Porträtserie: Er hat die Menschen des Luzerner Sentitreffs ins Bild gerückt

Im Stadtluzerner Sentitreff sind Porträts der Menschen zu sehen, die dort ein und aus gehen. Fotografiert hat sie Hans U. Alder.

Susanne Holz
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Fotograf Hans U. Alder hat die Menschen im Sentitreff an der Baselstrasse porträtiert. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. November 2019)

Fotograf Hans U. Alder hat die Menschen im Sentitreff an der Baselstrasse porträtiert. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 26. November 2019)

Sie kommen aus der Schweiz, aus der Mongolei, aus Afghanistan, Eritrea, aus Tibet oder aus Somalia. Sie blicken einen direkt an: Sie zeigen ein feines Lächeln, sie schauen ernst, sie lachen, sie blicken leicht kritisch, ohne zynisch zu sein, sie haben den Schalk in den Augen. Und irgendwie scheinen sie alle auf die eine oder andere Art mit dem Betrachter beziehungsweise mit dem Fotografen zu flirten.

32 Schwarz-Weiss-Porträts von Menschen, die im Sentitreff an der Baselstrasse ein und aus gehen, hat der Fotograf Hans U. Alder gemacht – 16 davon sind bis Weihnachten noch im beliebten Quartiertreff zu sehen. Im Haus, das offen für alle ist, zweimal in der Woche einen Mittagstisch bietet oder den Kindernachmittag oder das Café International, verkehren Migranten wie Schweizer, Familien wie Senioren. «Eine gute Mischung», sagt Heidi Rast, Koordinatorin im Sentitreff.

Sentitreff neu entdeckt

Der Fotograf Hans U. Alder, 1945 in Zürich geboren und heute in Schwarzenberg lebend, kannte den Sentitreff bis vor einem Jahr noch gar nicht. Damals war er zu einer Vernissage im Treff eingeladen und wurde direkt gefragt, ob er hier nicht auch mal ausstellen wolle. Alder, der lange Jahre als Filmkameramann beim SRF arbeitete, später dann auch als Regisseur für Dokumentationen und als Leiter Fachbereich Regie bei SF/DRS wirkte, überlegte nicht lange und sagte zu.

Klar war für ihn aber sofort, dass er hier keine Fotografien zeigen will, die er auf seinen zahlreichen Reisen gemacht hat, sondern dass er die Menschen porträtieren möchte, deren Heimat der Sentitreff ein Stück weit ist.

Schwarz-Weiss reduziert auf das Wesentliche

Hans U. Alder richtete sich für vier Tage ein im Sentitreff und fotografierte alle, die das gerne wollten – einen jeden in Schwarz-Weiss. Der ausgebildete Fotograf sagt:

«Mein Konzept war es nicht, Reportagefotos zu machen. Es war es vielmehr, den Menschen an sich zu zeigen, seinen direkten Blick – die isolierte Person ohne ihr privates Umfeld.»

Dass so ein Blick genügt, um Interesse zu wecken und die Vorstellungskraft in Gang zu setzen, davon kann sich überzeugen, wer Alders Porträts auf sich wirken lässt. Man müsse sich für den Menschen interessieren, so der Fotograf, der es nicht mag, Leute blosszustellen – sie etwa en passant auf der Strasse abzulichten. Schwarz-Weiss-Porträts bevorzugt er, weil «sie eine Reduktion auf das Wesentliche sind». Der gewitzte Blick des Mädchens aus der Mongolei auf einem Bild ist das ganz sicher.

Hinweis: «Portraits. Das Gesicht des Menschen als Spiegel der Welt» – Fotografien von Hans U. Alder. Bis 20. Dezember im Sentitreff an der Baselstrasse 21 in Luzern. www.fotografiealder.ch