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Signale aus dem Hochmoor

Ende August lädt Patrick Kessler erneut mehr als 20 regionale und internationale Kunstschaffende für Klanginstallationen ins Hochmoor bei Gais ein. Das Audio-Festival «Klang Moor Schopfe» bringt Kunst mit Wissenschaft und Natur zusammen.
Philipp Bürkler
Patrick Kessler im Gaiser Hochmoor, wo Ende August das Festival Klang Moor Schopfe stattfindet. (Bild: Urs Bucher (Gais, 28. Mai 2019))

Patrick Kessler im Gaiser Hochmoor, wo Ende August das Festival Klang Moor Schopfe stattfindet. (Bild: Urs Bucher (Gais, 28. Mai 2019))

Einige Hundert Meter ausserhalb Gais – Richtung Stoss – liegt das Hochmoor. Eine naturbelassene, sumpfig-hüglige Landschaft mit grüner Wiese. Wie hingewürfelt liegen darauf mehr als ein Dutzend kleine Holzschuppen. Sogenannte Schöpfe.

Im Herbst 2017 lud der Gaiser Musiker, Kurator und Klangkünstler Patrick Kessler, der mit seiner Frau in der Nähe des Moors lebt und arbeitet, erstmals rund zehn regionale und internationale Kunstschaffende ins Hochmoor ein, die Schöpfe akustisch zu bespielen. Jede Künstlerin, jeder Künstler stimmte die eigene Arbeit auf die Architektur, die Gegebenheiten und die Umgebung des jeweiligen Schopfs ab. Allabendliche Konzerte und Podiumsdiskussionen im anliegenden Schützenhaus sowie Naturführungen ins Moor mit Wissenschaftern, machten «Klang Moor Schopfe» vor zwei Jahren zu einem schweizweit einzigartigen Festival.

Am 30. August wagt Kessler mit «Klang Moor Schopfe» eine Neuauflage. Wiederum dauert das Festival zehn Tage. Erneut verwandeln sich das Hochmoor und die Schöpfe in einen Kunstparcours, auf dem es Spannendes fürs Ohr zu entdecken gibt.

Wissenschaft und Kunst, aber am Ende ist es Kunst

Diesmal holt Kessler mehr als 20 Künstlerinnen und Kunstkollektive aus der ganzen Welt nach Gais, die mit interaktiven und mehrheitlich begehbaren Soundinstallationen den kleinen charmanten Holzhütten Leben einhauchen werden.

«Für die Künstler ist es sehr anspruchsvoll, diese Schöpfe zu bespielen», weiss Kessler. In der zweiten Festivalausgabe sei es deshalb spannend zu sehen, was die Künstler aus den Räumen der einzelnen Häuschen herausholen. «Das erste Festival vor zwei Jahren ist nun eine Referenz.»

Singen mit Insekten

Kessler hat auch dieses Jahr ein viel- und sorgfältig kuratiertes Programm mit renommierten und innovativen Namen aus dem Bereich Soundkunst zusammengestellt. Interessant an vielen Projekten ist der interdisziplinäre Ansatz, der Kunst mit Wissenschaft und Forschung verbindet. Da ist beispielsweise die bildende Künstlerin und Sängerin aus Genf, Julie Semoroz. Sie lässt die Besucher eintauchen in die Geräuschwelt von Insekten. Semoroz singt quasi ein «Duett» mit echten Insekten und macht diese Lebewesen so für uns Menschen hör- und erlebbar. Nicht weniger faszinierend ist das Projekt des in Berlin lebenden Künstlers Marco Barotti. Er bringt in seiner Installation die Krallen von Jakobsmuscheln aus Recycling-Plastik akustisch zum klappern.

Der dänische Künstler Jakob Kirkegaard hat kürzlich in Gais Personen auf der Strasse interviewet. Die Gespräche sind dann Teil seiner Installation am Festival. Mit dabei ist auch die kalifornische Soundkünstlerin und Medienkunstprofessorin Victoria Vesna und ihr Kollektiv «Noise Aquarium». Sie lassen die Besucher in die Geräuschebene von Meeres-Plankton eintauchen. Mittels künstlicher Aufbereitung werden Geräusche von Plankton für uns Menschen erfahrbar.

Wasser ist bei mehreren Künstlern Thema

Viele Künstlerinnen und Künstler sind entweder selber Wissenschafter oder arbeiten für ihre Projekte mit der Wissenschaft zusammen. Die Wissenschaft beeinflusst die Kunst und umgekehrt. Im Falle von Victroia Vesna resultierte aus der Zusammenarbeit mit dem österreichischen Professor Alfred Vendl sogar ein Erkenntnisgewinn: wenn auch ein trauriger: «Sie haben herausgefunden, dass Plankton in den Ozeanen ebenfalls Mikroplastik frisst und daran stirbt.»

Um Wasser und Eis im Kontext der Wissenschaft wird es auch in der Schopf-Installation des Kollektivs «Atacama x Amazon x Alps» gehen. Die Künstler Benjamin Muzzin aus Genf, Luisa Lemgruber aus Rio und Daniel Reyes León aus Chile reisen im Sommer während jeweils drei Wochen gemeinsam in den Urwald Brasiliens, die Wüste Chiles und die Walliser Alpen. «Dabei werden sie von Wissenschaftern begleitet, in Gais stellen sie ihre Arbeit dann erstmals vor», so Kessler.

Trockenheit und Wassermangel

Die Klimaveränderung bringt auch dem Gaiser Hochmoor zunehmend Trockenheit und Wassermangel. «Letztes Jahr war auch für die Kühe in Gais das Wasser knapp», erinnert sich Kessler. Er widmet dem Wasser deshalb einen ganzen Abend. Mit «Klang Moor Schopfe» bringt Kessler nicht nur künstlerisch ambitionierte Projekte nach Gais, sondern thematisiert auch das fragile Ökosystem, in dem das Festival eingebunden ist.

Konzerte mit ausstellenden Künstlern sowie anderen Bands und ein Clubprogramm mit DJs und Videokünstlern im Schützenhaus, versprechen auch abends ein spannendes und innovatives Erlebnis.

Hinweis

Festival «Klang Moor Schopfe», 30.8.-8.9. im Hochmoor bei Gais, klangmoorschopfe.ch

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