Zuger Spital wird zur Galerie: Federica Gärtner packt die Zeit in ihre Kunst

Federica Gärtner zeigt im Zuger Kantonsspital Zeichnungen und Fotografien von grafisch bis verspielt. Im Fokus: das Ungefähre.

Susanne Holz
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Ästhetik im Spital. Künstlerin Federica Gärtner in ihrer Ausstellung im Zuger Kantonsspital. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 11. Juli 2019)

Ästhetik im Spital. Künstlerin Federica Gärtner in ihrer Ausstellung im Zuger Kantonsspital. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 11. Juli 2019)

Die Vergangenheit geht nicht verloren. Natürlich nicht, wir tragen sie in uns, und sie hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinspielt, diese Frage treibt auch die in Luzern geborene und unlängst 70 Jahre alt gewordene Künstlerin Federica Gärtner um. Der Titel ihrer aktuellen Ausstellung im Zuger Kantonsspital «Was war ist» stellt klar: Das Vergangene ist Teil des Jetzt. Federica Gärtner sagt:

«Mich interessieren Zeit, Erinnern und das Sich-Ablagern-der-Dinge im Gedächtnis.»

Und natürlich nehmen die Dinge, erinnert man sie, im Hier und Jetzt jeweils wieder eine etwas andere Form an – wie die Baumwurzeln, die Gärtner in einem Naturschutzgebiet in Maine fotografierte und dann in der Schweiz anhand dieser Fotos zeichnete. So dass man sagen könnte: Die Gegenwart ihrerseits formt auch ein Stück weit die Vergangenheit. Derlei philosophische Gedanken in Gang zu setzen, ist sicher mit ein Ziel des Zuger Kantonsspitals, für das die Förderung von Kunst und Kunstschaffenden seit dem Neubau 2008 Tradition hat. So ist die aktuelle Ausstellung von Federica Gärtner der Startpunkt einer Ausstellungsreihe mit Zentralschweizer Künstlerinnen und Künstlern.

Ein Dutzend kunstsinnige Frauen und ein Mann

Zur Führung durch die acht Werkgruppen von «Was war ist» – vier zeichnerische und vier fotografische, entstanden 2016 bis 2018 – finden sich am Donnerstag ein Dutzend kunstinteressierte Frauen sowie ein Mann ein. Fragen an die Künstlerin und an die Zürcher Kuratorin Susann Wintsch gibt es viele. Ins Auge fällt sofort die Grosszügigkeit des Raums, seine Klarheit und Offenheit: «Beinah museale Räumlichkeiten», findet Susann Wintsch. «Diese ermöglichen, alle Serien im inhaltlichen Zusammenhang zu zeigen.»

Ein Gestell, stets anders in Szene gesetzt

Da wären die schon vorher erwähnten Wurzeln: Sie sind Gegenstand der Serien «Rhetorik der Erinnerung I-III». Präzise und intensiv gezeichnet, mit schwarzem und blauem Stift. Einst Teil umgestürzter Bäume sind sie nun Teil von Bildern, bewusst aus dem Kontext der Natur gerissen. Gärtner sagt:

«Durch das Weglassen der Umgebung öffnet sich das Bild.»

Ist die Künstlerin erschöpft vom intensiven Zeichnen, widmet sie sich einer zweiten Leidenschaft: Sie baut Modelle, fotografiert sie und lässt so Kunstwerke entstehen. Ihre Serie «Areal» zeigt auf tiefschwarzem Hintergrund nicht näher definierte Bauten in diversen Anordnungen. «Areale wie Fabrikgelände, die man nicht einordnen kann, faszinieren mich», sagt die Künstlerin. Nicht einzuordnen, dafür aber sehr poetisch, ist auch ein Gestell, Protagonist einer in Blau gehaltenen Serie namens «Station»: Immer fragil, wird es auf jeder Fotografie anders in Szene gesetzt. Einmal hängt eine Plane daran, einmal ist es in Karton gekleidet. Philosophischen Gesprächsstoff mag es immer liefern.

Hinweis: «Was war ist» von Federica Gärtner. Start einer Ausstellungsreihe mit Zentralschweizer Künstlern, die im Zuger Kantonsspital raumgreifende Präsentationen zeigen. Federica Gärtners acht Werkgruppen werden noch bis zum 29. September präsentiert (Zuger Kantonsspital, Baar, 1. Obergeschoss).