SHAKRA: Der Büenzli und der Spinner

Beinahe hätten Shakra die Gitarren an den Nagel gehängt. Dann aber kehrte der alte Sänger Mark Fox zurück – dank Vermittlung von Chris von Rohr.

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Thomas Muster (links) und Mark Fox trennten sich mal im wilden Streit. Jetzt sind sie zusammen wieder bei Shakra an Bord. (Bild: Keystone)

Thomas Muster (links) und Mark Fox trennten sich mal im wilden Streit. Jetzt sind sie zusammen wieder bei Shakra an Bord. (Bild: Keystone)

Stefan Künzli

«Nie wieder Fox», sagte Thomas Muster, der Rhythmusgitarrist von Shakra, vor sieben Jahren. Die Emmentaler Hardrockband hatte sich mit ihrem Leadsänger Mark Fox hoffnungslos verkracht. Die Fetzen flogen, der Schaden schien irreparabel, der Mist geführt. Shakra holten den Sänger John Pakresh, und Fox startete eine Solokarriere. Vor gut einem Jahr gab auch Pakresh den Austritt, und Muster überlegte sich ernsthaft, seine Klampfe an den Nagel zu hängen. «Irgendwie war die Luft raus», sagt Muster. Shakra, nach Krokus und Gotthard die Nr. 3 der Schweizer Hardrockbands, stand vor dem Aus.

Streithähne vereint

Dann schaltete sich Chris von Rohr ein. «Thömu, hör mal», sagte der helvetische Oberrocker, «jetzt holt sofort den Fox wieder ins Boot, bringt zusammen, was zusammengehört.» Und mit Verweis auf die grosse Versöhnung von Krokus vor acht Jahren meinte er: «Wenn wir das geschafft haben, dann werdet ihr das auch schaffen.» Friedensbotschafter von Rohr brachte die Sache ins Rollen, das Kriegsbeil wurde begraben.

Am Interviewtermin sitzen sich die beiden ehemaligen Streithähne gegenüber und sind versöhnlich gestimmt. «Ich bin halt schon etwas bünzlig», sagt der 51-jährige Muster und bestellt sich einen Tee. «Ich spinne halt schon etwas», gibt der 37-jährige Fox zu und nimmt einen grossen Schluck Bier. Zwei Welten sind aufeinandergeprallt, und es war auch ein Generationenkonflikt zwischen zwei Alpha­tieren. Hier der erfahrene, seriöse und disziplinierte Schaffer, dort der junge Rock-’n’-Roll-Schnösel, der allzu gern über die Stränge schlug.

«Verpasse keine Termine mehr»

Die Gegensätze bestehen immer noch, aber die Unterschiede wollen die beiden jetzt zum Wohl von Shakra nutzen. «Beides gehört zusammen, es können nicht alle so stier sein», sagt Muster. Und Fox meint: «Ich bin viel disziplinierter als damals, habe noch keinen Termin verpasst und fülle inzwischen sogar meine Steuererklärung aus.»

«Fox hat als Sänger Shakra entscheidend geprägt», sieht Muster heute ein. Daran knüpft die Band wieder an. Alle ziehen am gleichen Strick und haben dasselbe Ziel vor Augen. Muster versteht, wenn es bei dieser Vorgeschichte auch skeptische Stimmen gibt. Doch die beiden sind überzeugt, dass die Versöhnung mehr ist als eine Notlösung oder ein Zweckbündnis. «Wir können die Antwort nur mit der Musik geben», so Muster. Die Antwort heisst «High Noon». Das 10. Album von Shakra mit elf Rock-Krachern und einer Ballade. Tatsächlich: Shakra klingen mit Fox wieder nach Shakra. Der Sound ist direkt, schnörkellos und eingängig. «This is the real thing», sagt Fox und nimmt einen grossen Schluck Bier.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Shakra: High Noon, (Universal). Live: 11. 4., Cholerhalle, Zug.