SOLOTHURN: Filmtage fest in Frauenhand

Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat gestern die Filmtage eröffnet. Passend zum Startfilm über das Schweizer Frauenstimmrecht begleiteten sie zwei Parlamentarierinnen der ersten Stunde.

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Starke Frauen in verschiedener Hinsicht (von links): Petra Volpe (Regisseurin), Seraina Rohrer (Direktorin Solothurner Filmtage), Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Christine Beerli (Präsidentin Solothurner Filmtage), Gabrielle Nanchen (alt Nationalrätin, Vorkämpferin Frauenstimmrecht), Hanna Sahlfeld-Singer (alt Nationalrätin, Vorkämpferin Frauenstimmrecht). (Bild: Marcel Bieri/Keystone (19. Januar 2017))

Starke Frauen in verschiedener Hinsicht (von links): Petra Volpe (Regisseurin), Seraina Rohrer (Direktorin Solothurner Filmtage), Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Christine Beerli (Präsidentin Solothurner Filmtage), Gabrielle Nanchen (alt Nationalrätin, Vorkämpferin Frauenstimmrecht), Hanna Sahlfeld-Singer (alt Nationalrätin, Vorkämpferin Frauenstimmrecht). (Bild: Marcel Bieri/Keystone (19. Januar 2017))

Gabrielle Nanchen und Hanna Sahlfeld-Singer, beide ehemalige sozialdemokratische Politikerinnen, gehörten nach der nationalen Einführung des Frauenstimmrechts 1971 zu den ersten Frauen im Nationalrat. Mit der SP-Bundesrätin schritten sie gestern Abend als Vertreterinnen einer neuen Ära der Schweizer Politik über den roten Teppich vor der Solothurner Reithalle.

Sommaruga nahm das Thema des Eröffnungsspielfilms von Petra Volpe, «Die göttliche Ordnung», denn auch in ihrer Rede auf: An diesem Tag begegneten sich «Kultur, Geschichte und Gegenwart». Zu der Zeit, in der Volpes Film spielt, wäre undenkbar gewesen, was heute Fakt sei: Dass die Filmtage, die Eröffnung und der Eröffnungsfilm allesamt von Frauen verantwortet würden.

Gleichzeitig erinnerte die Bundesrätin daran, wie weit die effektive Gleichberechtigung in der Ferne liegt: Noch immer verdiene die Frau durchschnittlich 9 Prozent weniger als der Mann. «Das ist bis heute ‹göttliche Ordnung› geblieben.»

«Frauen arbeiten immer noch etwas günstiger»

Auch Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer nahm in ihrer gewohnt witzigen Ansprache Bezug auf «Die göttliche Ordnung». Sie sei froh, dürften Frauen heute sogar Drehbücher schreiben, Regie führen und Filme produzieren. «Sie sind noch in der Minderheit und machen es etwas günstiger als ihre männlichen Kollegen, aber das wird sich noch ändern.»

«Die göttliche Ordnung» handelt von der jungen Appenzeller Mutter und Hausfrau Nora, die sich 1971 in ihrem Dorf für das Frauenstimmrecht starkmacht. Die 46-jährige Filmemacherin Volpe, die 2015 das «Heidi»-Drehbuch schrieb, stellt dabei nicht die historischen Fakten des langen Wegs zum Frauenstimmrecht ins Zentrum, sondern eine junge Frau, die allen Widerständen zum Trotz für Gleichberechtigung kämpft. Sie habe in erster Linie die Atmosphäre der damaligen Zeit treffen wollen, erklärt Volpe zum Film, der auch um den «Prix de Soleure» kämpft.

Die Filmtage führen 179 Lang- und Kurzfilme auf, zahlreiche von ihnen werden zum ersten Mal vor Publikum gezeigt. Bereits morgen stehen mit den Premieren der beiden Dokfilme «Das Mädchen vom Änziloch» (Alice Schmid) und «Unerhört jenisch» (Karoline Arn und Martina Rieder) zwei weitere Höhepunkte auf dem Programm.

sda