SHOWBIZ: Linda Fäh: «Ich will keinen Plan B»

Sie stand einst zuoberst auf dem Matterhorn, jetzt will sie den Gipfel der Schlagermusik erklimmen: Linda Fäh, Ex-Miss-Schweiz. In Bälde erscheint ihr erstes Album, und hier sagt sie, warum sie vor allem die Liebe besingt.

Interview Annette Wirthlin
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«Ich bin sehr dankbar für das Leben, das ich führen darf.» Linda Fäh am Ufer der Sihl bei Adliswil, wo sie die Musicalschule besucht. (Bilder Dominik Wunderli)

«Ich bin sehr dankbar für das Leben, das ich führen darf.» Linda Fäh am Ufer der Sihl bei Adliswil, wo sie die Musicalschule besucht. (Bilder Dominik Wunderli)

Linda Fäh, weshalb treffen wir uns hier in Adliswil bei Zürich?

Linda Fäh: Hier besuche ich seit über einem Jahr eine Musical- und Schauspielschule. Ich mache das nicht, weil ich Musical-Darstellerin werden will. Aber hier bekomme ich eine gute Ausbildung, um als Sängerin auf der Bühne zu stehen, also Gesangs-Coachings und Tanzstunden – für die Haltung und die Bühnenpräsenz.

Wie sieht derzeit Ihr Alltag aus?

Fäh: Seit meinem Amtsjahr als Miss Schweiz jeden Tag anders, aber immer sehr ausgefüllt. Seit einigen Monaten ist mein Alltag sehr stark auf die Musik fokussiert. Seit November bin ich immer wieder im Tonstudio für meine Albumaufnahmen, aber dazwischen mache ich immer mal wieder eine Moderation fürs Fernsehen oder für einen Event. Und wenn ich einmal einen Tag lang gar nichts habe, dann muss ich die Büroarbeit erledigen. Das muss halt auch sein.

Ihr Debütalbum erscheint im Frühsommer. Was bekommen wir darauf zu hören?

Fäh: Es wird ein deutsches Schlageralbum. Ich habe die Lieder und die Texte zwar nicht selber geschrieben, war aber von Anfang an bei der Findung der Songs dabei und konnte mich da und dort einbringen. Ich bin ein positiv denkender Mensch, und ich bin sehr dankbar für das Leben, das ich führen darf. Meine Familie und Freunde bedeuten mir sehr viel, und die Liebe überhaupt ist für mich mega wichtig. Sie ist etwas, an das ich fest glaube und das für mich den Sinn des Lebens ausmacht. All das wird sich im Album widerspiegeln.

Schlagermusik wird vielfach etwas belächelt. Was sagen Sie zur Verteidigung dieser Musikrichtung?

Fäh: Verteidigen muss ich sie ja nicht. Es soll jeder das hören, was ihm etwas bedeutet. Mich persönlich berührt der Schlager einfach im Herzen. Zudem verbreiten die lüpfigen, schnellen Songs zum Mitklatschen und Mitsingen immer eine super Stimmung.

Welche Art von Musik hat Sie als Kind geprägt?

Fäh: Ich komme aus einer waschechten Schweizer Familie mit urchigen Traditionen. Es ist ein Wunder, dass wir nicht auch noch einen Bauernhof hatten. Mein Vater war früher Musiker und trat mit seiner Unterhaltungsband auf, unter anderem auch mit Schlager. Zu Hause lief immer Volksmusik, denn mein Vater war auch im Jodelklub. Das ist mir allerdings ein bisschen zu urchig. Ich hörte früher zum Beispiel die allerersten Platten von Francine Jordi rauf und runter. Das hat mich geprägt. Als Teenager kaufte ich dann auch CDs von Britney Spears und der Kelly Family. Auch heute höre ich verschiedenste Musik gerne, aber am meisten verbindet mich der Schlager mit meiner Kindheit, deshalb habe ich mich wohl für diese Richtung entschieden.

