Am 11. September startet die Zuger Galvanik in die Jubiläumssaison. Mit der Ostschweizer «Ersatzband» Panda Lux

25 Jahre Galvanik: Statt KT Gorique eröffnen nun kurzfristig Panda Lux die Jubiläumssaison. Lückenbüsser sind sie trotzdem keine. Doch was ist passiert?

Regina Grüter
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Die vier Jungs von Panda Lux sind auch in Deutschland erfolgreich.

Die vier Jungs von Panda Lux sind auch in Deutschland erfolgreich.

Bild: Anja Furrer/PD

Da wollte man sich am Montagmorgen, noch bevor man ins Büro ging, ein Ticket kaufen: KT Gorique am 11. September in der Galvanik. Man freute sich für das Zuger Kulturzentrum, dass sie für ihren Jubiläums-Kick-off einen solch heissen Act buchen konnten. Seit die Walliser Rapperin mit ivorischen Wurzeln letztes Jahr einen Schweizer Musikpreis gewonnen hat, ist sie in aller Munde. Und wer sie schon einmal live erlebt hat, weiss auch, wieso.

Doch daraus wird nun eben doch nichts. Auf der Website der Galvanik stand da am Montag auf einmal ein anderer Name, der einer St. Galler Indie-Band. Auch auf Starticket: Panda Lux. Was ist passiert? Der GAU für jeden Veranstalter: Am letzten Donnerstag, gut eine Woche vor dem Auftritt, hat das Management von KT Gorique abgesagt. Aus «persönlichen Gründen», wie von der Geschäftsleiterin der Galvanik, Eila Bredehöft, zu erfahren ist. «Weiter dürfen wir keine Auskunft geben, das ist vertraulich.» Mehr ist auch nicht aus ihr herauszulocken. Ausser, dass kurzfristige Absagen im Moment ein bisschen zum Veranstaltungsbusiness dazugehören würden. «Leider, leider. Wir mussten in den sauren Apfel beissen.»

Deal mit Panda Lux kam ­ an einem Tag zu Stande

Nichts gegen Panda Lux. «Panda Lux machen cleveren Pop mit cleveren Texten, schön verschachtelt und schön raffiniert», hat unsere Zeitung die Ostschweizer gewürdigt. Der Swiss Music Award 2018 in der Kategorie «Best Talent» ging dann zwar an Crimer, aber die Nomination für ihr Début «Versailles», auf das die EP «Zoo» folgte, bedeutete einen ordentlichen Schub für die Band.

«Den Deal haben wir in einem Tag klarmachen können», sagt Bredehöft, «mit viel, viel Glück.» Für Panda Lux ist das exklusive Konzert in der Galvanik der erste Auftritt der Saison – noch vor der Taufe ihres zweiten Albums «Fun Fun Fun» Anfang Oktober in St. Gallen. In letzter Minute konnten die Zuger eine Band verpflichten, die jenseits der deutschen Sprachgrenze genauso erfolgreich ist wie KT Gorique über die französische hinaus – auch wenn sie eine andere Zielgruppe ansprechen.

Galvanik setzt vermehrt auf lokale und nationale Bands

Mit dem Management von KT Gorique würden sie in Kontakt bleiben, meint Bredehöft. Jetzt aber steht das Jubiläumsprogramm im Zentrum, mit Konzerten von Zentralschweizer Bands aus den letzten 25 Jahren («5x5»), einer PR-Kampagne mit Plakaten und einem neuen Social-Media-Auftritt sowie Kooperationen mit anderen Institutionen wie etwa der Zwischennutzung «Freiruum» oder dem Open Air Waldstock. An Silvester gibt’s einen Maskenball – genau zum Jahreswechsel 1995/96 hatte die Galvanik ihren Betrieb aufgenommen. Der sei aber schon vor Corona geplant gewesen, lacht die Geschäftsleiterin.

Der Höhenflug des subventionierten Kulturzentrums wurde durch das Virus jäh gestoppt: Die Zahlen der Veranstaltungen, vor allem aber die der Besucher haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Jetzt wollen sie wieder loslegen. Nicht mit Sektoren wie im Konzerthaus Schüür in Luzern – die sind im Kanton Zug nicht erlaubt –, sondern mit Veranstaltungen bis zu 100 Leuten und Contact-Tracing nach dem Schutzkonzept, das der Bund zusammen mit dem Dachverband der Konzertveranstalter erarbeitet hat. Die Galvanik will dafür vermehrt auf lokale und nationale Bands setzen. Es sollen Veranstaltungen sein, die sich für die Besucher «einigermassen normal» anfühlen. So normal, wie’s halt eben geht.

Managements überlegen ­ es sich zweimal

Das erste öffentliche Konzert von KT Gorique findet übrigens am Freitag in einer Woche, am 18. September, im Humbug Club in Basel statt, wie ihrer Facebook-Seite zu entnehmen ist. Aber auch in der Zentralschweiz muss man nicht mehr lange auf sie warten: Am Samstag, 24. Oktober, soll sie im Rahmen des Spoken-Word-Festivals «woerdz» im Südpol in Luzern auftreten.

Absagen gibt es immer wieder, davon weiss jeder Konzertveranstalter zu berichten. Viele Künstlermanagements überlegen es sich momentan aber zweimal, ob sie sich der Gefahr eines potenziellen Superspreader-Events aussetzen sollen und wollen. Live aufzutreten, ist nicht nur eine Frage des Könnens und des Wollens. Für nicht wenige Schweizer Musiker ist es auch eine existenzielle. Die Situation mit Covid-19 ist und bleibt für Künstler und Veranstalter besonders volatil.

Galvanik, Zug: Freitag, 11. September 2020, ab 19.30 Uhr Auftakt zum 25-jährigen Jubiläum mit Panda Lux.