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Roman aus Brasilien: So wollen wir nicht enden

Endzeitfantasien, Pornografie und Social Media: Mit seinem Roman "So enden wir" liefert der Brasilianer Daniel Galera einen packenden Abgesang auf die Millenials.
Valerie Heintges
Alles ist digitalisiert, auch die Gefühle, die auf Plattformen überdauern, aber nichts zu bedeuten scheinen. Bild:Getty

Alles ist digitalisiert, auch die Gefühle, die auf Plattformen überdauern, aber nichts zu bedeuten scheinen. Bild:Getty

Andrei Dukelsky ist tot. Erschossen beim Joggen. Auf der Beerdigung kommen die drei Freunde Aurora, Antero und Emiliano zusammen: Vor 15 Jahren wurden sie mit dem Internet-Fanzine «Orangotango» als progressive, waghalsige Truppe bekannt. Doch die Goldgräberzeiten sind vorbei. Desillusioniert sind die drei in der Gegenwart angekommen.

Der Autor ist in Brasilien ein Star

Daniel Galera

Daniel Galera

Daniel Galera, Jahrgang 1979, ist Shootingstar der brasilia­nischen Literatur, seit er seinen Grosserfolg «Die Flut» vorstellte. Im zweiten Roman «So enden wir» bereitet er ein Vollbad von apokalyptischer Weltsicht, Lethargie und Depression. Dafür lässt er die drei Freunde wechselweise aus der Ich-Perspektive erzählen. Aurora landet mit Antero im Bett und später allein in einer Abtreibungsklinik. Gewissensbisse hat sie keine, aber Schmerzen, «meine abgesaugte Gebärmutter jaulte mich an wie ein Hund nach einer OP, mitten im Zimmer mit einem Schutzkragen um den Hals». Aurora wird von Lebensüberdruss niedergedrückt, gespeist auch aus politischer Lethargie. Denn nach den landesweiten Demonstrationen rund um die Fussball-Weltmeisterschaft 2014, gegen erhöhte Buspreise, Korruption und für bessere Bildung bleibt nur das Gefühl übrig, «dass sich nichts ändern würde, dass sich gar nichts ändern konnte». Antero verdient viel Geld mit Werbung und Kommunikation, ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Doch auch er ist desillusioniert, veranstaltet Masturbationsorgien vor dem Computer – was Galera sehr detailliert schildert –, betrügt seine Frau und kann nur zusehen, wie seine Ehe scheitert. Und Emiliano nimmt noch auf der Beerdigung den Auftrag an, eine Biografie über Andrei zu schreiben. Er beginnt Gespräche zu führen mit Andreis Freundin, den Eltern, aber über Andrei erfährt er nur wenig. Bis ihm Kollege Zufall auf die Sprünge hilft.

«Meine abgesaugte Gebärmutter jaulte mich an wie ein Hund nach einer OP, mitten im Zimmer mit einem Schutzkragen um den Hals»

Ein Roman mit digitalem Lebensgefühl

Daniel Galera hat einen durch und durch modernen Internet-Roman geschrieben. Ständig schaut jemand auf sein Handy, postet etwas auf Facebook. Alles ist digitalisiert, der Literaturbetrieb sowieso, aber auch die Gefühle, die auf Plattformen überdauern, aber nichts zu bedeuten scheinen. Galeras Protagonisten sind schlau und gebildet, werfen mit literarischen Zitaten um sich. Bestechend Auroras Aktualisierung von Camus’ «Mythos des Sisyphos»: Der wüsste heute «zu viel über den Stein, den Berg und sich selbst», um sich noch länger seiner absurden Aufgabe hinzugeben, den Stein den Berg hinauf zu wälzen. Anderes hingegen wirkt gewollt, manieriert und trägt dazu bei, dass das Werk in Einzelteile zerfällt, sich aus den unterschiedlichen Perspektiven kein Ganzes ergibt. Auch Andrei Dukelsky, das Zentrum, um das alle kreisen, bleibt als Figur und bewunderungswürdiges Genie blass. Nach der Lektüre bleibt vor allem ein Gefühl in Erinnerung, das den Titel «So enden wir» illustriert, als unausweichlichen Weg in die Zerstörung. Gut verständlich, dass dieser Eindruck unter Intellektuellen in Brasilien herrscht.

So enden wir

Daniel Galera:
Aus dem Portugiesischen von Nicolai von Schweder-SchreinerSuhrkamp Verlag; 231 Seiten; 24 Franken

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