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«Les chatouilles» im Stattkino:
Sie tanzt, um zu überleben

Erst das One-Woman-Stück, nun der Ensemblefilm: In «Les chatouilles» drückt Andréa Bescond ­ die ungeordneten Kindheitserinnerungen an eine traumatische Erfahrung künstlerisch aus.
Regina Grüter

«Ich rede nicht viel, ich tanze», sagt Odette im Spielfilm «Les chatouilles» (Kitzeln). Der Tanz ist ihre Art, sich auszudrücken, ihr Mittel, um zu überleben. Der Film basiert auf dem autobiografischen Theaterstück «Les chatouilles (Ou la danse de la colère)» der französischen Tänzerin, Schauspielerin und Theatermacherin Andréa Bescond. Und nun auch Filmemacherin. Zusammen mit ihrem Ehemann Eric Métayer hat sie das seit 2014 vierhundert Mal aufgeführte Stück über sexuellen Missbrauch im Kindesalter für die Leinwand adaptiert. Und weitet den Blick auf Odettes Umfeld – mit der grossartigen Karin Viard als Mutter.

Wechsel auf der Zeitebene

Die heute 39-jährige Andréa Bescond spielt im Film die jugendliche und erwachsene Odette. Das Publikum nimmt die Perspektive der Psychotherapeutin ein, der Odette sprunghaft aus ihrem Leben erzählt. Die filmische Dramaturgie folgt diesen Erinnerungsfetzen, Wechsel auf der Zeitebene werden durch Worte, Blicke und Objekte initiiert – das war bereits im Stück so angelegt, ist am Anfang aufregend, nutzt sich aber mit der Zeit ein bisschen ab. So wird die Tür in der Praxis der Therapeutin zur an Odettes Kinderzimmer angrenzenden rosaroten Badezimmertür, wohin sich Gilbert, ein Freund der Familie, mit dem Mädchen zum Spielen zurückziehen will.

Wir brauchen ständig ­Adrenalin

«Dieses Trauma betäubt uns derart, dass wir ständig Adrenalin brauchen», sagt Bescond. Der Film erzählt von Abhängigkeiten und Exzessen. Die intensiven und kraftvollen Tanzszenen von Wut. Tanzen, um zu überleben. Aber um wirklich wieder anzufangen zu leben, braucht es mehr. Mit «Les chatouilles» macht Andréa Bescond Opfern Hoffnung und bringt das Thema sexueller Missbrauch im familiären Umfeld in die öffentliche Diskussion. Anders als «Leaving Neverland» bietet sie einen persönlichen und künstlerischen Zugang.

«Les chatouilles» läuft ab 17. April 2019 im Stattkino, Luzern.

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