Schön musikalisch

Zur Personwia. Die gelernte Bankkauffrau Linda Fäh wurde 2009 zur Miss Schweiz gewählt. 1987 in Benken (SG) geboren, lebt sie heute zusammen mit ihrem Freund Marco Dätwyler in Samstagern (ZH). Seit ihrem Amtsjahr moderiert Linda Fäh TV-Magazine bei Star TV und Tele Ostschweiz, ist Werbebotschafterin, modelt und lässt sich als Event-Moderatorin engagieren. Parallel dazu arbeitet sie an ihrer Karriere als Schlagersängerin. Zu den bisher grössten Auftritten gehörten jener im «Musikantenstadl» in Kroatien, jener an der «Menschen für Menschen»-Gala im Duett mit Al Bano und die Saison als Leadsängerin im Weihnachtszirkus Salto Natale. Am 2. Mai erscheint ihr erstes Album, von dem seit einigen Tagen die erste Single-Auskoppelung «Du oder keiner» erhältlich ist (als Download auf den üblichen Plattformen).

Seit wann wissen Sie, dass Sie Sängerin werden wollen?

Fäh: Seit ich denken kann. Ich bekam es schon früh mit, wenn mein Vater in der Waschküche probte. Als kleines Mädchen legte ich dort auch schon meine CDs und Kassetten ein, nahm das Mikrofon und sang dazu – und wollte das auch vorführen! Ich spielte auch schon früh Flöte und Gitarre, kam dann aber immer mehr zum Singen und begann mit 15 Gesangsunterricht zu nehmen.

Wo wären Sie heute in Ihrer Gesangskarriere, wenn Sie 2009 nicht Miss Schweiz geworden wären?

Fäh: Gute Frage. Musik war zwar immer meine grosse Leidenschaft, aber ich hätte mir nie träumen lassen, das mal als Beruf machen zu können und gar eine CD aufzunehmen. Andererseits hat mich auch das Miss-Schweiz-Thema von klein auf fasziniert. Wenn man Kinderfotos von mir anschaut, sieht man, dass ich auf jedem zweiten Bild ein bisschen am Posieren bin. Das war also auch irgendwie in mir drin.

Später hat Ihnen die Wahl dann viele Türen geöffnet.

Fäh: Ja. Und mich auf die Idee gebracht, dass ich tatsächlich etwas machen könnte aus meiner Leidenschaft für Musik. Denn ich wurde verschiedentlich angefragt, ob ich in Fernsehsendungen etwas singen könnte, zum Beispiel im «Samschtigjass» oder bei «Happy Day». Aber ich sagte schon immer: Ich will das Schritt für Schritt angehen – deshalb hat es jetzt auch vier Jahre gedauert. Erst jetzt fühle ich mich auch so richtig bereit dazu. Wegen der Musik auch noch an einer Castingshow mitzumachen, wäre für mich nicht in Frage gekommen.

Es heisst, Sie lernen auch das Klavierspielen. Kriegen Sie schon eine Mozart-Sonate hin?

Fäh: Auf keinen Fall. Für mich hat das Singen Priorität. Ich wollte nie auf der Bühne Klavier spielen. Ich wollte mit dem Klavier eine gewisses musikalisches Basiswissen erreichen, um mich selbst zum Üben auf dem Piano begleiten zu können. Vor zwei Jahren konnte ich zum Beispiel nicht nach Noten singen, obwohl ich das Notenlesen als Teenie mal gelernt habe, ich sang immer nur nach Gehör.

Mit Tommy Mustac haben Sie jetzt den gleichen Produzenten wie etwa Francine Jordi oder Mireille Mathieu. Welcher bekannte Schlagerstar ist Ihnen am liebsten?

Fäh: Seit einer Weile höre ich am allerliebsten Helene Fischer. Ihre Songs kann ich hundertmal hören und dazu singen. Ihre Shows faszinieren mich mega. Sie ist für mich die grösste Entertainerin Deutschlands überhaupt – nicht nur im Schlager. Ein Vorbild im engeren Sinn habe ich jedoch nicht, denn es bringt ja nichts, jemandem nachzueifern.

