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Weihnachtskonzerte im KKL: So unterschiedlich wird gefeiert

Gefallen Ihnen eher rührende Liebesfilme oder ernste, musikalische Klassiker? Im KKL gibt es etwas für jeden Geschmack. Und doch auch mit Ähnlichkeiten.
Roman Kühne
Das Bach Ensemble Luzern bot ein selten gespieltes Werk. (Bild: Pius Amrein, 23. Dezember 2018)

Das Bach Ensemble Luzern bot ein selten gespieltes Werk. (Bild: Pius Amrein, 23. Dezember 2018)

Sind Weihnachten unser letztes grosses Gesellschaftsritual? In einer Welt, die immer mehr in das Individuelle zerfällt? Es gibt im Laufe des Kalenders kein Ereignis, das bei den Menschen eine ähnliche Gleichschaltung bewirkt. Das Kaufen von Geschenken, das Zusammensein in der Familie, der Weihnachtsbaum – es sind Rituale und Kindheitserinnerungen. Selbst der grösste Besinnlichkeits-Verächter pflegt diese Bräuche – und wenn er nur Guezli isst oder Glühwein trinkt.

In der Kultur zeigen sich die Menschen ähnlich vereint, gibt es die immer wiederkehrenden Fixsterne. Prägende Säulen, die unsere Emotionen stützen. Etwa «Drei Nüsse für Aschenbrödel». Wie viele Freunde oder Bekannte haben Sie, die diese Schnulze noch nie gesehen haben? Aber auch in der ernsteren Musik sind gibt es diese Konstanten – das «Weihnachtsoratorium» von Johann Sebastian Bach etwa oder der «Messiah» von Händel.

Lieber viel Liebe statt James Bond

Während die Klassiker das KKL füllen, haben es Aussenseiter schwer. Bach und «Love Actually» bespielen am Wochenende einen praktisch vollen Konzertsaal. Für «Casino Royal» indes – eigentlich einer der Klassiker der Filmmusik und ideal geeignet für die Live-Aufführung – sind mit Ausnahme der Silvestervorführung immer noch über 600 Tickets zu haben. Ein attraktiver Streifen, aber zur falschen Zeit? Was ist es, das die Klassik von Bach und filmische Rührsehligkeiten zusammenführt? Welcher Zauber lässt die unterschiedlichsten Stil-Fans sich vereinen?

Auch die drei Konzerte vom Wochenende geben nur eine vage Antwort. Den Auftakt macht am Samstag der Liebes- und Lebensreigen von «Love Actually». Kaum jemand im Publikum hat den Film noch nicht gesehen. Das erste Erscheinen des rockenden Altstars Bill Nighy löst augenblicklich ein kollektives Gelächter aus. Das City Light Orchestra unter der Leitung des jungen Dirigenten Thiago Tiberio spielt die Emotionen voll aus. Positiv ist, dass der Sound des Films etwas zurückgenommen wird, damit die Musik sich voll entfalten kann.

Faszinierende historische Instrumente

Melancholische Elemente in der Klarinette, die improvisierenden Trompete (Patrick Ottinger) und Posaune (Adrian Weber) in «All I Want for Christmas is you» sorgen für den richtigen Mix aus Rührung und Intensität. Die Szene, in der die Braut herausfindet, dass der beste Freund ihres Mannes in sie verliebt ist, aktiviert mit einfühlsam gespielten Piano- und Streicherklängen zuverlässig die Tränendrüse. Das «Stille Nacht» gegen Schluss des Filmes legt das finale Band um die Zuschauerschaft. Ist dies das prägende Element der festtäglichen Konzertserie? Die Sehnsucht nach Verbundenheit, das Teilen oft tiefer gehenden Emotionen? Der Konzertbesuch als kollektives Ritual?

Denn Ähnliches lässt sich für Bachs Weihnachtsoratorium sagen. Am Samstag sind es das Kammerorchester Basel und der Chor des Bayerischen Rundfunks München, die hier auf vier Teile dieser sicheren Karte setzten. Dirigiert wird das Konzert von Howard Arman, der für mehrere Jahre auch das Luzerner Theater leitete. Das Kammerorchester Basel musiziert ausschliesslich auf historischen Instrumenten und bespielt auch die originalgetreu nachgebaute, selten eingesetzte Oboe da caccia. Brillant ist der Trompetenklang, flexibel und klar das Orchester. Es ist ein prickelnder Start, dessen Spannung danach etwas verloren geht.

Viel frischer gelingt die Interpretation nach der Pause. Bei den ausgezeichneten Solisten brilliert der deutsche Tenor Julian Prégardien, der elegant und innig die Dramatik steuert. Der Chor singt auf erhabenster Ebene, hervorragend in der Diktion, agil und mit weichem, vollem Nachklang.

Überraschend: Das Bach Ensemble

Dass es nicht immer das «Weihnachtsoratorium» sein muss, ja dass es nicht einmal Vater Bach braucht, beweist am Sonntag das Bach Ensemble Luzern. Sie setzten in ihrem Konzert auf den Sohn Carl Philipp Emanuel Bach und sein wunderbares, leider selten gespieltes «Magnificat».

Der Chor, geleitet von Franz Schaffner, singt auf sehr hohem Niveau. Kommt er an den schnelleren Stellen klanglich und technisch etwas an die Grenzen, entfaltet er sich umso entspannter in den langsameren Teilen, innig und mit weitem Bogen die christlichen Gedanken spinnend. Der Zuger Tenor Jonas Iten klingt wunderbar, und der Bassist Ulrich Simon Eggimann formt opernhaft und dramatisch seinen Part. Die Altistin Caroline Vitale – verhalten, aber schön gestaltend – und die Sopranistin Maria C. Schmid, die beide in Luzern studierten, singen ein inniges Duo.

Seine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte erlebt der Cellist Guido Schiefen, Dozent an der Hochschule Luzern. Spontan sprang er am Vorabend für den verletzten Solisten ein. Vor allem den zweiten Satz des «Cellokonzertes» von Joseph Haydn spielt er mit viel Hingabe, antwortet auf die Streichervorgaben des ausgezeichnet aufspielenden Orchesters mit einer inneren Ruhe und Sinnlichkeit. Das Publikum dankt es mit Standing Ovations.

Weihnachtstage im KKL: Ensemble Corund, Messiah (Händel), Mittwoch 26.12, 14.00 Uhr. City Light Orchestra: «Love Actually», Donnerstag 27.12, 19.30 Uhr. «Casino Royal», 28.–31.12, 19.30.

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