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Luzerner Sinfonieorchester:
Solisten-Power zum Saisonfinale

Das Luzerner Sinfonieorchester beschliesst die Saison mit hochkarätigen Solisten: So mit «dem berühmtesten Pianisten, den man nicht hören kann». Und einem Violinisten, der dafür umso zugänglicher ist.
Roman Kühne
Christian Tetzlaff. (Bild: PD)

Christian Tetzlaff. (Bild: PD)

Krystian Zimerman ist einer der mystischsten Pianisten unserer Zeit. Schon seine Vorbereitung auf das Konzert ist Ritual und Geheimnis zugleich. Wenn der Pole auftritt, baut er ein Zelt über sein Klavier auf. Hinter dessen undurchsichtigen Planen bereitet er seinen Musikkörper allein und versteckt für den Auftritt vor.

Auch am Dienstag weilte der Künstler länger ganz alleine im Konzertsaal, wo er sein Instrument präparierte, es möglichst genau auf den Saal einstimmte. Und es ist wohl genau diese Akribie, die ihn schon während fast eines halben Jahrhunderts im Pianohimmel hält. Und eben, ein bisschen Mysterium. Als er nach 25 Jahren 2017 wieder einmal eine Soloaufnahme veröffentlichte, meinte er im Interview lapidar, dass er nicht das Gefühl hatte, der Welt etwas geben zu können, das von irgendeinem Wert ist. Heute werden seine Aufnahmen von Schuberts Sonaten oft in einem Atemzug mit Swjatoslaw Richter genannt. Sie sind grossartig in ihrer Klarheit, ihrer persönlichen und intimen Linie.

Helligkeit, die in alle Richtungen stäubt

Am Konzert im KKL interpretiert er ein ebenfalls romantisches Programm von Johannes Brahms und Frédéric Chopin. Bei diesem Auftakt zum 4-tägigen Festival des Luzerner Sinfonieorchesters zum Saisonschluss ist der Konzertsaal etwa zu zwei Dritteln gefüllt. 2010, beim letzten grossen Solorezital bei den Luzernern, war sein Auftritt noch komplett ausverkauft. Vielleicht sind vier Konzerte an vier Abenden auch für das Sinfonieorchester gar etwas viel. Vielleicht ist Krystian Zimerman, der in den letzten Jahren, wie überhaupt auf der ganzen Welt, nur selten in Luzern auftrat, beim lokalen Publikum etwas in den Hintergrund gerückt.

Tatsache ist, dass dieser «berühmteste Pianist, den man nicht hören kann» – so eine Kritikeraussage – ein Konzert auf die Bühne zaubert, das einen tiefen Eindruck hinterlässt. Zimerman verfügt über eine stupende Technik, eine präzise Kontrolle des Tons und einen Anschlag, der wirklich nie hart klingt. Er wählt, je nach Saal, eine andere Tastatur für sein Piano und hat etwa für die Schubertaufnahmen eigenhändig eine Klaviatur gebaut.

Zimerman fügt all dieses Handwerk zu einer ganz eigenen musikalischen Welt zusammen. Wie ein sorgfältiger Fächer entfaltet sich Johannes Brahms’ 3. Klaviersonate. Dieses emotional wohl wuchtigste Werk des Komponisten wird hier zum schimmernden, sanften Abendlicht. Neben den durchaus auftrumpfenden Passagen – schauerlich und drohend startet das «Intermezzo» – sind es diese vorsichtigen Momente, die das Stück zum Erlebnis machen. Das wie zufällige Suchen des Pianisten und die Entwicklung der vielen Farben, die sich natürlich ineinandermischen. Eine Sorgfältigkeit, mit welcher Krystian Zimerman auch die vier Scherzos von Chopin in einen ganz eigenen, perlenden Schein taucht. Scharfe Blöcke gehen nahtlos in verlorene Träume über. Vor allem beim zweiten Scherzo wähnt man sich wie im offenen Meer, wo ein Schwarm Makrelen die Helligkeit in alle Richtungen stäubt. Grossartig.

Wie ausgewechselt nach der Pause

Am Mittwoch ist die Reihe dann am deutschen Geiger Christian Tetzlaff, der an drei Abenden sämtliche Violinkonzerte von Mozart aufführt. Gerade erst war es Anne Sophie Mutter, die im KKL mit den gleichen Konzerten brillierte. Aber Vergleiche drängen sich kaum auf. Dort die Violinistin mit ihrem satten, solistisch dominanten Spiel, das immer die Richtung vorgibt. Hier der kommunizierende Tetzlaff, der mehr den Dialog und die intimen Seiten eines Werks erkundet. Mit ausserordentlich klarer Phrasierung und einem teils fast zärtlichen Ansatz gibt er den Stücken einen wiegenden, emotionellen Fluss. Spielt das Luzerner Sinfonieorchester vor der Pause – einmal unter Tetzlaff im 1. Violinkonzert und einmal unter James Gaffigan in der Haffner-Sinfonie – eher verhalten, so ist das Klangbild nach der Pause wie ausgewechselt. Im 5. Violinkonzert begleitet es, ebenfalls unter James Gaffigan, lebendig und farbig, akzentreich, präzise und präsent. Elastisch im Klang und mit tanzendem Lauf, entwickelt vor allem das Adagio einen fast überirdischen Schein, einen Dialog mit dem Solisten auf Augenhöhe.

Saisonfinale des Luzerner Sinfonieorchesters mit Radu Lupu (Piano), Steven Isserlis (Cello) und Christian Tetzlaff (Violine): Freitag 21. Juni, 19.30 Uhr, KKL Luzern.

CD-Tipp: Krystian Zimerman: Schubert Sonaten (Deutsche Grammophon).

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