SOMMERKLÄNGE ZUG: Vier Freunde und ein Herz für die Musik

Mit einem fulminanten Konzert der Combo A Little Green ging gestern das musikalische Festival Sommerklänge zu Ende. Die Band begeisterte das Publikum mit Irish Folk – aber nicht nur.

Haymo Empl
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Die Musiker der Thurgauer Folkband A Little Green waren gestern in Holzhäusern die Stars des Abends. Das Festival Sommerklänge war auch dieses Jahr ein voller Erfolg. (Bild: Stefan Kaiser (6. August 2017))

Die Musiker der Thurgauer Folkband A Little Green waren gestern in Holzhäusern die Stars des Abends. Das Festival Sommerklänge war auch dieses Jahr ein voller Erfolg. (Bild: Stefan Kaiser (6. August 2017))

Haymo Empl
redaktion@zugerzeitung.ch

Die ersten Besucher standen bereits zwei Stunden vor Konzertbeginn in der Warteschlange; was man sonst nur von Popkonzerten kennt, ist bei der Konzertreihe Sommerklänge nichts Aussergewöhnliches. Das Konzept des jährlich stattfindenden Festivals ist bestechend einfach: Landschaften und ausgewählte Orte im Kanton Zug verschmelzen mit Musik und umgekehrt; kurzum «Musik an wunderbaren Orten». Dies ist passenderweise auch das Motto der diesjährigen Reihe, die gestern zu Ende ging.

Die Lokalitäten waren dieses Jahr genau so überraschend und originell wie die Auswahl der Musik: Auftakt bildete der «Karneval der Stille» vor gut einem Monat, ein Oxymoron im Titel, nicht aber in der Realität – das garantierte das bestens etablierte «Ensemble Chamäleon» auf einem Bauernhof in der Nähe von Cham. Abschluss bildete dann gestern A Little Green unter dem Motto «Lebensfreude».

Pfahlbauer und illegale Partys

Musik, Landschaften, Sehenswürdigkeiten, Geschichte, verborgene Kostbarkeiten und letztendlich auch kulinarische Genüsse – das kam an, das Zelt neben der Freizeitanlage Heuboden bei Holzhäusern war bis auf den letzten Platz besetzt. «Wir sind stolz darauf, dass wir mit den Sommerklängen in all den Jahren offenbar immer wieder den Nerv des Publikums treffen», freute sich Madeleine Nussbaumer. Sie ist die künstlerische Leiterin der Konzerte und war für die Auswahl der gestrigen Gruppe (mit)verantwortlich.

Fast so wichtig wie die musikalischen Darbietungen sind am Festival jeweils die kurzen Einleitungen zu den Veranstaltungsorten. Eine Freizeitanlage ist nun wahrlich nicht besonders spektakulär, sie wird es aber, wenn die Lokalität von jemandem wie Georg Frey – er ist der ehemalige Denkmalpfleger des Kantons Zug – erläutert wird. Gestern Abend tat er das sehr pointiert und geistreich. «Als man mich fragte, ob ich die Einführung übernehmen sollte, war ich mir erst nicht sicher. Denn hier gibt es ja weit und breit kein Denkmal», erklärte er dem Publikum. «Also ging ich von den Namen der jeweiligen Ortschaften in der Umgebung aus, Holzhäusern, beispielsweise. Es handelt sich hier nicht um Häuser aus Holz, sondern um Häuser, die beim Holz stehen.» Georg Frey schaffte es gestern, in wenigen Minuten einen spannenden historischen Bogen von den Pfahlbauern über die Ortschaften Risch und Rotkreuz zu spannen, ohne den Autobahnbau in den 1960er-Jahren auszulassen. In einem kleinen Schwenk erinnerte Frey an die illegalen Partys, die am Veranstaltungsort vor nicht allzu langer Zeit stattgefunden haben. Wäre in der Schulzeit der Geschichtsunterricht nur halbwegs so erfrischend gewesen!

Folkmusik im Heuboden

Dann: Bühne frei für die eigentlichen Stars des gestrigen Abends: die Männer von Little Green. Bereits nach wenigen Sekunden wurde klar, warum die Verantwortlichen das Thema «Lebensfreude» gewählt hatten – die vier Musiker aus dem Thurgau sprühten nur so davon. Little Green, das sind: Simon Engeli, Felix Käser, Giuseppe Spina und Philip Taxböck. «Wir sind die einzig wahre Boyband aus dem Thurgau», stellten sie sich mit einem breiten Grinsen vor. Im Gegensatz zu den Boyband-Retorten-Pop-Produktionen ist diese Combo aber um Welten besser. Alle sind sie Multiinstrumentalisten, alle können sie singen und – das wurde ebenfalls schnell klar – auch schauspielern. 1998, so erfuhr man, beschlossen die vier Musiker, ihre damaligen Punkbands, Streichorchester, Jazzkapellen und Death-Metal-Gruppen zu verlassen und sich fortan dem Irish Folk zu verschreiben.

Allerdings wurde gestern bei weitem nicht nur einfach «Irish Folk» dargeboten. «Folk» hingegen schon. Da wurden italienische Schmonzetten vorgetragen, französische Chansons und jiddischer Klezmer. Viele der traditionellen Stücke wurden von der Gruppe umgeschrieben, neu arrangiert und ausnahmslos umwerfend interpretiert. Und jedes der Stücke hatte eine ganz eigene Dramaturgie: angefangen bei der Geschichte, wie und warum es zur Auswahl gekommen ist, über eine mehr oder weniger ausgefeilte Choreografie bis hin zum Gesang. Alles war auf den Punkt, unterhaltsam, nie zu lang oder gar langweilig.