Blasorchester Stadtmusik Luzern:
So verführerisch wie dramatisch

Das Blasorchester Stadtmusik Luzern bot mit der Luzerner Kantorei und Caroline Vitale ein spannungsreiches Konzert.

Gerda Neunhoeffer
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Caroline Vitale singt Carmen packend.

Caroline Vitale singt Carmen packend.

Bild: Phiipp Schmidli (25.1.2020)

Ein geheimnisvoller Garten, ein Baum mit goldenen Äpfeln, die ewige Jugend garantieren. Bewacht von drei Nymphen, den Hesperiden, und einem hundertköpfigen Drachen. Wie soll da Herakles unbemerkt die ­Äpfel stehlen? Diese Geschichte hat der spanische Komponist José Suner-Oriola (55) mit «El Jardin de las Hespérides» in schillernde Klangfarben gesetzt.

Am Samstagabend wird diese mystische Musik am Ende des Konzertes mit dem Blasorchester Stadtmusik Luzern im KKL lebendig. Wie von weither beginnen zart metallische Klänge, hauchleise Melodien werden zu schwebenden Harmonien. Plastisch wird der Garten mit Vogelrufen, duftigen Soli, magischen Dissonanzen gezeichnet.

Vielfältige Aufgaben für gleich sechs Schlagzeuger

Plötzlich scheint sich Herakles mit jazzigen Klängen dem Garten zu nähern, und der Kampf mit dem Drachen wird kraftvoll vom ganzen Orchester geschildert. Fantastisch, wie sich da die Instrumente verzahnen, wie die Dramatik unter die Haut geht.

Dass der Komponist auch Perkussionist ist, zeigt sich in den vielfältigen Aufgaben, die von den sechs Schlagzeugern bravourös gemeistert werden. Alle Musiker folgen jedem noch so kleinsten Impuls von Dirigent Hérve Grélat exakt, und das ­Finale mit Anklängen an Wagner, Schostakowitsch und Strawinsky gelingt fabelhaft.

Aber nicht nur das Blasorchester überzeugt in allen Registern, auch die Luzerner Kantorei setzt sich im ersten Teil klangvoll in Szene. Eberhard Rex hat seine jungen Sängerinnen und Sänger bestens auf den grossen Auftritt vorbereitet. Ruhig und diszipliniert singen sie von der Orgelempore aus mit hellen, klaren Stimmen, auch über das Tutti hinweg unangestrengt und schön. Zunächst in der «Sinfonia Voci» von David Holsinger (*1845) mit rhythmischer Genauigkeit und feiner Dynamik. Dann im Werk, das dem Konzert seinen Namen gab: «Carmen».

Die Oper von Georges Bizet, hier in einer Fassung von José Serebrier und instrumentiert von Donald Patterson und Urs Neuburger, wird zum verführerischen Klangrausch. Und die Mezzosopranistin Caroline Vitale, die in Luzern und Zürich studiert hat, ist die ideale Besetzung. Ihre weittragende, höchst variable Stimme hebt sich mühelos über das Orchester und schmeichelt sich in die Ohren. Und wenn der Chor die bekannten Melodien intoniert, fühlt man sich direkt in die Opernszene in Sevilla hineinversetzt.

Elegisches und Frivoles gleichermassen ausgekostet

Die Musiker spielen die Ouvertüre temperamentvoll. Sie geben den virtuosen Szenen Drive und Esprit, die elegischen Momente werden wie die spöttisch-frivolen ausgekostet. Wunderbar das Oboen-Solo, herrlich die Fagotte und Klarinetten mit weichem Timbre. Harfe, Flöte, Klarinette und Oboe finden sich zu zartem Reigen, fast kammermusikalisch begleiten sie die Carmen in »Près des remparts de Seville».

Ein Höhepunkt wird die Habanera, volltönend und betörend die Sängerin. Trompeten glänzen in «Toreador», und krönender Abschluss ist «Les voici! Voici la quadrille», wo die Luzerner Kantorei sich strahlend bis in höchste Höhen schwingt.

Ein besonderes Highlight ist der überraschende Auftritt eines Sängers aus den Reihen des Orchesters. Armin Würsch, der seit über 30 Jahren Euphonium in der Stadtmusik spielt, hat sein letztes Konzert und singt zusammen mit Caroline Vitale «Je vais danser», auch schauspielerisch überzeugend und mit sonorer Stimme. Immer wieder gibt es zwischen den Teilen begeisterten Applaus der vielen Zuhörer. Es ist ein Konzert auf hohem Niveau, eine starke Gesamtleistung mit vielen exzellenten Soli.