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Seven im KKL: Heimspiel mit Einblicken in die neuen Songs

Der Wahlluzerner Seven spielt im KKL eine ausverkaufte «Soulmate»-Show. Mit dabei: Sein Freund Henrik Belden. Von ihm kann Seven lernen, dass Scheitern keine Schande ist.
Michael Graber
Seven bei seinem Auftritt im Luzernersaal (Bild: Pius Amrein, Luzern, 8. Juni 2019)

Seven bei seinem Auftritt im Luzernersaal (Bild: Pius Amrein, Luzern, 8. Juni 2019)

Nach der Pause verlässt Seven die Komfortzone. Er spiele nun neue Songs, sagt er im ausverkauften Luzernersaal im KKL. Solche, die noch nicht auf Platte gepresst sind, vielleicht auch gar nie gepresst werden. Er probiere sie jetzt einfach aus. «Seele» heisse der Erste der Neuen. Also Deutsch. Ein Novum für Seven. In «Seele» geht es darum, dass er künftig «Seele» statt «Perfektion» in den Vordergrund stellen wolle. Da verwundert neben der Sprache auch der Inhalt. Seven ist ganz offensichtlich ein Perfektionist. Jeder Ton sitzt, jede Bewegung auch, die Kleidung sowieso. Man kann den Aargau-Luzerner Seven mit vielen Worten beschreiben, «locker» und «spontan» wären dabei aber eher nicht die erste Wahl.

Vor allem nach der ersten Hälfte dieses Konzerts. Funky-Groovig-Soulig wars. Aber nie knallig. Immer in homöopathischen Dosen. Wohlgemerkt: Das klingt gut. Auch dank einer starken fünfköpfigen Band, der Seven viel Platz lässt. Es ist unterhaltend, aber es plätschert etwas gar vor sich her. Stimmlich beeindruckt Seven in den hohen Lagen. Alles ist wahnsinnig präzis und auf den Punkt gespielt, dafür aber gar clean im Ton. Aus den Sitzen erhebt sich das Publikum erst, als Seven sagt: «Und dazu stehen wir auf».

Seven trinkt Ingwer-Tee, Henrik Belden Rotwein

Eben: Nach der Pause wird es deutlich spannender. Auch weil da Dinge passieren, die nicht einem Drehbuch zu folgen scheinen. Da wären eben die neuen Songs auf Deutsch und dann ist da noch Henrik Belden. Der Luzerner Singer-Songwriter, derzeit im Singer-Songrwriter-Sabatical, bringt die nötige Reibung mit in die Mannschaft. «Soulmate» heisst Sevens Tour. Immer ein anderer musikalischer Freund hüpft noch auf die Bühne und singt ein paar Lieder. Belden singt deren zwei, Seven begleitet ihn dabei. Belden und Seven sind Nachbarn, Freunde und Musiker und doch liegen ein paar Welten dazwischen. Während Seven mit Ingwer-Tee aufmarschiert, erfreut sich Belden erst an Rotwein, später an Bier. Wo Seven glasklar singt, kratzt Beldens Stimme etwas. Er strahlt jene wohlige Wärme aus, die Seven, obwohl technisch weit überlegen, nie ganz erreicht.

Und vor allem wird es lustig: Belden erzählt von einem feuchtfröhlichen Abend mit seinem Freund, der für Seven im Hochbett seines Sohnes endete, da er sich nicht reichlich beduselt zu seiner Frau legen wollte (der Sohn schlief auch bei Mama). Da wird die «Seele» dieses Sevens spürbar, der die Perfektion oftmals wie ein Schutzpanzer um sich legt – was er in dem Song «Seele» recht direkt thematisiert. Henrik Belden ist die typische Verkörperung eines gmögigen Kerls, den man einfach gern haben muss. Er spiele in diesem Jahr genau zwei Lieder und darum sei es wichtig, dass er diese gut spiele, sagt er. Er sei sich bewusst, dass er sich so selbst kräftig unter Druck setze, fügt er an – und vergisst dann prompt den Text. Vielleicht ist das auch ein gutes Beispiel für Seven, dass Scheitern nicht per se schlecht sein muss: Belden fliegen gerade für sein Vermassler die Sympathien zu.

«Wir gehören zusammen wie Kaffee und Kuchen»

Auch abseits von Belden ist das zweite Set dynamischer und musikalisch potenter. Es groovt mehr und wirkt dynamischer. Immer noch ohne grosse Aufreger, aber doch insgesamt lustvoller. Jetzt stehen die Leute auch freiwillig auf, klatschen mit und wippen hin und her. Beim Wippen denkt man an Schlager und auch Seven selber hat Angst vor Schlager. Es sei schwierig auf Deutsch zu texten, sagt er, die Schlagerfalle sei da ganz weit offen. Es klinge einfach auf Deutsch so schnell plumper, einfacher und irgendwie blöder. All diese Schlagerfallen müsse man umfahren, so Seven. Dann singt er ein rührendes Liebeslied an seine Frau, mit der Botschaft, dass er sie «immer noch, immer mehr liebe». Dazwischen hat sich aber ein Satz wie «Wir gehören zusammen wie Kaffee und Kuchen» eingeschlichen. Da schlagert der Soul dann plötzlich kräftig. Insgesamt gefällt uns dieser Seven auf Deutsch aber gut. Das ist ausserhalb seiner Komfortzone. Da darf man ausprobieren. Und zum Ausprobieren gehört Scheitern. Das passiert dann sogar einem Seven.

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