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Ausstellung in Luzern: So schön kann todbringendes Plastik sein

Die Luzerner Künstlerin Ursula Stalder stellt in der Kornschütte ihr gefundenes Strandgut aus drei Jahrzehnten aus. Ein Meer an Chichi.
Susanne Holz
Hüterin und Mahnerin: Ursula Stalder und ihr Strandgut. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 14. August 2019)

Hüterin und Mahnerin: Ursula Stalder und ihr Strandgut. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 14. August 2019)

Betritt man derzeit die Kornschütte, kommt man sofort ins Staunen. Der Blick fällt auf Verspieltes, das zugleich durch seine strenge Anordnung besticht. Und in einer dritten Dimension scheinen die aus ungezählten kleinen Dingen bestehenden ­Installationen mit einer politischen Botschaft aufzuwarten: Liebe Menschen, passt besser auf eure Umwelt auf.

Denn das minutiös angeordnete Strandgut, das sich hier in Boden- oder Wandinstallationen präsentiert, besteht in erster Linie aus Plastik. Plastik in allen Farben und Formen, verwittert, verloren gegangen und von der Luzerner Künstlerin Ursula Stalder in 27 Jahren an den Küsten dieser Welt aufgesammelt.

Die Poesie der Plastikteile und die Pflicht zur Umkehr

Seit 1992 beschäftigt sich die 1953 in Horw geborene Künstlerin ausschliesslich mit Fund­objekten und ist regelmässig an den Meeren Europas unterwegs. Ausstellungen hatte Stalder in der Konsequenz seither an ­vielen Orten der Welt, sei es in Europa, in Ägypten, in Südkorea, Namibia oder Argentinien.

In der Kornschütte zeigt Stalder eine grosszügige Auswahl ihrer riesigen Sammlung an verwittertem Plastik und sonstigem Material, wie Glas, Holz oder Gummi. Und man erfasst sogleich – Plastik hin oder her – die Poesie, die diesem «Müll» eben auch innewohnt. Rechts von der Tür die erste ­Installation: Es sind in einer ­langen schmalen Bahn angeordnete Fundobjekte aus Piräus, aufgelesen 2017 bis 2019.

«Ich war die letzten Winter mehrmals dort», erzählt Ursula Stalder. «Zum Sammeln an einem kleinen Strand mit umso mehr Plastik. Die Abfälle sind viel mehr geworden.» Man betrachtet die vielen kaputten Dinge, den ganzen Abfall, der laut der Organisation Ocean Care Hunderttausende Delfine, Wale, Robben, Schildkröten und sogar Eisbären das Leben kostet – die Zahl der verendeten See­vögel geht in die Millionen. Und weiss: Es ist die Pflicht des Menschen, dieses Verhängnis umzukehren, die Meere zu säubern.

Im Kontrast dazu die fein und ästhetisch angeordneten Installationen der Künstlerin. Allein die eigenwillige Poesie der Fundobjekte aus Piräus: Hier die hilflose gelbe Hülle eines Überraschungseis, da das verlorene Heck eines winzigen Spielzeug-LKWs, dort der das alles überragende rote Plastik-Weihnachtsmann mit dem Loch im weissen Bart – all das sind auch Reminiszenzen an die verlorene Kindheit von uns Erwachsenen. Ursula Stalder sagt dazu: «Ich sehe die Schönheit der Objekte, will sie aber nicht schönreden. Sondern präsent machen, dass wir etwas ändern müssen.» In den kommenden Wochen wird sie deshalb auch 17 Schulklassen durch ihre Ausstellung führen.

Die Krone und der Hochmut

Für Kinder wie Erwachsene ist die Ausstellung Spielwiese fürs Auge und Anstoss zum Nachdenken. «Hochmut» steht auf einem weissen Sockel geschrieben, auf dem eine Art Krone aus altem Plastik thront. So traurig wie wichtig ist die Bodeninstallation, die Dinge aus einem zerbombten Haus in Sarajewo, gefunden 2008, zeigt: einen Fussball ohne Luft, eine zierliche Wasserpistole, eine Puppe im kaputten gelben Ballkleid.

Ursula Stalder: «Gestrandet ­Geordnet Archiviert». Zeitreise durch das Sammlungsarchiv der Künstlerin. Bis 8.9.: Mo bis Fr, 10–18 Uhr. Sa, So und Feiertag, 10–16 Uhr. Führungen mit Ursula Stalder: 25.8. und 8.9. um 11 Uhr. www.ursulastalder.ch

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