Gibt es auch einen Plan B, wenn das mit der Sängerkarriere nicht klappen sollte?

Fäh: Grundsätzlich will ich keinen Plan B. (lacht) Aber seit Ende meines Amtsjahres lebe ich ja vor allem von Moderationen und davon, dass ich Werbebotschafterin verschiedener Marken bin. Ich habe also ohnehin diese verschiedenen Standbeine. Vom Singen allein kann ich noch nicht leben. Wenn ich mich zwischen der Musik und dem Moderieren entscheiden müsste und von beidem gut leben könnte, dann wäre es ganz klar die Musik. Alles, was ich heute mit Musik verdiene, investiere ich sofort wieder in meine musikalische Weiterbildung. Dass ich den Traum jetzt schon aufgebe, kommt gar nicht in Frage.

Ihre soeben erschienene Single heisst «Du oder keiner». Wer ist dabei angesprochen?

Fäh: Ich wusste, dass diese Frage kommen wird! (lacht) Es darf sich jeder, dem das Lied gefällt, angesprochen fühlen. Denn all diese Leute brauche ich, um weiterzukommen.

Das gilt jetzt aber nicht!

Fäh: Zu meinem Privatleben kann ich nur sagen: Ich bin in Liebesdingen mega glücklich, und das wird sich auch in verschiedenen Liedern auf dem entstehenden Album niederschlagen.

«Liebe total» sei eines Ihrer Lieblingsthemen, heisst es in einer Pressemitteilung.

Fäh: In der Musik geht es doch so viel um die Liebe. Und dies längst nicht nur im Schlager. Nur merken es viele gar nicht, weil sie die englischen Texte nicht richtig verstehen. Liebe umfasst für mich auch die Liebe zu den Mitmenschen – gerade die zu meiner Familie. Wäre sie nicht vollkommen und bedingungslos hinter allem gestanden, was ich mache, wäre ich heute nie da, wo ich bin. Das ist für mich das absolut Grösste, und deshalb besinge ich es auch gerne.

Der Musikclip zu «Du oder keiner» wurde im Februar auf Teneriffa gedreht. In wallenden Kleidern wandeln Sie da mit einem Pferd an Ihrer Seite durch die wildromantische Landschaft. Waren Sie früher ein typisches Pferdemädchen, oder ist das wieder einmal so ein Klischee, dem ich gerade verfallen bin?

Fäh: Nein, Sie tippen genau richtig. Ich hatte Pferde immer extrem gerne. Als ich ein Kind war, holten wir uns jeweils ein Pferd beim Bauern und ritten – ohne jegliche Reitstunden – einfach aus. Das eine oder andere Mal ist mir das Pferd durchgebrannt, aber ich kam immer wieder heil nach Hause.

Das klingt nicht ungefährlich und erinnert an Ihre Matterhorn-Besteigung im Jahr 2012. Das war nun wirklich eine super PR-Aktion. In meinen Augen sind Sie vollkommen rehabilitiert von dem Fauxpas, den Berg im Wissens-Quiz vor der Miss-Wahl nicht erkannt zu haben.

Fäh: Natürlich war das auch eine coole PR-Aktion. Aber allein aus diesem Grund geht niemand aufs Matterhorn. Das schafft man schlicht nicht. Ich und meine beste Freundin trainierten ein volles Jahr und waren bis zum Schluss nicht sicher, ob wir es schaffen würden. Für mich war das eine ganz krasse Erfahrung. Ich dachte x-mal, meine Beine würden mich keinen Schritt weiter tragen. Aber wenn der Wille da ist, geht es.

War es eine Erfahrung fürs Leben?

Fäh: Auf jeden Fall. Ich sagte mir danach: Wenn du das geschafft hast, kannst du alles schaffen. Ich bekam auch ganz viele Mails von Leuten, die sagten, sie würden sich nun dank mir auch endlich trauen, ihren Traum zu verwirklichen. Und so wurde diese Bergtour das Happy End einer anfänglich eher peinlichen Angelegenheit.

Sind Sie ein mutiger Mensch?

