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So will sich Andermatt als Festivalort etablieren

Drei Festivals und eine Konzertserie: Andermatt setzt zum Start auf Stars des Lucerne Festival und junge Solisten.
Das Chamber Orchestra of Europe.

Das Chamber Orchestra of Europe.

Jetzt gilt es ernst für die Konzert­halle in Andermatt. Zwar überzeugt der Saal architektonisch. Sein Bau war aber nur der erste Schritt. Einen wichtigen weiteren nahm das Konzerthaus bei seiner akustischen Feuertaufe im Sommer. Sowohl bei den Berliner Philharmonikern als auch bei den kleinen Ensembles überzeugte der warme und sichtige Klang.

Dies ist nicht selbstverständlich. Die mit viel Vorschusslorbeeren gestartete Elbphilharmonie in Hamburg kämpft bis heute mit der Transparenz des Sounds. Vor allem bei gross besetzten Werken (Mahlers achte Sinfonie, die Gurre-Lieder) kommt der Saal mehr als an seine Grenzen. Nun, ein hundertköpfiges Orchester ist in Andermatt gar nicht vorgesehen, und Mahlers Sinfonien werden hier deshalb kaum je zu hören sein.

Jugend am Ruder

Dafür steht jetzt im Alpental der dritte und wohl entscheidende Schritt an: die Etablierung des Saals im schweizerischen, ja internationalen Konzertbetrieb. Aus der Fülle von Spitzenorchestern, hochkarätigen Kammerensembles und weltbekannten Solisten, die alljährlich unser Land bespielen, gilt es jene Mischung zu finden, die das Musikerlebnis in Andermatt zu etwas Einzigartigem und Persönlichem macht. Im Bergdorf soll dies mit einer Kombination aus bekannter Exzellenz und neuen Namen gelingen. Dabei setzt der ägyptische Investor und Spiritus Rector Samih Sawiris auf drei junge, bei uns noch wenig bekannte Kräfte. Die Engländer Maximilian Fane, Roger Granville und Frankie Parham sind gerade mal zwischen 27 und 30 Jahre alt. Ist es nicht ein Risiko, die Intendanz in solch junge Hände zu legen? «Herr Sawiris möchte gerade, dass sein Festival frischen Wind versprüht», erklärt Frankie Parham, einer der drei Produzenten von Andermatt Music. «Schon unser New Generation Festival in Florenz geht ganz neue Wege. Wir pendeln zwischen den Stilen. Die Zuschauer können am gleichen Abend eine Oper, Jazzmusik oder eine Late Show besuchen. Ähnliche Events sind auch für Andermatt geplant», erklärt Parham. «Wir wollen damit klar auch ein jüngeres Publikum ansprechen. In Florenz sind im Schnitt 50 Prozent unserer Besucher unter 35 Jahre alt.» Dass diese Zahlen sich nicht nur auf die «nicht klassischen» Konzerte beziehen, zeigte die finale Opernnacht mit «Le nozze di Figaro» vor einem Monat, bei der das junge Publikum klar in der Überzahl war.

Samih Sawiris möchte, dass sein Festival frischen Wind versprüht.

Spontan und entschlossen

Das seit drei Jahren überaus erfolgreiche Festival ist dabei sehr spontan entstanden. «Ich arbeitete an einem Shakespeare-Projekt in London», schmunzelt Frankie Parham. «Da kam nach der Aufführung eine Frau zu mir, die meinte, ich müsste unbedingt ihren Sohn kennen lernen.» Es handelte sich um Maximilian Fane. Parham weiter: «Max und ich sprachen zehn Minuten und entschieden, zusammen ein Musikfestival auf die Beine zu stellen. Kurz darauf lernte ich über den Freund eines Freundes die Cosini-Familie von Florenz kennen, und seither veranstalten wir in ihrem Palast Konzerte.»

