Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ostschweizer in Hollywood: Simon Otto bringt seine Fantasie-Drachen ins Kino

Der Ostschweizer Simon Otto ist einer der erfolgreichsten Schweizer in Hollywood. Nicht vor, aber hinter der Kamera als Animationsfilmer bei Dream Works. Nun wagt der «Dragon»-Erfinder den Schritt in Richtung Regie.
Lory Roebuck
Zähmt seinen selbsterfunden Drachen: Animationsfilmer Simon Otto im Sommer 2014 in Zürich. (Bild: Nicole Imhof)

Zähmt seinen selbsterfunden Drachen: Animationsfilmer Simon Otto im Sommer 2014 in Zürich. (Bild: Nicole Imhof)

Wäre Simon Otto Schauspieler, würde ihn das ganze Land kennen. Kein anderer Schweizer arbeitet in Hollywood derzeit so erfolgreich wie der 45-jährige Animator aus Gommiswald SG. Seine «How to Train Your Dragon»-Filmreihe (deutscher Titel: «Drachenzähmen leicht gemacht») spielte an den weltweiten Kinokassen über eine Milliarde Dollar ein, wurde für den Oscar nominiert und lockte alleine in der Schweiz fast eine halbe Million Zuschauer vor die Leinwand.

Nun läuft mit «How to Train Your Dragon: The Hidden World» bereits der dritte Teil an (siehe Filmkritik unten). Doch danach ist Schluss. «Nach 21 Jahren bei Dream Works Animation ist es Zeit, meinen Kopf zu lüften und meine Optionen zu prüfen», sagt Otto. 1997 heuerte er beim von Steven Spielberg mitbegründeten Hollywoodstudio an, um den Animationsfilm «The Prince of Egypt» zu realisieren. In der Folge arbeitete er sich innerhalb von Dream Works bis ganz nach oben. Ab 2010 amtete er bei den «How to Train Your Dragon»-Filmen als Head of Character Animation. Sprich: Er war der Chef der Abteilung, die alle Drachen und Wikinger im Film entwarf, vom Aussehen bis zur Persön­lichkeit.

Drei bis vier Jahre mit einem Film beschäftigt

Nun hat Otto ein neues Ziel vor Augen: «Ich mache den Sprung zur Regie.» Der Ostschweizer hat sein Büro bei Dream Works geräumt. Es sei zwar denkbar, dass er bald wieder mit seinem bisherigen Arbeitgeber zusammenarbeiten werde. Doch die einzige Regiearbeit, die ihm Dream Works bislang angeboten hat, sei noch nicht «das Richtige» gewesen, erzählt Otto.

Er würde gerne bei einem Film oder einer Fernsehserie Regie führen. Entsprechende Verhandlungen laufen derzeit auch mit anderen Filmstudios. Doch unterschrieben sei noch nichts. «Ich möchte mir mit der Entscheidung Zeit lassen. Als Regisseur musst du dich drei bis vier Jahre lang komplett einem Filmprojekt hingeben können.»

In London, Paris und New York gäbe es ebenfalls gute Animationsfilmstudios, doch Otto geht davon aus, dass er mit seiner Familie in Hollywood bleibt. «Das Zentrum der Animation, der Puls der Szene, ist dort. Und weil auch Netflix und andere Streamingdienste ins Geschäft einsteigen, entsteht dort gerade ein ganz neuer Boom um Animationsfilme.» Otto führte bereits bei einer Episode der Netflix-­Animationsserie «Trollhunters» (2016) Regie: «Als Regisseur zeichnest du zwar weniger, dafür kannst du dich voll und ganz dar­auf konzentrieren, wie du die Geschichte am besten und am spannendsten erzählst.» Er freue sich darauf, Filme in Zukunft noch stärker mit seiner eigenen Handschrift zu prägen.

Richtig ans Herz gewachsen

So wie Dean DeBlois. Der 48-jährige Kanadier führte bei allen drei Drachen-Filmen Regie und schrieb auch jeweils das Drehbuch. Das sei bei amerikanischen Animationsfilmen nur selten der Fall, sagt Otto. «Wir machen Autorenkino in Hollywood. Dean hat die Trilogie von A bis Z geprägt. Und genau das ist auch mein Ziel.»

Mit «How to Train Your Dragon: The Hidden World» möchten Otto und DeBlois ihre Drachen-Trilogie würdig abschliessen. Die Filmfiguren seien schliesslich nicht nur dem Kinopublikum ans Herz gewachsen, sondern auch ihnen. Die letzte Filmszene mit dem Drachen ­Ohnezahn zu animieren, sei ein besonders emotionaler Moment gewesen. Nicht zuletzt weil Ohnezahn von Ottos eigenem Haustier inspiriert ist: «In Ohnezahn steckt die ganze Beziehung drin, die ich als Kind zu meiner Katze Bingo hatte.»

Dass Ohnezahn und der Wikinger-Anführer Hicks im neuen Film ihr Dorf verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen, ist kein Zufall. «Ich habe zwölf Jahre lang an diesen Filmen gearbeitet und blicke jetzt, ähnlich wie Hicks, mit gemischten Gefühlen in die Zukunft», sagt Otto. «Ich bin traurig, dass es mit Ohnezahn, Hicks und den anderen Figuren zu Ende geht. Aber ich bin auch froh, neue Figuren kreieren und etwas ganz Neues erkunden zu können.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.