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Abschluss des Bürgenstock Festivals: Solistische Brillanz im Kammerspiel vereint

Das Bürgenstock Festival erweist sich mit jungen Starsolisten als Zuschauermagnet. Lisa Batiashvili, Avi Avital und Kian Soltani zeigen, dass sie auch Kammermusik können.
Roman Kühne
Kammermusik vom Feinsten boten die fünf Solisten am Sonntag in der Luzerner Matthäuskirche. Bild: Michael Schmid (Luzern, 2. Juni 2019)

Kammermusik vom Feinsten boten die fünf Solisten am Sonntag in der Luzerner Matthäuskirche. Bild: Michael Schmid (Luzern, 2. Juni 2019)

Alle könnten sie diesen Abend auch alleine gestalten und die Matthäuskirche wäre wohl trotzdem ziemlich voll. Das Schlusskonzert des Bürgenstock Festivals vom Sonntag in Luzern ist ein veritables Solistentreffen. Da findet sich die georgisch-stämmige Violinistin Lisa Batiashvili, die für ihre Einspielungen schon mehrfach einen Echo Klassik erhielt. Aber auch der österreichische Cellist Kian Soltani, welcher im vergangenen Jahr am Lucerne Festival mit den Wiener Philharmonikern als Solist brillierte, und der Israeli Avi Avital, der erste Mandolinenspieler, den man für einen Grammy nominierte.

Ergänzt wird dieses Trio durch die beiden ebenfalls exzellenten musikalischen Leiter des Festivals, Andreas Ottensamer, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, und den argentinischen Kammermusikpianisten José Gallardo.

Musizieren aus Freundschaft

Wie kommt es, dass diese bekannten Namen den Weg an das kleine Bürgenstock Festival finden? Eine Antwort liegt bei Peter Frey, dem Präsidenten der Stiftung. «Solche Treffen kommen nur aufgrund von jahrelangen persönlichen Kontakten und Freundschaften zu Stande», führt er aus. «So eine Konzertserie in diesem persönlichen Ambiente ist natürlich nie kostendeckend. Da geht es wirklich um die Freude an der Sache.»

Seine Stiftung hat auch eine CD-Serie geschaffen, welche sie als Hauptsponsor unterstützen, die Bürgenstock Festival CD Edition, ebenfalls hochkarätig besetzt. Die aktuelle vierte Aufnahme «Blue Hour» bringt romantische Klarinettenmusik mit Andreas Ottensamer, der Pianistin Yuja Wang und den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons.

Vor acht Jahren war das Festival im Bereich Kammermusik noch fast eine Pionierleistung, inzwischen ist die Innerschweiz voll davon. Merkt man diese Konkurrenz, vor allem das neue «Festival with a view» im Bürgenstock Resort, welches vor zwei Wochen seine Premiere hatte. Peter Frey sieht es gelassen: «Primär ist es gut, wenn es mehr Kultur gibt. Das Festival im Resort ist in einem anderen Segment tätig, setzt mehr auf regionale Künstler. Auch haben wir an unseren Konzerten einen sehr treuen Besucherstamm und mit dem Hotel Villa Honegg und der Bürgenstock-Kapelle zwei Orte, die den freundschaftlichen und familiären Aspekt unseres Festivals perfekt rahmen.»

Individuelle Solisten

Dass das Bürgenstock Festival jedoch nicht nur Privatkonzerte für einen exklusiven Klub bietet, zeigen die moderaten Eintrittspreise und vor allem die über 200 Zuschauer, die sich trotz schönstem Wetter an diesem Sonntag in der Matthäuskirche einfinden. Und man kann es vorwegnehmen: Zwar sind alle Musiker sehr individuelle Solisten, doch die Kombinationen, in welchen diese Jungstars zusammenspielen, funktionieren.

Da sind etwa die «Trio-Miniaturen» des Schweizer Komponisten Paul Juon. Weich und tragend interpretiert der Cellist Kian Soltani seinen Part, sinnlich schwebend und elegant. Nahtlos fügt sich die dunkle Klarinette von Andreas Ottensamer in das flehentliche Gemisch. Die Humoreske spielen sie drahtig, federnd und mit grossen Kontrasten.

In «Siete Canciones Populares Españolas» (Manuel de Falla) geht Avi Avital an die Grenze seiner Mandoline, expressiv und lodernd. Pochendes spanisches Blut trifft auf sehnende Momente im warmen Schimmer der Nacht. José Gallardo ist wie immer ein aufmerksamer, inspirierender Begleiter am Klavier. Sein weicher Anschlag und seine farbgebende Gewichtung der Noten weben sich natürlich und stimmungsvoll in die Stücke.

Leidenschaft und Sorgfalt

Überhaupt ist es diese Leidenschaft, gepaart mit dem Auf und Ab der Emotionen, ein lustvolles Miteinander aus Sorgfalt und lebendigem Dialog, die den ganzen Abend prägt. Auch das grosse «Klaviertrio in c-Moll» von Felix Mendelssohn ist von diesem Kontrast aus Hingabe und Achtung geprägt. Lisa Batiashvili spielt ihre Violine expressiv, mit grossem Ton, selbstbewusst und solistisch ausladend, lässt jedoch auch dem tieferen Cello seinen Platz. Herrlich ist es, wie die drei Instrumente im Anfangssatz die nachdenklichen Emotionen entwickeln, wie sich das Geschehen immer intensiver durch die Kirche wühlt, bis in den letzten Takten Sturm und Drang sich seine Bahnen bricht. Einzig die kirchliche Akustik macht die lauten Stellen teils gar etwas breit und lässt den Nuancen wenig Platz.

Umso schöner schweben und fliessen die Mittelsätze, das aus einem Guss gewobene Andante und das spannungsgeladene, mit Verve und Präzision gespielte Scherzo. Das Publikum ist begeistert. Als Zugabe erklingt «Jerusalem of Gold» des jungen Israeli Lavan Shani, eine Art «klassische Schnulze», wo alle Instrumente nochmals ihren Auftritt haben.

Auch in seiner Winterausgabe wird das Bürgenstock Festival wieder exzellent besetzt sein. So trifft der grosse Bariton Thomas Hampson auf die Jungstars Yuja Wang am Piano und den Violinisten Ray Chen. Man darf gespannt sein.

«Blue Hour» mit Andreas Ottensamer, Yuja Wang und den Berliner Philharmonikern (Deutsche Grammophon). Bürgenstock Winterfestival, 21.-26. Januar 2020. www.buergenstock-festival.ch

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