Fäh: Nein, ich bin eher ein Schisshase und gehe nicht gerne Risiken ein. Dafür ist das Leben zu schön. In diesem Fall hatte ich einfach Vertrauen in die Bergführer. Heute gehe ich noch ab und zu wandern, aber immer schön sachte, so, dass es auch ohne Bergführer geht.

Man sagt ja, dass fast jede Frau etwas an ihrem Aussehen zu bemängeln hat und beim Kleiderkaufen kleinere oder grössere Krisen durchlebt. Wie ist das denn so, wenn man den gängigen Schönheitsidealen von Kopf bis Fuss entspricht?

Fäh: Ich würde sagen, genau gleich wie bei den anderen. Auch ich habe diese Tage, wo ich scheinbar gar nichts zum Anziehen im Schrank habe und wo ich finde, dass diese Hose mir nun absolut nicht steht. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass ich die schönste Frau im Land bin, nur weil ich die Miss-Wahl gewonnen habe. Ich glaube, dass wenn man zufrieden ist und auch etwas dafür tut, zufrieden sein zu können, dann strahlt man das auch aus.

Von wegen Kleider: Würden Sie gerne täglich im Dirndl rausgehen?

Fäh: Ich habe mich lange dagegen gewehrt, eines zu tragen, denn damit wird man allzu schnell in die volkstümliche Ecke gestellt, wo ich mich eigentlich nicht so gerne sehe. Ich komme lieber jung, frisch und modern daher. Aber als ich letzten Herbst an einem Oktoberfest auftrat, kaufte ich mir doch eines, weil es halt zum Anlass passte, und hatte total den Plausch.

Sie haben mal gesagt, Sie seien eine Party-Nudel. Woran zeigt sich das?

Fäh: Das zeigt sich daran, dass ich ab und zu mal gerne bis spät nachts tanzen gehe und durchaus auch mal auf die Tische stehen und mitsingen kann – übrigens auch, wenn ich kein einziges Bier getrunken habe.

Seit letzten November sind Sie offizielle Botschafterin für das SOS-Kinderdorf in Kapstadt. Zu diesem Anlass sind Sie nach Südafrika gereist. Erzählen Sie uns davon?

Fäh: Ich war auch schon vor vier Jahren einmal dort und bezahle seither regelmässig eine Patenschaft für das Dorf. Für all das, was ich im Leben geschenkt bekommen habe, möchte ich etwas weitergeben. Diese Besuche waren sehr eindrücklich. Ich habe jeweils einen ganzen Tag mit der Familie verbracht, ging mit den Kleinen in den Kindergarten, half anderen bei den Hausaufgaben und flocht ihnen Zöpfchen ins Haar. Ein Mädchen, das die ganze Zeit als völlig introvertiert aufgefallen war und offenbar ein sehr schlimmes Schicksal zu verarbeiten hatte, drückte mir am Schluss plötzlich einen Brief in die Hand, in dem Stand: «Du warst so lieb zu uns. I love you, Fatima». Da kamen mir tatsächlich die Tränen. Diese Menschen haben so viel verloren und sind trotzdem dankbar für alles, was man ihnen gibt.

Fiel der Abschied nicht schwer?

Fäh: Es war nicht leicht, wieder abzureisen. Und man spielt schon mit dem Gedanken, eines von den Kindern mit nach Hause zu nehmen, denn sie fragten mich auch ständig, ob sie mich mal besuchen dürfen. Aber wenigstens weiss ich, dass es den Kindern dort gut geht, abgesehen davon, dass sie ihre Eltern nicht mehr haben. Sie leben gut behütet in einer «Familie» von acht Kindern, eine «Mutter» kocht für Sie, sie haben Kleider und Spielsachen, und sie können in die normale Schule gehen.

Haben Sie privat auch eine grosse Kinderschar geplant?

Fäh: Nein, keine grosse. Aber sicher möchte ich irgendwann ein oder zwei Kinder haben. Aber ich habe ja noch Zeit, bevor ich so richtig sesshaft werde. Zuerst versuche ich jetzt noch meine beruflichen Träume zu erfüllen.