Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SHAKESPEARE INSZENIERUNG: Überdrehter Wahnsinn im Luzerner Theater

Bruno Cathomas’ «Sommernachtstraum» am Luzerner Theater ist ein schrilles Katz-und-Maus-Spiel. Wer sich das Spektakel anschauen will, muss sich beeilen: Die Inszenierung ist nur zweieinhalb Wochen auf dem Spielplan.
Julia Stephan
Elfenkönig Oberon (im Vordergrund: André Benndorff) und sein Hofnarr Puck (Wiebke Kayser) auf der Globe-Bühne des Luzerner Theaters. (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Elfenkönig Oberon (im Vordergrund: André Benndorff) und sein Hofnarr Puck (Wiebke Kayser) auf der Globe-Bühne des Luzerner Theaters. (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Als Thisbe (Michel Kopmann) erdolcht im Blut liegt, sieht’s im «runden O» – so hatte William Shakespeare sein Globe Theatre im Drama «Heinrich V.» einst liebevoll genannt – aus wie nach einer Kostümparty, bei der (zu) viel Alkohol geflossen ist. Lametta funkelt noch auf dem Boden und ein paar knallige Mäntel liegen herum, als der Elfen-Hofnarr Puck (Wiebke Kayser) die ersten ernsten Worte des Abends ans Publikum richtet, das zwei Stunden auf den Holzrängen des zum Globe Theater umgebauten Luzerner Theaters ausgeharrt hat.

«Der Sommernachtstraum», dieses nächtliche Lustspiel aus dem Wald, in dem sich der Ehestreit des Elfenkönigspaars Titania und Oberon und das Schicksal von vier liebestollen Menschen, die der entwürdigenden wie rauschhaften Liebeslust und deren Trugbildern verfallen, schicksalhaft miteinander verknüpfen, ist eines der meistgespielten Stücke überhaupt.

Derb, wild, überdreht und lüstern

Der Bündner Schauspieler Bruno Cathomas (siehe Interview) belebt mit seiner «Sommernachtstraum»-Regie in Luzern die Derbheit und Ausgelassenheit der Aufführungen im Elisabethanischen Zeitalter im nachgebauten Globe Theater Shakespeares wieder auf. Seine übersteuerte und hysterische Inszenierung ist derb, wild, überdreht, lüstern und gibt sich mit Ausnahme der Szenen der im Wald probenden Laienschauspieltruppe, die in der Luzerner Fassung auch mal Heiner Müller zitiert («Das Problem ist die Demut vor dem Realismus»), betont antiintellektuell.

Bis auf einen riesigen Himmelskörper wurde wie zu Shakespeares Zeiten auf einen illusionären Bühnenraum verzichtet. «Ergänzt mit eurer Fantasie nun unsre Mängel» heisst es im in Luzern zitierten Prolog zu «Heinrich V.». Diese Fantasie wird angeleiert mit Liebespopschnulzen der Gegenwart (Whitney Houston) oder zum Kult gewordenen Filmszenen (die Bug-Szene aus «Titanic»), die jeder kennt, und mit den grossartig-fantasievollen, spacigen, drolligen und prolligen Kostümen von Aleksandra Pavlovic mit ihren Pornobrillen, albernen Lichtgirlanden, Röcken aus Abfallsäcken und Haarschmuck aus Strohhalmen, welche die Grenzen zwischen männlich und weiblich durchlässig machen. Lukas Darnstädts übersteuerter Zettel stolziert wie ein Mannequin durch die Arena und Wiebke Kaysers Puck bezirzt den Oberon auch mal mit roten Dessous.

Übersteuerte Stimmbänder

Die Schauspieler liefern sich mit übersteuerten Stimmbändern ein wildes, vom Parkett aus akustisch leider schwer verständliches Katz-und-Maus-Spiel über die Ränge. Demetrius (Jakob Leo Stark) rappt und disst die liebestolle Helena (Alina Vimbai Strähler): «Zieh ab.» Das Hipster-Chick heult: «Du ziehst mich an.» Er kontert: «Weg, du Zellulite-Schlampe.»

Dass für die Rollen des Oberon und der Titania für die erkrankten Ensemblemitglieder Yves Wüthrich und Sofia Elena Borsani kurzfristig die externen Schauspieler André Benndorff und Melanie Lüninghöner einspringen mussten, die den Text bravourös fast ohne Aussetzer meisterten, mag die Endproben erschwert haben. Richtig zum Toben gebracht hat Cathomas sein Publikum trotz starkem Unterhaltungswillen jedenfalls nicht. Statt vollgelachter Bäuche hörte man bei der Premiere am Freitagabend aus den Rängen mehrheitlich Verlegenheitslachen.

Hinweis

«Ein Sommernachtstraum» von Shakespeare. Luzerner Theater, Globe. Noch bis zum 11. März. Nächste Aufführung: heute, 13.30 Uhr. www.luzernertheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.