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Sensation in Altdorf: Lang Lang tritt solistisch auf

Andermatt Swiss Classics  Der chinesische Piano-Weltstar Lang Lang konnte lange Zeit nicht spielen. Jetzt gab er sein weltweites Comeback überraschend in Altdorf. Ausserhalb des Programms spielte er spontan zwei Stücke.
Roman Kühne
Überraschend tritt Lang Lang in Altdorf für zwei Stücke solistisch auf. (Bild: Valentin Luthiger/PD, 30. Juni 2018)

Überraschend tritt Lang Lang in Altdorf für zwei Stücke solistisch auf. (Bild: Valentin Luthiger/PD, 30. Juni 2018)

Es ist, als ob die Rolling Stones für ein Konzert auf den Fussballplatz Schützenmatte nach Altdorf kommen würden. Die Andermatt Swiss Alp Classics machen es möglich – das im Umfeld des Hotels Chedi entstandene Festival das gestern zu Ende ging. Nachdem der Pianist Lang Lang 2017 noch absagen musste, ist er am Samstagabend leibhaftig vor Ort.

Lang Lang wird ja in zwei Monaten zusammen mit dem Lucerne Festival Orchestra und Riccardo Chailly auch das Eröffnungskonzert des Sommerfestivals veredeln – sofern er denn spielen kann. Denn seit dem Frühling 2017 hemmt eine Sehnenentzündung, eine Tendinitis seine Kunst. Doch für diesen Sommer ist das Comeback geplant und das Konzert in Altdorf ist einer dieser kleinen Schritte zurück zur alten Frische.

Der grosse Pianist setzt sich für begabten Nachwuchs sein

Und wohl nur wenige aktuelle Klassikstars geniessen einen ähnlichen Kultstatus wie der chinesische Tastenakrobat. So weht denn an diesem Samstagabend eine Art globaler Glamour über den Platz vor dem Theater(Uri) in Altdorf. Drei rote Teppiche führen die Zuschauer ins Foyer. Hektisch begrüsst das Team die Ehrengäste. Vor einer Sponsorenwand werden eifrig Fotos geschossen. Die Besucher stehen an den kleinen Tischen, Cüplis werden gehalten. Auch ist der Konzertsaal, trotz der stattlichen Preise zwischen 95 und 250 Franken praktisch vollständig gefüllt.

Trotzdem dürften einige das Konzert mit gemischten Gefühlen verlassen haben: Es ist nicht primär Lang Lang, der auftritt, sondern junge US-Musiker seiner Lang Lang Foundation. Dies ist zwar im Programm bei den einzelnen Stücken aufgeführt. Die Werbung fokussierte aber im Vorfeld des Festivals doch gar etwas auf den pianistischen Überflieger.

Lang Lang geniesst vor dem Konzert die Urner Gebirgsnatur. (Bild: Valentin Luthiger/PD, 30. Juni 2018)

Lang Lang geniesst vor dem Konzert die Urner Gebirgsnatur. (Bild: Valentin Luthiger/PD, 30. Juni 2018)

Die Idee dahinter ist durchaus positiv. «Ich bin in meinem Leben so vielen jungen, begabten Pianisten begegnet», führt Lang Lang aus. «Für diese Talente möchte ich einen Platz schaffen, eine Tür zur Welt aufstossen.» Nur: Dieses Karussell dreht sich inzwischen in der ganzen Welt. Es gibt wohl kaum mehr ein Festival, das nicht «Neuentdeckungen» eine Plattform bietet.

Tolle Technik, aber im Ausdruck noch etwas plakativ

Am Samstagabend ist das Resultat dieser Präsentation gemischt. Sicher, die vier Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren verfügen alle über eine stupende Technik, beherrschen die Schwierigkeiten der Stücke auf höchstem Niveau. Dennoch bleiben, zumindest nach dem ersten Teil, gewisse Fragezeichen. Zwar zeigen die 16-jährige Kimberly Han und der 19-jährige Eden Chen durchaus ihre Musikalität. Indes fehlt den Stücken zwischen Chopin und Rachmaninoff – natürlich sind für so eine Präsentation nur hohe Schwierigkeitsgrade zugelassen – das gewisse Etwas.

Bei beiden erklingen die langsamen Sätze romantisch gefällig, werden mit intensivem Bogen die expressiven Seiten ausgestaltet. Alles ist schön gespielt, doch wirkt dies nach kurzer Zeit etwas plakativ. Das Nachdenkliche, der persönliche Bezug zum Stück, das Überraschende ist nur in Ansätzen spürbar. Die verträumte Ausgestaltung folgt zu sehr dem Kerzenlicht. Fast meint man, das entzückte Stöhnen eines Keith Jarrett während seines Köln-Konzertes zu hören. Auch in Chopins Fantasie in f-Moll, gespielt von Eden Chen wird das furiose Fortissimo wie eine demonstrative Wand auf die Bühne gestellt, wuchtig und donnernd, Fest der Fingerfertigkeit. Zu ähnlich sind sich auch die beiden Solisten.

Als sich Lang Lang mit seiner gesunden, rechten Hand dazusetzt, werden die Stücke sofort lebendiger. Vor allem das «Aquarium» aus dem+ Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns, wo Lang Lang die obere Stimme spielt, sorgt für einen verzaubernden und erquickenden Moment. Ob die Gäste damit zufrieden waren?

Comeback war eigentlich erst in den USA geplant

Aber dann, eine kleine Sensation: Vor der Pause – und ausser Programm – spielt Lang Lang ein kurzes Solostück, die Chopin Nocturne in cis-Moll. Sein erster Auftritt nach langer Verletzungspause! Eigentlich war sein Comeback erst für den 6. Juli in Tanglewood (USA) geplant. Sofort steigt der Glamoureffekt. Die Handys gehen hoch, um den Moment für die Gefolgschaft festzuhalten. In der langsamen Elegie lässt Lang Lang mit seiner vorsichtigen und sanften Gewichtung kurz seine Klasse aufblitzen.

Wesentlich spannender ist der zweite Teil. Die 13-jährige Aliya Alsafa spielt ihren Chopin (Baracole Fis-Dur) fliessend und aus einem Schwung. Die Akzente im Schlusssatz der Klaviersonate von Sergei Prokofiev setzt sie deutlich, aber eingebaut in den Sog des Stückes. Der Höhepunkt des Abends ist aber der Solist Clayton Stephenson. Vor allem die «Rhapsodie espagnole» gestaltet er als Fest und Kulminationspunkt. Ein tanzender Zirkusbär mit irren Kapriolen, ein spannender Bogen der Leidenschaft und Hingabe. Das Publikum dankt es ihm mit frenetischem Applaus. Am Schluss entsteht noch richtige Feststimmung. Zusammen mit Clayton Stephenson zelebriert Lang Lang den Schlager «Rondo alla turca» von Mozart aus der Klaviersonate in A-Dur -, Standing Ovation. Den finalen Punkt setzt Lang Lang mit einer weiteren langsamen Zugabe: «Davidsbündlertänze» von Robert Schuhmann.

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