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SINS: Kunsthandwerk aus Syrien in hiesigem Atelier

Der syrische Flüchtling Milad Kourie ist gelernter Goldschmied. Er zeigt den Kollegen in Sins seine Techniken.
Die beiden Goldschmiede Monika Kühn und Jörg Rohner sind fasziniert von der Arbeitsweise ihres syrischen Kollegen Milad Kourie. (Bild: Cornelia Bisch)

Die beiden Goldschmiede Monika Kühn und Jörg Rohner sind fasziniert von der Arbeitsweise ihres syrischen Kollegen Milad Kourie. (Bild: Cornelia Bisch)

«Es ist erstaunlich, wie ruhig seine Hand ist, wie entspannt er arbeitet. Dabei braucht er weder eine Brille noch eine Lupe.» Der erfahrene Goldschmied Jörg Rohner schüttelt bewundernd den Kopf. «Kleinste Teile, Edelsteinchen, die unter einem Fingernagel verloren gehen könnten, greift er mit der blossen Hand», ergänzt seine Partnerin Monika Kühn. Die beiden sind fasziniert von der Arbeitsweise ihres 34-jährigen syrischen Kollegen. Milad Kourie schaut auf und lächelt. «Ich bin glücklich, dass ich hier arbeiten kann», sagt er und wendet sich wieder seiner Arbeit zu.

Parallele zu Trachtenschmuck

Er befestigt die Halterungen an goldenen Ohrringen. «Milad arbeitet mit einer reineren Goldlegierung als wir, die weicher ist und sich besser eignet für seine filigranen Werke», erklärt Monika Kühn. Wegen ihrer Zartheit seien diese eher für Ausgang oder Festlichkeiten gemacht als für den Alltag. «Milads Arbeitsweise wirkt irgendwie handgestrickt, ist nicht so präzise, hat etwas Verspieltes. Das Gesamtbild am Ende stimmt aber absolut. Das ist faszinierend.» Für seine Arbeiten mussten spezielle Werkzeuge angeschafft werden. «Wir fanden ähnliche Werkzeuge und Techniken in einem Atelier für Trachtenschmuck. Da besteht eine gewisse Parallele.»

Kultureller Austausch

Den Kontakt zwischen den beiden lokalen Goldschmieden und dem Syrer hat Alois Kaufmann hergestellt, in dessen Haus Familie Kourie wohnt. «Wir erleben Milad als sehr sympathischen, positiven Menschen mit einer raschen Auffassungsgabe», sagt Rohner. «Leider können wir es uns nicht leisten, ihn anzustellen. Wir sind aber sehr daran interessiert, den kulturellen Austausch zu pflegen und gegenseitig die verschiedenen Techniken kennen zu lernen.» Kouries Arbeiten werden künftig im Schaufenster des Geschäfts in Sins ausgestellt. «Wie wir das handhaben, wenn er etwas verkauft, müssen wir noch mit den Behörden und der Flüchtlingshilfe abklären», sagt Rohner. Es werde sich zeigen, ob der Schmuck hier gut verkäuflich sei oder nicht. «Wir müssen versuchen, eine Verbindung herzustellen, eine Symbiose zu finden zwischen seiner und unserer Kunst.» Eine Lebensgrundlage für den jungen Syrer und seine Familie in diesem Beruf aufzubauen sei schwierig, befürchtet er. «Milad arbeitet sehr zeitintensiv. Das verteuert den Schmuck enorm.»

Die Angst bleibt

Milad Kourie und seine Familie leben seit April dieses Jahres im Rahmen des Pilotprojekts der Flüchtlingshilfe Schweiz im Haus des Ehepaars Kaufmann in Sins. Sie haben sich bereits gut eingelebt und schätzen nach den engen Verhältnissen in der Asylunterkunft den Luxus der eigenen Wohnung. Ihre Sprachkenntnisse vertiefen sie täglich mit Kursen und im Selbststudium. «Die Menschen hier behandeln uns freundlich und haben viel Verständnis für uns», sagt er. Das habe er so nicht erwartet. «Wir schätzen vor allem die Sicherheit in der Schweiz. Hier muss man nie Angst haben. Das ist der grösste Unterschied zum Leben in Syrien.» Ein arg ramponiertes Smartphone ist sein ständiger Begleiter. Damit steht Milad Kourie in engem Kontakt zu seinen beiden Schwestern in Syrien und zu den übrigen Familienmitgliedern, die in ganz Europa verteilt sind. «Wir sind zehn Geschwister», erklärt er. Eine Grossfamilie mit starkem Zusammenhalt. «Wir spüren immer wieder, wie sehr er unter der Trennung von seinen Geschwistern leidet», sagt Monika Kühn. «Auch das Kriegsgeschehen erleben wir durch seine Erzählungen hautnah mit.» Ein Bruder in Wohlen und der Vater in Merenschwand helfen über die Trennungsschmerzen hinweg. Aber die Angst um die Zurückgebliebenen in der Heimat bleibt. «Trotzdem können wir immer wieder auch gemeinsam lachen.»

Cornelia Bisch

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