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Roland Bugnon in der Kornschütte: nicht das Sichtbare wiedergeben, sondern sichtbar machen

In der Kornschütte Luzern sind bis Ende Januar rund dreissig Arbeiten von Roland Bugnon zu sehen. Sein Œuvre verrät genau so wenig, wie es muss, und überlässt den Besuchern genau so viel, wie es soll.
Giulia Bernardi
Roland Bugnon, Ohne Titel (Diptychon), 1994–2000, je 65 x 49 cm. (Bild: PD)

Roland Bugnon, Ohne Titel (Diptychon), 1994–2000, je 65 x 49 cm. (Bild: PD)

Ich sehe Gesichter. Das Gesicht eines Mannes mit grosser Nase, dessen Augen eindringlich einen Punkt zu fokussieren scheinen, der für die meinen jedoch unsichtbar bleibt. Ich sehe die Gesichter sich küssender Menschen, deren Körper sich auflösen und in abstrakte Formen übergehen. Der nackte Oberkörper einer Frau. Davor ein Schwan, der sich auf ihrer Brust absetzt. Er breitet seine Flügel aus und lenkt meinen Blick auf die schädelartige Form, die diese fantastische Bildwelt umschliesst.

Mit dünnen Linien und feinen Details macht Roland Bugnon (*1939 in Fribourg) die Gedankenwelt seines Protagonisten sichtbar, die sich im Inneren des schädelförmigen Umrisses entfaltet. Meist fertigt Bugnon seine Zeichnungen mit Bleistift und Kohle an, hält sie in Schwarz-Weiss, erzeugt mit subtilen Schraffierungen Licht und Schatten. Diese Technik eignete er sich bereits in den 1950er-Jahren an, als er seine Ausbildung als Fotoretoucher an der Kunstgewerbeschule Bern absolvierte. Mit scharfem Augenmerk und handwerklichem Können reproduzierte er die feinen Details von Schwarz-Weiss-Fotografien, betrachtete neugierig seine Umgebung, um diese schliesslich in fantastische Malereien zu verwandeln.

Heute konzentriert Bugnon sich auf das Innere

Während seinen Aufenthalten auf Ibiza schlüpfte er in die Rolle des Archäologen, wie Bugnon sich selbst damals beschrieb, beobachtete minutiös die Landschaft, fand darin Objekte, woraus dann surrealistische Still­leben entstanden. Seine Arbeiten aus den 1970er- und den frühen 1980er-Jahren halten die damalige Realität für die Welt von morgen fest, enthalten aber auch ­gesellschaftskritische Anmerkungen im Umgang mit unserer Umwelt.

Früher beobachtete Roland Bugnon mehr das Aussen, wusste, was er zeigen wollte. Heute konzentriert er sich auf das Innere, lässt sich dabei von seinen ­Gefühlen leiten. Was er zeichnet, sieht er erst, wenn sich die schwarzen Linien auf dem Papier manifestiert haben.

Assoziative Bildwelten

Seine Arbeiten, die damals noch «Arbre heroique» oder «Domaine de l’oiseau» hiessen, bleiben heute jeweils ohne Titel, stellen nicht etwa einen eindeutigen Inhalt dar, sondern assoziative Bildwelten, die es für die Betrachterinnen und Betrachter zu entdecken gilt.

Im Rahmen der Ausstellung «Zeichnungen» in der Kornschütte Luzern sind Arbeiten zu sehen, die nicht das Sichtbare wiedergeben, sondern sichtbar machen. «Ich glaube, ich bin auch etwas älter geworden, habe nicht mehr das Bedürfnis, alles zu benennen», antwortet Roland Bugnon, als ich ihn nach den Inhalten seiner Bilder frage.

Und er gibt die Frage gleich zurück: «Was siehst du denn ­darin?»

Kornschütte, Kornmarkt 3, Luzern. Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr, Sa und So 10 bis 16 Uhr. Noch bis 27. Januar. Vernissage, 10. Januar um 18 Uhr. Matinee: 19. Januar um 11 Uhr.

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