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Mit dem «Nice Guy» geht das Bühnentier durch

Seine glanzvolle Karriere als Opernsänger und Liedinterpret hat Thomas Hampson noch lange nicht hinter sich. An der Schubertiade gibt er diese Woche sein Können weiter, regt Nachwuchssänger und Publikum zum musikalischen Denken an.
Bettina Kugler
Ausdruck heisst öffnen – nicht in den Keller steigen: Opernstar Thomas Hampson mit Isabel Pfefferkorn im Meisterkurs. (Bild: Schubertiade)

Ausdruck heisst öffnen – nicht in den Keller steigen: Opernstar Thomas Hampson mit Isabel Pfefferkorn im Meisterkurs. (Bild: Schubertiade)

Abends zuvor hatte man nicht die Spur von Zweifel daran, dass er spätestens im letzten Lied «der Welt abhanden gekommen» sei: Bariton Thomas Hampson, seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Opernsänger weltweit, ebenso unangefochten im Liedfach. Besonders Mahler liegt dem gebürtigen Amerikaner, der seine ersten grossen Erfolge in den 1980er-Jahren am Opernhaus Zürich feierte. Mahler-Lieder dürfen also nicht fehlen, wenn er an der Schubertiade singt – zumindest seine Fans sehen das so. Wer noch nicht dazugehört, weiss anschliessend weshalb.

Hampson lebt die spätromantische Mischung aus Schmerz und Entrücktheit in jedem Ton; anschliessend ist er wieder der kluge, gedankentiefe und gleichwohl unkompliziert lockere Nice Guy. Und genau so tritt er am Montag Morgen schon wieder frisch und munter auf die Bühne – um nach dem sonoren «Guten Morgen» gleich klarzustellen, dass er nicht vorhat, sich ans Publikum zu richten.

Ein Meisterkurs, meint Hampson, gehört den Schülerinnen und Schülern, nicht den Damen und Herren im Parkett.

Brav wie Hündchen und schön in Kolonne sind die acht hoffnungsvollen Mittzwanziger mit ihm eingezogen, jetzt sitzen sie in der ersten Saalreihe und spüren das Adrenalin. Selbst wenn sie schon etliche Meisterkurse mitgemacht haben, einige sogar bei Thomas Hampson.

Gesang ist Körperarbeit – Anfassen muss erlaubt sein.

Hündchen – das noch fürs Publikum – sollen sie gerade nicht sein: Golden Retriever, die nur spielen und fressen wollen, vor allem aber gestreichelt und geliebt von denen da unten. Hampsons Bild vom Sänger ist überaus ernst und gewissenhaft, auch wenn in den drei Stunden des ersten Kursmorgens ab und zu das Bühnentier mit ihm durchgeht. Man spürt dann, wie oft er Graf Almaviva war, Marcello in «La Bohème» oder Don Giovanni, der ihm charakterlich zutiefst verhasst ist. Der Sänger steht stellvertretend für den Komponisten auf der Bühne, er soll ohne Zeigefinger Worte in der Sprache der Musik erlebbar machen. Nicht auf Töne sprechen. Dann kommt verlässlich Hampsons Lieblingssatz:

«Das ist Schubert, nicht CNN!»

Im Lied, daran erinnert der Bariton seine Meisterschüler refrainartig, werden keine Nachrichten verlesen, sondern Seelenlandschaften vermessen. Schubert hat sinnlich gemalt, mit feinem Pinsel und Blick fürs Detail. Schumann leuchtet nach innen, verdichtet mit jedem Ton, mit Harmonie und Rhythmus Gefühlszustände und Beziehungen.

In diese Regionen sollen sie vordringen, etwa die Vorarlberger Mezzosopranistin Isabel Pfefferkorn und Hanna Bachmann am Flügel, mit Schumanns himmeltraurigem «Der schwere Abend». Oder der Holländer Raoul Steffani, Bariton wie Thomas Hampson, mit Griegs wehmütigem «Zur Rosenzeit». Wie es technisch geht, wo im Stimmapparat die Endsilben sitzen müssen, und dass der Körper sofort verrät, was falsch klingt und aufgesetzt: Um das zu vermitteln, rückt Hampson den jungen Sängern auch freundlich zu Leibe.

«Stimme ist Physis, wir können unmöglich arbeiten, wenn ich Euch nicht berühren darf.»

Es ist aber, so öffentlich sichtbar, in erster Linie ein Berührtsein und Berührenwollen durch die Musik. Weit fortgeschritten sind die Teilnehmer, alle haben hervorragendes «Material» und bringen viel an Können mit – und doch unterbricht Hampson ständig. Entweder sind sie ihm «too intelligent», dann machen sie zu viel willkürlich. Oder die Vorstellung im Kopf ist noch nicht stark genug. Dann nämlich erst wachsen der Stimme Flügel – und sie macht von allein das Richtige.

Hinweis: Noch heute und Do, 10–13 Uhr. Freitag, 11 Uhr: Abschlusskonzert der Teilnehmer im Angelika-Kauffmann-Saal, Schwarzenberg.

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