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Sir Simon Rattle am Lucerne Festival
in Hochform

Der Chefdirigent des London Symphony Orchestra bot ein Programm nach seinem und des Publikums Geschmack.
Fritz Schaub
Trieb sein Orchester immer wieder zügig voran: Sir Simon Rattle am Dienstagabend im KKL. (Bild: Priska Ketterer/LF)

Trieb sein Orchester immer wieder zügig voran: Sir Simon Rattle am Dienstagabend im KKL. (Bild: Priska Ketterer/LF)

In seinen beiden Auftritten beim Lucerne Festival führte Sir Simon Rattle weiter, was er schon in Birmingham und dann erst recht in den 16 Jahren bei den Berliner Philharmonikern in die Wege geleitet hatte. Das erste Konzert mit dem London Symphony Orchestra vergangenen Montag hatte den Förderer der Neuen Musik ins Blickfeld gerückt.

Der zweite, restlos ausverkaufte Auftritt am Dienstagabend zeigte ein typisches Simon-Rattle-Programm im traditionellen Bereich, den er bei seiner Arbeit in Berlin so sehr auffrischte. Damit blieb eigentlich nur die Frage, ob die Musik wieder jene Lebendigkeit annehmen würde, wie man sie von den Auftritten Rattles mit den Berliner Philharmonikern her kennt.

Erfrischende Haydn-Sinfonie

Schon die Haydn-Sinfonie, die der Haydn-Bekenner Rattle an den Anfang rückte, bejahte diese Frage mit aller Entschiedenheit. Die Orchesteraufstellung für die Sinfonie D-Dur Hob.I:86 deutete die Absichten des Engländers an: Rattle, der ohne Podium auf ebener Konzertbühne ohne Taktstock und ohne Partitur dirigierte, liess die Bläser stehend musizieren, womit er andeutete, wie wichtig bei Haydn das Verhältnis zwischen Streichern und Bläsern ist.

Frisch und leicht wirkte im Übrigen der Ansatz, mit dem Rattle die fünfte in der Reihe der sechs Pariser Sinfonien anging. Den prachtvollen Tutti-Einsätzen in den Ecksätzen setzte er elegante Streicherpassagen vom Feinsten gegenüber. Ganz als reich inspirierter Melodiker zeigte sich Haydn im als «Capriccio» bezeichneten Adagio. Wieder einmal ein Haydn, dem jede Zopfigkeit abging, präsentiert von einem quicklebendigen Rattle.

Schon in seiner Birminghamer Zeit gab Rattle eine interaktive CD-Rom (DVD gab es damals noch nicht) heraus, auf der er mit seinem damaligen Orchester «The Young Person’s Guide to the Orchestra» seines Landsmanns Benjamin Britten dirigierte und dabei persönlich die einzelnen Instrumente und Instrumentengruppen erklärte. Am Dienstag beschränkte er sich ganz auf die Wiedergabe des Werks, das ohne erzieherische Absicht im Konzertsaal umso prachtvoller bestehen kann. Dass dennoch so etwas wie die Vorstellung eines sinfonischen Bildungsprogramms aufkam, war der Tatsache zu verdanken, dass bis zur Pause in den hintersten Reihen des Parterre eine ganze Schar von Kindern sass und aufmerksam den Klängen lauschte.

Rattle, nun mit Taktstock auf dem Dirigentenpodium, liess das Purcell-Thema mit dem mächtig besetzten Orchester machtvoll aufrauschen, behandelte aber die folgenden 13 Variationen, in denen immer wieder kleine Gruppen in Kammermusikformation auftauchten, äusserst subtil. Und völlig beflügelt, spritzig und durchsichtig eilte die abschliessende Fuge vorüber, in der die vorher gehörten Stimmen sich wie in einem Puzzle zusammenfügten.

Ein grosser Melodienrausch

Hatte sich Riccardo Chailly im Eröffnungskonzert mit Nachdruck für den Sinfoniker Sergej Rachmaninow eingesetzt (mit der späten dritten Sinfonie), doppelte nun Rattle mit der zweiten Sinfonie nach. Dieses 1906/07 in Dresden entstandene Werk ist ganz auf der Höhe der Zeit, die noch immer von der Spätromantik beherrscht war. Die Sinfonie ist durchweg erfüllt von sich breit und elegisch ausbreitenden Melodieströmen, derer man auch in Luzern nicht müde wurde. Entscheidend dafür war, dass Rattle nicht in Schönheit erstarrte, sondern die Sinfonie immer wieder zügig vorantrieb, die Musik damit immer im Fluss hielt und so nie Langeweile aufkommen liess. Vor allem der langsame Satz erinnert mit den melodischen Qualitäten an den wundersamen langsamen Satz im zweiten Klavierkonzert.

Einer der Höhepunkte war die 22 Takte lange Klarinettenphrase, die ganz eingebettet in das melodiegeprägte Umfeld ist. Der Klarinettist blieb ungenannt, aber Rattle beeilte sich am Schluss nicht ohne Grund, ihm als Erstem zu gratulieren.

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