Schade, weil die Festival Strings Lucerne in den 30 Minuten vorher einen Beethoven aus dem Hute hexen, der – auf seine Art – nahe an der Perfektion war. Ein Hörvergnügen, wie es – auch im KKL – in dieser Intensität, Harmonie und Stimmigkeit selten ist. Schon das erste Stück dieses Konzertes am Montagabend bietet eine Überraschung. In den letzten Jahren hat die Streichergruppe immer stärker mit der grossen, sinfonischen Form experimentiert. Ohne Dirigent leitete Daniel Dodds das Orchester vom ersten Pult aus.

Eine denkwürdige Ausnahme gab es im vergangenen Sommer, als der in Kastanienbaum wohnende Altmeister Bernard Haitink das Zepter für ein Konzert übernahm. Bei diesen «ungeleiteten» Konzerten gehört Beet­hoven schon fast zum Standardrepertoire. Aber auch mit Richard Wagner oder Paul Dukas wurde experimentiert. Am montäglichen Konzert sind die «Zwei Stücke für Streichoktett» von Dmitri Schostakowitsch mit ihren Rhythmen, Tempowechseln und vielen eingestreuten Soli eine weitere Knacknuss für ein Kammerensemble.

Von Instagram in den Konzertsaal

Vor allem wenn es in der Fassung für Streichorchester gespielt wird, wie hier geschehen. Aber unter der Leitung des Konzertmeisters Daniel Dodds wird aus dem etwas harmlosen Jugendwerk ein intensives, teils dämonisches Wechselbad. Die dissonante Anfangsattacke im zweiten Stück, die zeichnenden Akzente und die sich ballenden Tremoli geben der Musik eine fast Hitchcocksche Dimension.

Dann ist die Reihe am Jungstar Ray Chen. Der taiwanisch-australische Geiger sieht sich klar als ein Musiker des 21. Jahrhunderts. Er setzt sehr bewusst und vielfältig auf Onlinemedien, ist bei Youtube mit viel Musik präsent. Daneben zeigt er kleine «Motivationsvideos», wo er über die Angst vor dem Auftritt spricht, oder fabriziert eine Serie über «Musical Heroes».

Natürlich postet er auch auf Instagram, wo ihm über 100 000 Menschen folgen. Ins KKL bringt er mit dem Violinkonzert in ­e-Moll von Felix Mendelssohn eines der grossen Schlachtrösser der Streicherliteratur mit. Und er spielt es auch entsprechend. Breitbeinig steht er da, selbstbewusst und frisch. Mit üppigem Ton, viel Vibrato und ausschweifender Gestik führt er das Publikum durchs Konzert. Klanglich satt in der Höhe, technisch hochversiert füllt er die Partitur mit Leben und Sog. Erst im Schlusssatz spielt er mit mehr Leichtigkeit, zaubert ein verspieltes, ja neckisches Tänzchen. Zwar bleibt das Geheimnisvolle der Komposition hinter dem üppigen Klangfest verborgen. Doch die Energie und die feiernde Romantik von Ray Chen sorgen auf ihre Art für eine überzeugende Interpretation.

Beethoven, frisch erfunden

Die Festival Strings Lucerne begleiten perfekt, mit präzisen Einsätzen und kammermusikalischem Gespür. Qualitäten, welche die Musiker ansatzlos in die siebte Sinfonie von Beethoven nach der Pause überführen. Eine Sinfonie, die zum Ereignis wird. Alle Augen sind auf den Konzertmeister Daniel Dodds gerichtet. Es ist ein Musizieren auf der vordersten Rille der Stuhlkante. Von Anfang an ist ein loderndes Feuer da. Es ist ein Beethoven wie eine Oper. Die speziell gestopften Schläge der Hörner, die leichten Akzente der Streicher, die Transparenz im Gesamtensemble, die Vielfältigkeit der Klänge – es ist eine packende Version dieser Sinfonie. Eine frische Brise, die Geist und Ohren fordert. Hier geht es weniger ums Blasen und Streichen. Es ist eine Spielkultur des Zuhörens, des Platzlassens, des Aufeinandereingehens.

Selbst der Trauermarsch wird mit neuem Licht bedacht, belebend und reich. Das offene Feld für die an diesem Abend überragend aufspielenden Bläsersolisten, die teils gewagten Tempi und Akzente zeigen exemplarisch auf, wie viel Gehalt und Wandelbarkeit in den Noten Beethovens steckt. Erst der letzte Satz überbordet gar etwas in Energie und Feuer und verfügt nicht über die Ausgewogenheit der anderen Teile. Das Konzert ist ein starkes Versprechen für die weitere Saison der Festival Strings Lucerne.

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