Begeisterte Fans im Südpol: «Sophie Hunger ist ein Weltstar!»

Sophie Hunger trat am Samstagabend im ausverkauften Südpol auf. Die Liedauswahl war so vielseitig wie das Publikum.

Susanne Holz
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Das Konzert von Sophie Hunger im Südpol in Kriens war ausverkauft.

Das Konzert von Sophie Hunger im Südpol in Kriens war ausverkauft.

Jakob Ineichen, 7. Dezember 2019

Sophie Hunger ist eine vielseitige Künstlerin, und sie hat zudem ein sehr vielseitiges Publikum. Das stellt man mit leichter Erheiterung beim vollends ausverkauften Konzert vom Samstagabend im Südpol fest. Denn während auf der Bühne ein wirklich tolles Konzert gegeben wird, wird es einem auch ganz hinten auf der kleinen Tribüne nicht langweilig ob der unterschiedlichen Charaktere, die einen dort umgeben: Bünzlis, Bildungsbürger und die Lustigen mit der etwas schrägen Fantasie, die man hier am ehesten erwartet hat – alle sind sie dabei und wollen Sophie Hunger hören.

Wie schrieb der Südpol im Veranstaltungshinweis? «Hunger ist eine Meisterin, wenn es darum geht, sich das Unerwartete zu eigen zu machen.» An diesen Satz muss man unwillkürlich denken, als man auf der Suche nach einem Platz ganz ­unerwartet und oberlehrerhaft gemassregelt wird von einem Fan der älteren Generation: «Da müssen Sie früher kommen.» Die Bünzlis haben gesprochen. Die Bildungsbürger rufen einen später dazu auf, endlich leise zu sein und angemessen ruhig ­zuzuhören, als es gerade ein bisschen lustig geworden ist, weil man als mitschreibende Journalistin zuerst als Nerd und Streber beschimpft und dann gefragt wird, ob man eigentlich aus dem Osten sei und ob man beim Sex auch immer alles sofort mitschreiben würde.

Eine an Heiligenverehrung grenzende Begeisterung

Ein solch vielseitiges Publikum in einem Konzertsaal vereinen zu können, lässt auf eine wahrlich grosse Künstlerin schliessen. Und das ist Sophie Hunger vermutlich auch, auch wenn einem die an Heiligenverehrung grenzende Begeisterung, die manche ihrer Fans an diesem Abend an den Tag legen, etwas auf die Nerven geht.

Aber dafür kann die 36-jährige Schweizer Sängerin und Musikerin, die seit vier Jahren in Berlin lebt, ja nichts. Und sie gibt sich auf der Bühne weder als Ikone noch als besonders cool. Sie ist einfach Sophie Hunger, die Spass am Konzert und an ihrer Musik und mit ihrer Band hat und das ohne Allüren rüberbringt. Die Band glänzt mit Mario Hänni, einem der gefragtesten Schlagzeuger der Schweiz, mit der E-Bassistin Martina Berther, geboren in Graubünden und ausgebildet an der Musikhochschule Luzern, mit Dino Brandao an Percussion und Gitarre sowie mit Julien Castou am Synthesizer.

Sophie Hunger eröffnet ihr Konzert mit «I Opened A Bar» vom 2018 erschienenen Album «Molecules». Ein Album, das mit elektronischem Space-Pop überrascht und die Musikwelt wieder einmal von der Originalität dieser Künstlerin überzeugt hat. Der Song klingt aber auch nach Jazz, Folk und Leonard ­Cohen. Der zweite Song des Abends war ebenfalls zu erwarten: «She Makes President», ebenfalls vom jüngsten Album.

Orangene Lichter blinken auf wie Rettungsringe

Der Beat der Band fährt ein, das Publikum beginnt sich zu regen. Es gibt viel ersten Rauch auf der Bühne und viel Applaus. Dann setzt Hunger a cappella zum Lied über die Fahrenden an, «Die Fahrenda». Ihre Stimme ist noch nicht so warm gesungen wie zuletzt bei der Zugabe des brandneuen Songs «Strangers», aber das Charisma stimmt: «Und schöön sinds, dass mer stuune muess...»

Später dann blinken auf der Bühne hinter der Band orangene Lichter auf wie Rettungs­ringe, und plötzlich bespielt die Sängerin den «kleinen Synthi, der wie ein Konzertflügel klingt», so nannte Hunger diesen in einem Interview von 2018, in dem ihr «Minimal Electronic Folk» Thema ist. Minimal ist an diesem Abend aber nichts, weder das leicht irre Publikum noch die Band noch die Musik sind es. Hunger singt straight und zart, die Bassistin ist schrill und gut, Drummer Mario Hänni treibt an und reisst mit.

Zu mitreissenden Höhepunkten werden auch – kein Wunder – die Songs «Das Neue» (Album «The Danger of Light», 2012) und «Tricks» von 2018. Rauschhafte Klangfülle. Der Fan neben einem reisst die Notizen der Journalistin an sich und schreibt: «Sophie Hunger ist ein Weltstar!» Und: «Es hat allen gefallen!»