Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SONGWRITERIN: Natalie Merchant hat das Staunen nicht verlernt

Natalie Merchant ist eine der originellsten Liedermacherinnen zwischen Folk und Pop. Eine umfangreiche CD-Box würdigt das bisherige Gesamtwerk der Amerikanerin.
Christoph Wagner
Schon seit 20 Jahren im Geschäft: Singer-Songwriterin Natalie Merchant. (Bild: PD)

Schon seit 20 Jahren im Geschäft: Singer-Songwriterin Natalie Merchant. (Bild: PD)

Christoph Wagner

1995 erschien ihr erstes Album unter eigenem Namen: 5 Millionen verkaufter CDs von «Tiger­lily» machten Natalie Merchant weltweit bekannt. 2015, genau zwanzig Jahre später, nahm die amerikanische Singer-Songwriterin das Débutalbum noch einmal auf: Titel für Titel, wobei sie nur die Reihefolge der Songs etwas veränderte. Dennoch ist der Unterschied frappant: Mitte der 1990er-Jahre kamen die Lieder in elektrischer Popverpackung daher, getragen von E-Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Heute sind sie in sensible Streicherklänge gehüllt, was dem Album eine kammermusikalische Qualität verleiht. Gleichzeitig hat sich Natalie Merchants Stimme verändert. Sie ist tiefer, dunkler und kehliger geworden – ausdrucksstärker. Die gerade erschienene 10-CD-Box mit dem Titel «The Natalie Merchant Collection» dokumentiert ihre Entwicklung in eindrucksvoller Manier.

Die Sängerin wollte auf eigenen Beinen stehen

Bevor Merchant 1993 ihre Solokarriere startete, hatte sie schon eine zwölfjährige Karriere im Popbusiness hinter sich. Als Leadsängerin der alternativen Rockgruppe 10000 Maniacs war sie in den Achtzigern zu weltweiter Popularität gekommen. Veröffentlichungen wie «In My Tribe» und «Blind Man’s Zoo» hatten die Maniacs auf die vorderen Plätze der internationalen Pop-Charts katapultiert. Die ameri­kanische Indie-Band stand für ­einen halbakustischen Sound irgendwo zwischen Folk und New Wave, der eine «Southern Quality» (Merchant) besass.

Doch Natalie Merchant wollte auf eigenen Beinen stehen. Sie hatte Glück. Der Erfolg ihres Débuts bildete den idealen Startschuss für eine Solokarriere, die über die Jahre ein paar interessante Wendungen nahm. Zuerst tauchte Merchant tief in die amerikanische Folk-Tradition ein und interpretierte alte Hillbilly-Songs und religiöse Hymnen neu. Danach öffnete sie sich der Welt­musik: Ob Cajun, Tango, Blues, Gospel oder Klezmer – Merchant bediente sich bei einer Vielzahl von traditionellen Musikstilen. Wobei Instrumente wie Dudelsack, Hackbrett, Viola da Gamba oder Concertina für farbige Arrangements sorgten. Selbst Reggae und asiatische Klänge kamen in ihrem Stilmix vor. Die Öffnung zur Weltmusik markierte einen Meilenstein in Merchants künstlerischer Entwicklung, stiess sie doch Türen zu neuen Horizonten auf.

Seit Natalie Merchant 2003 Mutter geworden ist, haben sich ihre Prioritäten verschoben. Sie hat ihre musikalischen Aktivitäten heruntergefahren. Nur noch alle Schaltjahre erscheint eine neue Veröffentlichung. Auch tourt sie nicht mehr so häufig, spielt höchstens ein oder zwei Konzerte im Monat. Heute bleibt ihr vor allem die Nacht, um ihrem Beruf und ihrer Berufung nachzugehen. Wenn die familiären Pflichten ruhen und ein paar störungsfreie Stunden in Aussicht stehen, begibt sich Merchant in eine Art Hypnosezustand, um an neuen Songs zu arbeiten.

Scheinbar Vertrautes mit neuen Augen

Egal ob sie über behinderte Kinder singt, ihrer Grossmutter ­einen Song widmet oder persönliche Problemlagen thematisiert, immer versucht sie, unter die Schicht der Abstumpfungen des normalen Alltags zu gelangen, an den Ort, wo die verschütteten Gefühle, rohen Empfindungen und verdrängten Traumata wohnen. Merchant lässt den Hörer scheinbar Vertrautes mit neuen Augen sehen, wie Kinder, die das Staunen noch nicht verlernt haben.

Aus diesem Grund ist es der Singer-Songwriterin wichtig, den Kontakt zum Alltag der einfachen Leute nicht zu verlieren. Dort bringt sie sich ein, dort findet sie ihre Themen. Sie hat sich für die Anliegen der amerikanischen Ureinwohner starkgemacht sowie an ihrem Wohnort in Umwelt­initiativen engagiert. Kurz: Natalie Merchant will alles andere als ein Popstar sein: «Es ist wunderbar, ein Niemand zu sein», macht sie ihren Standpunkt klar. «Und dann, für einen kurzen Moment auf der Bühne, bin ich ein Jemand, um mich gleich danach wieder in einen Niemand zu verwandeln.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.