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SOMMERMODE: Blühende Fantasien im Garten der Mode

Blumen sind unerschöpfliche Quellen der Inspiration. Diesen Sommer erstrahlen Blütenmuster in ihrer ganzen Pracht. Mal klein, mal gross, mal stilisiert oder naturalistisch.
Yvonne Forster
Blumenmuster: Modell von Gucci. (Bild: PD)

Blumenmuster: Modell von Gucci. (Bild: PD)

Yvonne Forster

Die Wiesen und Wälder sind voller Blumen, in den Gärten und Töpfen blüht es in satten Farben. Es duftet überall nach Sommer. Wen wundert es daher, dass sich die Menschen seit Jahrhunderten an der Vielfalt der Natur erfreuen und inspirieren lassen. «Der Mensch liebt Blumen, sie lösen positive Reize aus, bewegen unsere Gemüter, besonders in Zeiten der Unsicherheit und des Aufbruchs. Sie sind der Inbegriff für Poesie», sagt Hans Schreiber, Kreativchef des Stickereiunternehmens Forster Rohner in St. Gallen.

Es ist tatsächlich so: Blumen sind das meistangewandte und -abgewandelte Dekorationselement. Von chinesischen Porzellan-Chrysanthemen und japanischen Lotusblumen zu alpenländischen Trachtenblumen bis hin zu eleganten Jugendstilblüten. Kaum ein Künstler oder Handwerker, der sich nicht dieser Naturschönheiten bedient hätte, um mit ihnen Möbel zu bemalen oder Geschirr, Bettwäsche und allerlei Haushaltsartikel zu dekorieren.

Berühmte Modeschöpfer haben ihre Haute-Couture-Roben mit kostbaren Blüten-Applikationen bestickt. Und es gibt kaum einen Maler, der nicht Blumen auf der Leinwand verewigt hätte: Die Tulpen von Breughel oder die Sonnenblumen von Van Gogh wurden unzählige Male kopiert.

Von der Tapete aufs Kleid

Blumen haben diese Saison auch die Modedesigner verzaubert. Ganze Schaufenster sind gefüllt mit floralen Mustern an luftigen Sommerkleidern. Streublümchen, Rosen, Anemonen, Margeriten. Elegant, verspielt, geheimnisvoll, winzig oder grossformatig, naturalistisch oder stilisiert. Ein Grund, die Stilrichtungen ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Denn jeder Modeschöpfer habe seine eigene Handschrift, sagt Hans Schreiber. «Mal sind die floralen Elemente grafisch, mal verschwommen, dann wieder abstrahiert oder ganz naturalistisch umgesetzt.»

Ein starker Trend sind die Blumenmuster aus den 60er- und 70er-Jahren. Grafische, plakative Dessins erinnern an die Pop-Art, zum Beispiel an Bilder von Andy Warhol. Prada und Miu Miu, zwei italienische Labels, haben diese scha­blonenartigen Muster, die an die geometrisch angeordneten Prilblumen aus der Henkel-Waschmittel-Werbung erinnern, in neuen Farbkombinationen inszeniert und mal fein, mal grossformatig auf Stoff gedruckt.

Auch Michael Kors, Balenciaga und Dolce & Gabbana lassen Margeriten und naturalistische Blütenranken in kräftigen Farben auf Kleidern und Hosen leuchten. «Oft erinnern die Blumenmotive an altmodische Geschenkpapiere, Tischtücher oder Tapetenmuster und erreichen mit ihren Farbkombinationen manchmal die Schmerzgrenze des Kitschs», sagt Hans Schreiber.

Als «Maestro of ultra floral prints» und als «Mode-Gärtner» galt in den 60er-Jahren der italienische Designer Ken Scott. Er übersäte Kleider, Hemden, Foulards, Badeanzüge, Taschen und Koffer mit Mohnblumen, Pfingstrosen, Astern und Sonnenblumen in wilder Anordnung und mit grellen Farben. In den 70er-Jahren erreichte er Kultstatus. Heute greifen viele Designer seinen exaltierten Blumenstil wieder auf und erinnern sich an die Lebenslust und das Freiheitsgefühl der Flower-Power-Epoche. Chloé hat sich von den fröhlichen Blumenprints auf Wachstischtüchern jener Zeit begeistern lassen und lässt sie in unterschiedlichen Grössen und in mutigen Interpretationen auf Hippie-Kleidern wiederaufleben.

Genau abgezeichnete Rosen zieren den Herrenanzug bei Gucci. Fast als hätte man sie aus der Enzyklopädie abgepaust. «Am Dandy-Anzug im Stil der Oscar-Wilde-Epoche verkörpern die Rosen die Schönheit des Spätbarocks», sagt der Kreativchef. Dieses dekorative Element erinnert an Möbelstoffe der Rokoko-Zeit.

Der belgische Modeschöpfer Dries van Noten zitiert mit seinen übergrossen Eisblumen die Stillleben der alten niederländischen Meister. Aber auch die Rosenbilder des berühmten französischen Zeichners Pierre-Joseph Redouté aus dem 18. Jahrhundert gehören zu den beliebtesten Blumenquellen der Stoff­designer und Dekorateure. In der Bibliothek eines jeden Stoffentwerfer-Ateliers steht mit Sicherheit ein Redouté-Buch. Wie überhaupt Hunderte von Fachbüchern mit Blumenillustrationen zum Archiv eines erfolgreichen Designers gehören.

Sowohl die malerischen Gärten buddhistischer Tempel in Kyoto als auch die zarten Blütenranken altchinesischer Tuniken werden auf luftigen Sommerkleidern dargestellt. Vor allem in kommerziellen Geschäften sind asiatisch inspirierte Motive auf unzähligen Modellen zu sehen. Zara hat dem Blumenthema eine ganze Kollektion gewidmet. Wer kann da noch widerstehen?

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