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SOMMERSERIE: Bruno Bussmann lässt Zufallen und staunen

Frühwerke aus der Kindheit besitzt Bruno Bussmann (74) keine mehr. Umso lebendiger lässt er sie vor dem inneren Auge emporsteigen – mit seiner Erzählkraft.
Andrea Portmann
Der in Sempach lebende Künstler Bruno Bussmann mit einem frühen Bleistiftporträt eines Schuhs. (Bild: Roger Grütter (Sempach, 15. August 2017))

Der in Sempach lebende Künstler Bruno Bussmann mit einem frühen Bleistiftporträt eines Schuhs. (Bild: Roger Grütter (Sempach, 15. August 2017))

Andrea Portmann
<span style="font-size: 1em;">kultur@luzernerzeitung.ch</span>

Das Unmittelbare, Verspielte, Natürliche, das heute so deutlich spürbar ist in den Arbeiten des in Emmenbrücke geborenen Künstlers und ehemaligen Hochschuldozenten Bruno Bussmann, wollte sich wohl in frühen Jahren schon einen Weg aufs Papier bahnen. Aus der Sicht der damaligen Lehrer war das aber nicht richtig, und das gaben sie ihm auch zu verstehen. Geprägt von diesen Kindergarten- und Schulzeit­erfahrungen hat der Künstler im Laufe seines Lebens umso stärker eine Haltung entwickelt, die sich allem gegenüber empfindend und offen verhält, danach fragt, ob etwas einer Bestimmtheit folgt, und nicht, ob es richtig oder falsch ist.

Begonnen hat alles (vielleicht) mit einem «falsch» gezeichneten Dachkamin: «Die Kindergärtnerin hat zu mir gesagt, das sei falsch gezeichnet, der Rauch komme nicht gerade aus dem Dach. Für mich war es aber genau so richtig, nämlich im rechten Winkel. Sie hat mir mit Nachdruck anhand einer anderen Zeichnung zu verstehen gegeben, wie es richtig sein soll. Das hat mich damals sehr traurig gemacht.»

Etwas Inneres von sich preisgeben

Früh bemerkte Bussmann, dass es beim Zeichnen in der Schule ein klares Unterscheiden in Richtig und Falsch gab und dass es gefährlich sein konnte, «weil man etwas Inneres von sich preisgibt, das die anderen lesen können». Einmal, selbstversunken eine Figur mit einem urinierenden Penis zeichnend, kam die Mutter und fragte: «Was machst du da?» Und ein andermal, in der Vorfasnachtszeit beim begeisterten Malen einer wilden Fratze, das ganze Blatt voller Farbe, plötzlich ein Schlag mit dem Haselstock aufs Papier und ein empörter Lehrer, der schrie: «Eine Sauerei, was du da machst!»

Während der Primarschulzeit (um 1950) wäre Bussmann nie auf die Idee gekommen, sich zeichnend weiter zu entfalten: «Die Frage der Begabung oder des Talents in frühen Jahren hat sich bei mir beim Zeichnen am wenigsten gestellt. Die schlechtesten Noten hatte ich im Zeichnen und im Schönschreiben. Das konnte ich einfach nicht so regelkonform.»

Woanders fiel es ihm leichter. «Ich orientierte mich beim Lernen an optischen Merkmalen. In Geografie wusste ich, dass der ‹Schlirrg› auf der Landkarte Gletsch ist, das verband ich dann mit Grimsel und Furka. Ich hatte aber keine Ahnung, wo das wirklich war. Ich hatte keinen wirklichen Bezug dazu.» Die ‹Schlirrge›, die Bussmann damals in den selbst gezeichneten Landkarten sah, findet man heute als ausdrucksstarke Farbtupfen auf seinen Zeichnungen, wo sie sich lustig tummeln und miteinander in dynamische Beziehungen treten. Seine Begeisterung für das bildnerische Gestalten erwachte während des Lehrerseminars. Impulse für seine Kunst erhielt er nicht primär aus dem Zeichnungsunterricht – da wagte man sich an das Thema des Kontrasts in Form eines Eskimos vor einem Feuer –, sondern vom damaligen Deutschlehrer Xaver von Moos. Dieser vermittelte, was er persönlich als wichtig erachtete: Grundlagen der Ästhetik. Er besuchte mit seinen Schülern das Corbusier-Museum, Ausstellungen in Bern und Basel, schaffte Zugänge zum Surrealismus und zu aktuellen Kunstströmungen.

Bussmann reagierte stark auf diese Kunstform: «Herr Professor, das kann ich auch, was soll das?» Von Moos antwortete, ohne mit der Wimper zu zucken: «Gut, Bussmann, dann machen Sie es!» Und er begann zu experimentieren und entdeckte seine Faszination für zufällig entstehende spannungsvolle Bildkonstellationen.

«Der Mensch ist das, was er in sich zulässt»

Insgeheim spielte er mit dem Gedanken, die Kunstgewerbeschule zu machen, hatte aber noch Vorstellungen von Kunst und Begabung im Kopf, die sich diesem Wunsch in den Weg stellten. Sein Schulkollege Walter Lüthi bewog ihn dazu, eine Mappe einzureichen, und Bussmann wurde angenommen. Einige dieser Arbeiten gehören zu den einzigen frühen Werken, die der Künstler noch hat. Wahrnehmbar sind in ihnen bereits eine starke visuelle Neugier, eine Entdeckerlust und ein Drang nach einem vielseitigen Ausdrucksspektrum. Ein Blatt fällt besonders auf, weil es un­typischer nicht sein könnte: ein genau gezeichnetes Bleistiftporträt eines Schuhs. Das «richtig» Zeichnen, das Beobachten und Differenzieren wird zu diesem Zeitpunkt an der Schwelle zum bewusst gewählten künstlerischen Werdegang zu einer Darstellungsmöglichkeit unter vielen und führt zu einem verspielten, dem Zufall vertrauenden, intuitiven Schaffen, zu Zeichnungen, die von einer kindlichen und physischen Unmittelbarkeit leben. Diese Offenheit ist für Bussmann bis heute wesentlich: «Das ist Glück. Wenn man immer offen ist für anderes – dann fällt es einem auch zu!»

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