Der Kontakt mit Sawiris fand ebenfalls jugendlich spontan statt. «Ein Sponsor des Festivals in Florenz hat uns Herrn Sawiris vorgestellt», erzählt Frankie Parham. «Wir sind dann im Januar nach Andermatt gereist, haben unser Konzept vorgestellt und wurden im Februar engagiert. Seither sind wir wie wild am Arbeiten, um die Eröffnung im Juni und jetzt die folgenden Festivals zu organisieren.»

Im Unterschied zu Florenz, wo alle Solisten und die meisten Musiker unter 35 Jahre alt sind, setzt man in Andermatt auf etabliertere Namen, zumindest beim Herbstfestival. «Samih Sawiris wollte die Nähe und den Kontakt zum Lucerne Festival nutzen», führt Frankie Parham aus. «Deshalb wird das erste Festival zusammen mit dem Lucerne Festival produziert.» Nur so sei es möglich, grosse Namen wie das Chamber Orchestra of Europe unter Daniel Harding oder Solisten des Lucerne Festival Orchestra zu buchen.

Zwei weitere Festivals bilden den Jahresrahmen. Ein Winterfestival im Januar widmet sich ganz dem Jubilar Ludwig van Beethoven, unter anderem mit Daniel Barenboim am Piano. Das Sommerfestival 2020 wird dann stark die Handschrift des «New Generation»-Teams tragen. Neben dem Orchesterkonzert mit Brahms und Mendelssohn gibt es eine Jazz Night, und die Oper «Le nozze di Figaro» von Mozart wird aufgeführt.

Roman Kühne

Andermatter Akustik wird Härtetest unterzogen

Den Auftakt des Herbstfestivals in der Konzerthalle von Andermatt macht die Pianistin Gabriela Montero (Titelbild: Shelly Mosman). Sie wurde in jüngeren Jahren stark von Martha Argerich gefördert. Die venezolanische Musikerin fällt vor allem auf, weil sie oft einen Teil als klassisches Konzert gestaltet, während sie im zweiten Teil über verschiedene Themen improvisiert. In Andermatt spielt sie Mozart, Beethoven und Johannes Brahms, worauf verschiedene Improvisationen folgen. Immer wieder hat sich die Musikerin auch kritisch über die schwierige Situation in ihrem Heimatland geäussert. Dafür erhielt sie im letzten Jahr den «Internationalen Beethoven-Preis für Menschenrechte» (Donnerstag, 24. Oktober, 19 Uhr). Am Freitag, 25. Oktober, ebenfalls um 19 Uhr, ist es der Brite Ben­jamin Grosvenor, der mit Mu­sikern des Lucerne Festival Orchestra Piano-Quartette von Mozart, Gustav Mahler und Johannes Brahms intoniert. Der 27-Jährige, der bereits 2012 den «Gramophone Award» für den besten jungen Künstler gewann, ist im angelsächsischen Raum überaus erfolgreich und wird erst jetzt langsam von Kontinentaleuropa entdeckt. Die Mitspieler Raphael Christ (Violine), Raphael Sachs (Viola) und Jens Peter Maintz (Cello) sind drei der führenden Musiker in ihren Stimmen beim Lucerne Festival Orchestra. Ein Paket, das einen spannenden Konzertabend verspricht. Konzertaperitif im «Chedi» Zum Schluss folgt der Höhepunkt mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Daniel Harding. Mit Antonín Dvoráks «Slowenischen Tänzen, op. 72» und der Sinfonie Nr. 2 von Johannes Brahms unterziehen sie die Andermatter Akustik einem weiteren Härtetest. (Samstag, 26. Oktober, 19 Uhr). Als Extra ist in allen Festivaltickets eine kleine Pausenverpflegung eingeschlossen. Neben den im Haupttext erwähnten Festivals gibt es in Andermatt regelmässig die Young Artists Concert. Das nächste wird quasi als Aperitif zum Festival serviert. Das junge Quartetto Werther spielt Piano-Quartette von Gabriel Fauré und Johannes Brahms. Das Konzert findet im Gotthard-Raum des Hotels Chedi statt (Dienstag, 22. Oktober, 19 Uhr). (kü)

https://andermattmusic.com/

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