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Sie tanzen sieben Tage lang durch

Ein grosses Tanzfest in Frankreich vereint einmal im Jahr 2000 Menschen aus ganz Europa. Ein Film geht diesem kollektiven Tanzfieber auf den Grund.
Regina Grüter

Männer tanzen mit Frauen, Frauen mit Frauen und auch Männer mit Männern. Sie tanzen zu Hundert, zu viert, meistens zu zweit, selten allein. Es ist wieder Grand Bal! Und hat einen einmal das Tanzfieber gepackt, lässt es einen nicht wieder los.

Tanzen, was die Holzböden hergeben

Die Dokumentarfilmerin Laetitia Carton blickt in «Le Grand Bal» von innen auf das grosse Tanzfest in Gennetines, das jährlich 2000 Leute aus ganz Europa in die kleine Gemeinde mitten in Frankreich zieht.

Seit 30 Jahren wird am Grand Bal de l’Europe getanzt, was die gezimmerten Holzböden aushalten. Das alternative Open-Air-Festival für Volks- und Traditionstanz dauert eine Woche, schlafen kann man auf dem Zeltplatz, wenn man denn schlafen will.

Die Filmerin ist selbst eine Süchtige. eim Tanzen ­ das Leben spüren

Den Grand Bal besucht die Regisseurin und Drehbuchautorin seit fünfzehn Jahren, als sie mit zwei Drehteams – eins für den Tag und eins für die Nacht – nach Gennetines aufbricht. Es ist nicht die Neugierde, die sie antreibt; sie will die Schönheit des Tanzfestes auf die Leinwand bannen. «Der Tanz zu zweit, zu viert oder zu Hundert lässt eine innere Inkarnation, eine reine Freude entstehen», ertönt ihre Stimme als Voice-over. Das Unterfangen gelingt, wenn auch, formal keine Offenbarung, das Material einer Straffung hätte unterzogen werden können, ohne dass die Aussage darunter gelitten hätte.

Man kann einer fremden Person wohl tatsächlich nie so nahe kommen wie beim Tanzen.

Er verspüre ein Begehren, formuliert es ein Mann vor der Kamera. Kein sexuelles Begehren, sondern eine Lust am Tanzen, Lebensfreude letztendlich. Solche intimen Momente haben die vier Kameraleute – darunter auch die Regisseurin – zuhauf eingefangen. Und man verspürt auch allein im dunklen Kinosaal das Bedürfnis, sich zu den Mazurka-Klängen und Polkarhythmen zu bewegen.

Musik ist es, was uns alle vereint. Sie mit jemandem zusammen, Körper an Körper, zu fühlen, gehört in eine andere Dimension. Aber auch negative Gefühle lässt Laetitia Carton nicht aussen vor, etwa wenn man nicht zum Tanzen aufgefordert wird oder vom Tanzpartner schnell wieder stehen gelassen wird, weil es nicht harmoniert.

Carton betreibt mit «Le Grand Bal» aber auch Gesellschaftskritik und preist diesen «magischen Ort», wo Alter und Herkunft keine Rolle spielen; wo die Menschen zusammenkommen, um das Leben zu feiern. Schön, wenn man davon etwas in den Alltag mitnehmen kann. Denn auch der Wunsch nach Nähe – körperlich und seelisch – ist etwas, was uns alle vereint. Ab sofort im Kino.

In der Schweiz gibt es ebenfalls zahlreiche ähnliche Tanzveranstaltungen, einen direkten «Ableger» des Grand Bal findet man in Röthenbach im Emmental: www.vertanzt.ch

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