SIMPSONS: 500 – Und immer noch voll in Fahrt

Heute Abend läuft die 500. Folge der gelben Kultfamilie aus Springfield. Seit über zwanzig Jahren erfreuen uns Homer und Co. – auch weil Kinder und Erwachsene gleichermassen darüber lachen können.

Michael Graber
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Homer Simpson und seine Frau Marge geben jetzt schon seit zwanzig Jahren Vollgas am Fernsehen – und sind dabei keinen Tag älter geworden. (Bild: Keystone)

Homer Simpson und seine Frau Marge geben jetzt schon seit zwanzig Jahren Vollgas am Fernsehen – und sind dabei keinen Tag älter geworden. (Bild: Keystone)

500 Folgen sind eine mittlere Fernseh-Ewigkeit. Ganz genau genommen dauert diese Fernseh-Ewigkeit, will man denn alle Folgen am Stück schauen, zwar gerade einmal knapp acht Tage, aber das ist deutlich über der Halbwertszeit von Serien. Vor allem für Zeichentrickserien, und so eine sind die Simp­sons.

Homer, Bart, Marge, Lisa und Maggie dürften die wohl bekannteste Familie der Welt sein. In über 90 Ländern laufen die Episoden aus Springfield – von der Schweiz bis Angola. Nicht zuletzt wegen eines genialen Marketings dürfte ihre Bekanntheit aber deutlich grösser sein und auch in Länder ausstrahlen, die «Simpsons-frei» sind.

Marge im «Playboy»

Im deutschsprachigen Raum dagegen laufen sie gleich auf mehreren Kanälen und zu so gut platzierten Zeiten, dass man praktisch den ganzen Vorabend nur mit der gelben Familie verbringen kann. Heute Abend (20.15, Pro 7) läuft eben die besagte 500. Folge endlich auch auf Deutsch. Und wie es sich gehört, hat darin auch ein Prominenter seinen Gastauftritt: Julian Assange, der Gründer und Kopf von Wikileaks, der in seiner Beliebtheit sicherlich schon höher im Kurs stand.

Assange ist nicht allein, vor ihm (und im amerikanischen Fernsehen auch bereits nach ihm) hatten schon diverse andere Promis ihren Auftritt: von Lady Gaga bis Tony Blair (der sich sogar selber gesprochen hat). Ein Auftritt bei den Simpsons gilt, auch wenn man darin oft veräppelt wird, als Ritterschlag und als Aufnahme in die Hall of Fame. Sogar der etwas kauzige Tom Waits hatte kürzlich seinen Auftritt in Springfield. Auch umgekehrt gibt es Überschneidungen: So erschien 2009 ein «Playboy» mit Marge Simpson auf dem Titelbild und einem Poster – Anlass war das 20-Jahr-Jubiläum der Serie, und der Auftritt war auch eher züchtig. Und die Simpsons haben auch ihren eigenen Stern am Walk of Fame.

Start als Lückenfüller

All die Beispiele zeigen: Die Simpsons sind mittlerweile weder aus dem Fernsehen noch aus dem Leben wegzudenken. Viele Folgen sind längst Kult und vor allem Homer als Figur eine etablierte Persönlichkeit. Dabei begann alles klein – als Lückenfüller in der «Tracey Ullman Show», einer Comedy-Sendung in den USA. 1989, zwei Jahre nach der Premiere, war es bereits eine eigene Sendung auf Fox, der hierzulande oft als plumpes Sprachrohr der Konservativen wahrgenommen wird, der aber auch eine Vielzahl von klugen und intelligenten Serien produziert und gefördert hat.

Matt Groening, der Erfinder der Simp­sons, verstand es, die richtige Balance aus Kinderkram und Witz für Erwachsene zu finden. Schon immer lag eines der Geheimnisse von Homer und Co. darin, dass sowohl Jung als auch Alt darüber lachen konnte. Während die Kinder sich an den Figuren erfreuten, konnten ältere Semester auch Hintergründe und subtilere Anspielungen verstehen. Und davon gibt es reichlich.

Figuren wie im echten Leben

Der zweite geniale Schachzug, der den Machern gelungen ist, sind die Figuren. Vom rüpelhaften Jugendlichen (Bart) über den Rowdy (Nelson) bis zum tyrannenhaften Boss (Mr. Burns) finden sich lauter Figuren, wie man sie auch im echten Leben trifft. Zwar überzeichnet, aber gerade diese Klischees machen die Serie so charmant.

Ein grosser Vorteil, den die Simpsons gegenüber anderen (Comedy-)Serien haben, ist aber ein ganz logischer: Die Figuren werden nicht älter. Es werden auch nicht plötzlich Darstellerinnen schwanger oder springen Schauspieler ab, sodass Drehbücher umgeschrieben werden müssen. Die Zeichentrickfamilie bleibt immer gleich – zumindest alterstechnisch. Entwicklungen gab es zuhauf, und auch einige Nebenfiguren haben das Zeitliche gesegnet. Etwa die Frau von Ned Flanders, Maude. Diese musste Gerüchten zufolge das Zeitliche segnen, weil ihre Sprecherin mehr Geld wollte. Auch die fiktiven Simpsons kennen ganz reale Probleme.

Auch wenn sie immer gleich alt sind, stammen sie deswegen nicht von gestern. Die Familie geht mit der Zeit und thematisiert allerlei Aktualitäten in der Serie – die bei uns allerdings immer etwas zeitverzögert aufscheinen, da die Synchronisierung immer eine Weile dauert. Die Wirtschaftskrise und andere Grossereignisse finden aber immer wieder Eingang in das Leben in Springfield. Meist bissig und oftmals sogar intelligent reflexiv. Und oftmals auch konträr zur konservativen Meinung von Fox, dem Sender, auf dem die Simpsons in den USA immer noch laufen. Auch dieser Konflikt wird immer wieder thematisiert.

Gerade auch deswegen, weil Fans immer wieder ihre «Running Gags» bekommen und trotzdem Neulinge nicht abgeschreckt werden, läuft die Erfolgsgeschichte bis heute. Zwar gab es vor kurzem mal Probleme, weil einige der Originalsprecher zu teuer waren und im Gegensatz zu Maude Flanders darunter auch Hauptfiguren sind, die man nicht einfach sterben lassen kann, doch nach wenigen Wochen war der Streit beigelegt. Der gelbe Wahnsinn geht weiter.

Auch andere Probleme und Kritik, etwa die aus islamischen Ländern, denen die Simpsons zu liberal sind, schafften es nicht, die Familie aus dem Fernsehen zu verbannen. Und die Quote stimmt immer noch: Gerade bei neuen Folgen werden zur Prime Time auf Pro 7 gute Werte gemessen. Zwar sind diese nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einigen Jahren, die Fanbasis beträgt aber allein im deutschsprachigen Raum immer noch Mil­lionen.

Angst, dass die Serie bald eingestellt wird, braucht man nicht zu haben: In den USA ist bereits eine weitere Staffel ausgestrahlt worden. Die Chancen stehen gut, dass die Simpsons auch die tausendste Folge noch feiern können. Dann wohl eher ohne Julian Assange, aber Homer ist dann immer noch 38.