Molto Cantabile: Sinnlichkeit geht sogar ohne Worte

Der Luzerner Chor Molto Cantabile und das Basler Ensemble pourChoeur vereinen über 60 Sänger auf der Bühne. Doch die Masse wird nicht ausgereizt. Das Konzert fasziniert zwischen Meditation und Besinnlichkeit.

Roman Kühne
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Molto Cantabile Luzern und pourChoeur Basel singen in der Franziskanerkirche. (Bild: Nadia Schärli, 6. April 2019)

Molto Cantabile Luzern und pourChoeur Basel singen in der Franziskanerkirche. (Bild: Nadia Schärli, 6. April 2019)

Luzern ist eine führende Musikstadt. Nicht nur das Lucerne Festival, auch heimisches Schaffen erstrahlt hell. Über die Osterzeit sind es die diversen Spitzenchöre. Die nächsten zwei Wochen sind so etwas wie eine Leistungsshow von ein paar der besten Gesangsensembles der Region. Das Collegium Vocale am Wochenende, der Akademiechor Luzern heute Abend und das professionelle Ensemble Corund am Mittwoch vor Ostern verkünden ihre Sicht dieser gewichtigen Tage.

Den Auftakt machte am Samstag der Chor Molto Cantabile in der Franziskanerkirche. Die Luzerner Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Andreas Felber und Benjamin Rapp sind ja schon öfter durch spezielle Projekte aufgefallen, etwa mit der Musikperformance «überleben» in der Zivilschutzanlage Sonnenberg 2016 oder durch ihre Zusammenarbeit mit Stephan Eicher.

Die Säulen des Klangs

Für die aktuelle Konzertserie haben sie sich mit dem ebenfalls exzellenten und jungen pourChoeur von Marco Beltrani und Samuel Strub aus Basel zusammengetan.

In der Franziskanerkirche offerieren die beiden Gruppen ein spirituelles Programm, das die österlichen Tage vorbereitet. Dabei werden vielstimmige, wenig bekannte Werke aufgeführt. Der Abend ist, mit der Ausnahme einer Komposition von Tschaikowsky, ganz der besinnlichen Moderne gewidmet. Ein weiter Komponistenreigen, der sich über Polen, Slowenien, Ungarn und Schweden bis in die Schweiz erstreckt. Ein Sammelsurium vielstimmiger, wenig bekannter Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, sich an diesem Abend jedoch wie ein buntes Mosaik ineinanderfügen.

Ein Hörerlebnis, das in die Höhe strebt

Denn die Vielfalt an Sprachen und Länder verschmilzt in der Musikalität. Sie sind weniger dem Melodiösen zugeneigt, sondern werden über Akkorde und Klänge mit Leben gefüllt. Es sind türmende Schichtungen, oft fast stehende Farbsäulen. Töne, die sich wie Rauchschwaden verweben. So etwa der anspruchsvolle Organismus «Cherubinischer Lobgesang» des polnischen Komponistenvaters Krzysztof Penderecki. Eine Mischung aus Glockenfarben, die sich wie Irrlichter über die liegenden Töne heben. Ein Hörerlebnis, mehr vertikal, denn horizontal sich vorwärtsbewegend. Oder die Komposition des jungen Schweizers Beat Vögele (*1978), der über einen Karfreitagstext aus dem Muotatal (Maria Klag) eine moderne Hülle stülpt.

Ein Höhepunkt des Konzertes ist die Komposition «mouyayoum» von Anders Hillborg. Der «Text» in einer Fantasiesprache treibt wie Nebel durch das Kircheneck. Unbestimmt und milchig. Wirbeln gleich lösen sich Stimmen aus dieser Masse, lenken Ohr und Sinne in verschiedene Richtungen und Gefühle.

Die beiden Chöre singen die schwierigen Stücke grossartig. Die Masse wird nicht überreizt. Luftig und leicht schwillt der Gesang auf und nieder. Einzig die Artikulation dürfte manchmal klarer sein. Es war auch nicht ­Absicht, Wucht auf die Bühne zu bringen. «Diese Zusammenarbeit ermöglicht uns eine Vielstimmigkeit, die sonst nur schwer zu erreichen ist», sagt Andreas Felber. «Es ist immer ein Ziel, den Chor weiterzubringen. Gemeinsam mit pourChoeur können wir Stücke von Penderecki oder auch das 16-stimmige Werk von Hillborg auf hohem Niveau aufführen.»

Optisch getrennt – klanglich vereint

Den Kontakt gibt es schon lange, haben doch die beiden Leiter des Basler Chores unter dem Dirigat von Andreas Felber beim Schweizer Jugendchor mitgesungen. So sind die Gruppen auf der Bühne getrennt – die einen tragen Schwarz, die anderen Weiss. ­Musikalisch finden die Amateure auf höchstem Niveau zusammen. Mit der ideenvollen Zugabe «Fantaisie Pour Choeur À Bouche Fermée» von Jehan Alain, wo der Chor sich über die halbe Kirche verteilt, wird der volle und füllende Abend stimmig abgeschlossen.

Akademiechor und Junge Philharmonie Zentralschweiz, heute, 19.30 Uhr, Kirchensaal Maihof.

Ensemble Corund, Johannespassion, Mittwoch 17. April, 19.00 Uhr, Kirchensaal Maihof.